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Herzlich Willkommen zu Phils WWE-Blog!
Aufgrund einer stressigen Auslandsreise und einer noch stressigeren Heimkehr habe ich es vor Sonntagabend nicht geschafft, die Sendungen vor dem Elimination Chamber-PPV zu schauen. Den Pay Per View andererseits konnte ich ungespoilert und ausgeschlafen verfolgen und mehr oder weniger genießen, wie ihr gleich lesen werdet. Ungeachtet von der Qualität der Segmente bleibt das Endresultat bestehen, nämlich dass die WWE wie in den letzten zwei Jahren die Würfel beim letzten Pay Per View vor WrestleMania noch einmal kräftig rollen hat lassen. Drei Titelwechsel und einige sehr konkrete Weichenstellungen später können wir auf die drei sehr wahrscheinlichen Main Events von WrestleMania 26 blicken:
John Cena (w/Bret Hart) vs. Batista (w/Vince McMahon) um den WWE Heavyweight Title
Edge vs. Chris Jericho um den World Heavyweight Title
Shawn Michaels vs. The Undertaker, Part Deux
Alle drei Matches, so sie denn zustande kommen, versprechen in meinen Augen eine potenziell fantastische WrestleMania Uppercard. Cena und Batista harmonieren im Ring gut, auf Jericho gegen Edge freuen wir uns seit letztem Sommer und das Rematch zwischen HBK und dem Undertaker lässt dem geneigten WWE-Fan das Wasser im Munde zusammenlaufen. Das Beste von allem: kein Triple H, der die Uppercard verstopft.
Aber nehmen wir lieber einen Schritt nach dem anderen und blicken auf den Elimination Chamber-PPV.
Was mir gefallen hat:
* Das Finale des SmackDown-Chamber-Matches: Ab dem Punkt, wo Morrison Rey Mysterio eliminierte, war das zweite Elimination Chamber-Match eines Main Events würdig. Morrison durfte gut mithalten und es ist keine Schande, vom Undertaker gepinnt zu werden. Jericho war als Angsthase das Highlight der Show, als er mehrmals sich in seine Kammer zurückzog und in panischer Angst die Tür vor dem Undertaker verschlossen halten wollte. Das Finish mit dem plötzlich auftauchenden Shawn Michaels war dann perfekt und genau das richtige Booking, um die Weichen für WrestleMania in meine persönliche Lieblingsrichtung zu stellen.
* Mysterio pinnt Punk: Der Straight Edge Savior hatte dem bekanntesten Luchador der Welt in den letzten zwei Wochen extrem zugesetzt, ein Beatdown folgte auf den nächsten. In meinem letzten Blog freute ich mich auf ein mögliches Match der beiden bei WrestleMania, welches durch den Pinfallsieg von Mysterio über Punk im SmackDown-Chamber-Match noch wahrscheinlicher wurde. Ob es tatsächlich zu einem Hair vs. Mask-Match wird, werden wir noch herausfinden, aber die Kombination der beiden verspricht schon jetzt ein hervorragendes Match am 28. März. Das letzte Match der beiden bei einem PPV, das Intercontinental Title Tournament-Finale im Dezember 2008, war ein Showstealer und ich traue den beiden zu, dies zu wiederholen: Mysterios Körper ist zwar kaputt, aber bei WrestleMania wird er nochmal alles auspacken -- CM Punk ist einer der Topheels der Liga und kann auf der großen Bühne brillieren, wie er im letzten Jahr mehrfach bewiesen hat. Eine Fehde, auf die ich mich freue.
* DiBiase pinnt Orton: Einerseits muss man sich fragen, was die WWE eigentlich mit Orton vor hat, der bei der letzten RAW-Folge beinahe einen Faceturn vollzogen hatte und dementsprechend von den Fans in St. Louis aufgenommen wurde. Andererseits ist die Storyline um DiBiase, Rhodes und Orton, die sich seit kurz vor dem Rumble entfaltet, immerhin interessant und mit genügend Fragezeichen gefüllt, um den nächsten Schritt zu erwarten. Zuerst habe ich ja gestöhnt, als DiBiase Orton aufgeholfen hat, auch wenn ich im Hinterkopf einen RKO von Orton als nächstes erwartet hatte. So ganz sicher bin ich mir auch noch nicht, dass DiBiases Pinfall ein Erfolg darstellt, da er es nicht mit Antrieb gemacht hatte und kurze Zeit später durch den schwachen Trouble In Paradise-Finisher von Kofi Kingston eliminiert wurde. Aber es steckt immer noch Potenzial in dieser Storyline und für den Moment freue ich mich auf dieses Potenzial.
