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Rising Stars? - Teil 5: MVP, R-Truth, David Hart Smith

Kolumne

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Published on:
09.08.2009, 14:18 
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Montel Vontavious Porter: Bei allen Kandidaten, die in dieser Kolumne aufgeführt worden sind, lautet der springende Punkt: Was fehlt ihm noch zum Main Event? MVP ist hier fast der einzige, bei dem ich prinzipiell sage: nichts - oder zumindest fast nichts. Gut, einige verwenden gegen ihn, dass sein Wrestlingstil arg bodenständig und unspektakulär ist. Das ist ja nach Geschmack sicher ein Punkt, andererseits kann das in einer Liga, die von Triple H und Randy Orton geheadlinet wird, kein Hinderungsgrund an sich sein. MVP hat eigentlich den kompletten Baukasten, den sich die WWE wünscht: Er hat Superstar-Look und- Gimmick, die Ausstrahlung, ein extraordinäres Redetalent, eine offensichtlich schwer erschütterliche Einstellung und er hat das vielen Wrestlern von heute fehlende Gespür, wie man ein Publikum auch zwischen den eigentlichen Aktionen "workt".

Warum hat es dennoch bisher nicht geklappt für MVP? Die vordergründige Antwort lautet in jedem Fall, dass die WWE es nicht ernsthaft mit ihm versucht hat - sondern es stattdessen vorzog, ihn mit einer Niederlagenserie um ein bis zwei Jahre zurückzuwerfen. Was dahintersteckt, weiß man nicht mit letzter Sicherheit, es zu erforschen, ist aber wohl auch müßig. Die entscheidende Frage ist: Kann es für MVP ein Zurück nach oben geben? Meine Ansicht ist, dass es das prinzipiell immer gibt, allerdings ist das window of opportunity für MVP im Moment zu. Nach dem Negativ-Streak bedarf es größerer Reparatur-Arbeiten als eines halbherzigen Face-Turns, der MVP auch letztlich in die falsche Ecke gedrängt hat. Das Gimmick des abgehobenen Sportstars ist von der Grundanlage ein Heel-Gimmick und das muss es mittelfristig auch wieder werden. Dennoch reicht ein schlichter Rückturn nicht aus, um den nächsten Schritt zu machen, müsste Porters Charakter auch in irgendeiner Weise weiterentwickelt werden. Ob die WWE das noch will, steht aber in den Sternen.


R-Truth: Erst kürzlich stand in einem der klugen Newsletter geschrieben, weshalb die Karriere des ehemaligen Ron Killings derzeit stockt. Er habe im Kreativteam leider keinen, der ihn stützen würde. Das mag stimmen, die Frage ist nur, ob die Sache besser aussieht, wenn man sie von der anderen Seite aus aufzäumt - nämlich anhand der Frage, ob das Publikum den Durchbruch von Truth herbeisehnt. Einzelne werden wie immer widersprechen, aber im Großen und Ganzen ist das nicht der Fall. Truth ist in Sachen Fanzuspruch noch mal unter solchen ewigen Wackelkandidaten wie Christian und Matt Hardy anzusiedeln, die auf ein großes Kontingent an Anhängern zählen können, die in ihnen unbedingtes Main-Event-Material sehen. R-Truth gehört stattdessen in dieselbe Kategorie wie zum Beispiel auch Elijah Burke: Einer, dem die meisten im Wertungssystem eine 2 oder 3 geben, einer von dem viele sagen: "Ach ja, der könnte mal", aber die wenigsten "Der muss unbedingt". Und wie in allen Bereichen des Lebens haben die Muss-Kandidaten eben Vorrang vor den Kann-Kandidaten.

Woran es genau krankt bei Truth ist schwer auszumachen. Er ist ein guter Wrestler, er hat trotz fortschreitenden Alters noch einen spektakulären Stil, er hat Ausstrahlung und seine "What's up"-Routine kommt an beim Publikum. Trotzdem ist das herrschende Gefühl, dass Truth irgendetwas fehlt, um das zu sein, was der gimmick-artverwandte John Cena ist. Wer Böses denkt, wird sagen die weiße Hautfarbe - und es ist wohl tatsächlich so, dass ein Afroamerikaner mit ultratiefer Stimme als Mainstream-Idol schwerer vermittelbar ist als ein Cena. Aber es ist eben doch nur ein Teil der Wahrheit (sic!). Eine Option, die R-Truth noch offen steht, ist die als Heel wie weiland bei TNA solche unangenehmen Fragen aufzuwerfen - wobei die Frage ist, ob die WWE diesen Weg erforschen will. Einerseits begibt man sich damit auf heikles Terrain, andererseits fallen Midcard-Babyfaces mit gutem Zuschauerzuspruch auch nicht unbedingt vom Himmel.


David Hart Smith: Ich muss ja sagen, dass ich Smith alles andere als beneide. Klar, jeder Spross einer Wrestlingfamilie muss mit der Erwartungshaltung leben, dass er in die Fußstapfen seiner Ahnen ausfüllt. Aber diese Sache hat bei einem Mitglied der Hart-Familie noch mal eine ganz andere Qualität. Nicht nur, dass die Onkel Bret Hart und Owen Hart unter Wrestlingfans nahe am Heiligenstatus sind, es kommt durch Brets professionelles und Owens wie auch Vater Davey Boy Smiths persönliches Schicksal ja noch das unbestimmte Gefühl hinzu, dass David in irgendeiner Weise das vollenden möge, was den Genannten nicht mehr vergönnt war. Das sind Erwartungen, an denen David fast nur zerbrechen kann.

Blendet man das alles mal aus: Was hat David im Moment zu bieten? Er beherrscht wrestlerisch sein Handwerk, so viel ist klar. Und anders als Partner Tyson Kidd hält ihn der Körperbau nicht vor Größerem zurück. Im Moment ist das aber auch noch alles. David braucht noch viel Zeit, um sich zu entwickeln - mehr als alle anderen hier genannten -, gerade in Sachen Charisma. Hier hat sich im Vergleich zu seiner Indy-Zeit schon spürbar etwas getan, David hat sich ein gewisses Maß an Ausstrahlung erarbeitet - nur ist ein Basislevel Ausstrahlung etwas, was keinem in der WWE abgeht. Die entscheidende Frage ist: Kann David sich zu einem wirklich interessanten Charakter entwickeln? Im Moment ist da noch nicht viel: Wir haben einen glattrasierten jungen Mann mit kurzen Haaren und kurzer Hose, das ist nichts, was unter normalen Umständen irgendjemanden nach "Main Event" rufen lassen würde. Dass die WWE Davids Familienhintergrund in den Mittelpunkt rückt, hat er daher im Moment bitter nötig - auf Dauer wird das aber nicht reichen. Die Geschichte der Second-Generation-Wrestler lehrt, dass nur diejenigen großen Erfolg haben, die wie Randy Orton oder Curt Hennig ihre eigene Identität finden. Noch nicht einer ist dauerhaft damit durchgekommen, dass er dasselbe darstellt wie sein Vater oder Onkel - nur in jünger.