* Die McMahon-Batista-Allianz gegen Cena: So sehr ich mich darüber gefreut habe, dass Triple H nicht entgegen meiner Befürchtungen den Titel gewinnen durfte, so sehr habe ich auch gestöhnt, weil es stattdessen John Cena wurde. Beide haben ihre Qualitäten, aber als Champions gibt es für beide nichts Neues oder Interessantes mehr zu erreichen. Umso mehr hat es mich überraschenderweise gefreut, als Cenas Titelsieg von Vince McMahon und Batista zunichte gemacht wurde. Batista, der eigentlich über ein Jahr lang überhaupt keine Charakterentwicklung vorweisen konnte, explodierte in den letzten Wochen förmlich in dieser Richtung und kann als Topheel und Corporate Champion nun seine besten Qualitäten (Charisma) ausspielen. Ich hätte es auch nicht mehr geglaubt, aber Batista interessiert mich auf einmal wieder. Die Victory Celebration bei Monday Night RAW mit ihm und McMahon könnte sehr, sehr unterhaltsam werden -- auch weil Cena als Verfolger mit ernsten Promos im Gepäck besser eingesetzt werden kann.
* Miz gegen MVP: Es gab eine Menge Füllmaterial im mittleren Teil des Pay Per Views, doch Miz und MVP ließen sich von der Tatsache, dass ihr Match quasi aus dem Nichts angekündigt wurde, nicht erschüttern und zeigten ein gutes, wenngleich mit Handbremse geführtes Midcardmatch um den United States Title. Big Show an der Seite von Miz war ebenfalls in allerbester Form, besonders als er seinen Partner anfeuerte und Mark Henry in die Bande warf. Was das Match jedoch herunterzog, war der langsame Beginn und das fürchterliche Kommentatorentrio (mehr dazu unten), das sich für alles andere als das Match zu interessieren schien. Die lustige Dynamik mit Miz als Mentor von Daniel Bryan wurde in der Pre-Match Promo von Miz schön aufgegriffen, wenngleich Lawler und Striker mehrere Schritte zu weit gingen, als sie Miz gegenüber Bryan "verteidigten". Aber dazu wie gesagt später mehr: Es ist nicht Miz' Schuld, dass er in dieser Lage ist und ich gebe gerne zu Protokoll, dass er seine Rolle ausgezeichnet spielt. Es ist gut für ihn, dass er den Titel erstmal behalten durfte, auch wenn ich das Finale der Fehde gegen MVP im Opener bei WrestleMania ein "gutes" Ende nehmen sehe.
Was mir nicht gefallen hat:
* Triple H pinnt Sheamus: Kaum ein Main Eventer langweilt mich so wie Triple H, der trotz der grundsoliden Qualität seiner Topmatches und seines recht guten Sellings das metaphorische Stoppschild der Charakterentwicklung ist. Daher habe ich aufgestöhnt, als er Sheamus, der gerade begonnen hatte, als Champion over zu kommen, einfach mit einem einzigen Pedigree abservierte. Wenn es schon sein musste, hätte es viel mehr gebracht, Sheamus aus einem Pedigree auskicken zu lassen, um sein Momentum nicht gar völlig zu stoppen. Es ist möglich, dass man ein Singles Match der beiden für die WrestleMania-Undercard plant oder gar eine längere Fehde, allerdings bin ich mir im Moment nicht sicher, ob ich das wirklich noch sehen möchte.
* Die drei Deppen vom Kommentatorentisch: Ich bin eigentlich normalerweise ein ruhiger Beobachter von Wrestlingshows, von spontanen Markouts bei Bookingentscheidungen, die mir gefallen, oder fantastischen Matches mal abgesehen. In den drei Stunden des Pay Per Views jedoch musste ich diverse Male laut aufschreien, weil ich befürchtete, dass mir die Ohren von dem Schwachsinn, den diese drei (ja, alle drei!) "Kommentatoren" verzapft haben, anfangen würden zu bluten. Cole, der im Opener keine Minute brauchte, um die Worte "controlled" und "frenzy" zu verbinden und sich seitdem nur verschlechterte, war tatsächlich noch der am wenigsten nervende von der Truppe. Jerry Lawler, der seinen Job anscheinend vor Jahren aufgegeben zu haben scheint, stach nur durch Kommentare hervor, bei denen ich mich fragte, warum McMahon als Promoter dem nicht an die Gurgel springt: über McIntyre, den sogenannten Auserwählten, sagte Lawler in recht eindeutiger Manier, dass er kein Charisma hätte -- mir will nicht in den Kopf, warum man das über einen jungen Wrestler sagen kann, den man pushen will, damit er irgendwann mal ein Superstar wird. Genauso ärgerte es mich, wie sehr sich Lawler zusammen mit Striker darüber echauffierte, dass Daniel Bryan in Indykreisen als Star gilt und im Ring ein sehr guter Wrestler ist. Die kontraproduktive Kommentierung dieser Tatsache von beiden hat für mich das ansonsten recht gute US Title Match zu Beginn kaputt gemacht. Ach ja, und wenn wir schon von Matt "Daniel Bryan sieht aus wie ein Buchhalter" Striker reden: noch bevor dieser aus Promotersicht unfassbaren Aussage disqualifizierte sich Striker in meinen Augen für alle Zeiten als glaubwürdiger Kommentator, als er uns allen Ernstes weismachen wollte, Michelle McCool wäre die wahrscheinlich agilste Diva im WWE-Roster. Ich befürchtete beinahe, dass ich den Schleim von meinem Monitor abwischen würde müssen. Ihr merkt, ich vermisse Jim Ross sehr. Und Tazz. Selbst Vince McMahon war um Welten besser als dieses Trio.
* Füllmaterial: Angefangen beim Intercontinental Title Match über das traurige Bait-and-Switch im Divenmatch bis zu dem noch traurigeren und sinnlosen Segment zwischen Edge und William Regal war der Mittelteil des Pay Per Views eine Aneinanderreihung von Lückenfüllern, welche das Publikum nach dem dramatischen Finish des ersten Chamber-Matches beruhigen sollte. Das Problem war nur, das Beruhigen dauerte zu lange und am Ende schienen die Fans bis auf wenige Ausnahmen fast eingeschlafen zu sein, so dass es bis in den Beginn des zweiten Chamber-Matches dauerte, bis die Intensität des Openers wieder erreicht wurde -- etwas zu spät. Mir ist klar, dass Fans nicht drei Stunden nonstop bei Laune gehalten werden können und dass es Lückenfüller in der Tat geben muss, aber besonders die drei im Vorfeld unbekannten Segmente (das Diven-Tag Team Match, das Regal-Edge-Segment und das US Title Match) haben durch ihr plötzliches Auftauchen für Verunsicherung gesorgt. Sowas klappt gut bei TV Shows, wo man auf solche Dinge eingestellt ist, aber bei Pay Per Views erwarte zumindest ich die Matches, die im Vorfeld bekannt gemacht werden -- und auch nicht wirklich viel mehr. Der Gipfel an Füllmaterial war dann, als die letzten Minuten des ersten Chamber-Matches quasi ungeschnitten nochmal gezeigt wurden, damit alle Zuschauer mit extremen Aufmerksamkeitsdefiziten nochmal daran erinnert wurden, wie böse Vince McMahon doch ist. Ich hasse sowas schon bei TV-Shows, bei Pay Per Views ist es eine reine Frechheit.
Was man von dieser Show gesehen haben sollte:
* Wie im letzten Jahr ging es auch hier nur um die Elimination Chamber-Matches, deren Grundprinzip immer für Spannung sorgt, wenn man es live sieht. Allerdings fand ich dieses Jahr beide Chambers schwächer als im Vorjahr und nicht von der Qualität, dass ich sie noch einmal sehen wollen würde, wenn ich die Ausgänge schon kenne. Daher nur eine leichte Empfehlung meinerseits. Abgesehen von den Chambers gab es viel Füllmaterial, das man überhaupt nicht gesehen haben muss, auch wenn Miz vs. MVP trotz der albtraumhaften Kommentierung als Match genommen zum Ende hin gut war. Die Highlights der Show waren das interessante Booking der Titelsituationen sowie die Weichenstellungen für WrestleMania; wer sich also für die Main Events im März interessiert, sollte sich zumindest die letzten Minuten jedes Chamber-Matches ansehen. Gerade die letzten 15-20 Minuten der Show waren sehr gut, als Morrison, Jericho und der Undertaker den Sieg unter sich ausmachten -- zumindest bis HBK hinzustieß.
Heute abend gibt es Monday Night RAW und hoffentlich ein paar konkrete Matchfestsetzungen für WrestleMania. Meine Favouriten habt ihr oben gelesen und ich halte die Finger gekreuzt, dass sie auch genauso in Erfüllung gehen. Bis morgen!