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Während der heutigen RAW-Show in Atlanta, Georgia, USA fand der inzwischen zu einer jährlichen Tradition gewordene Draft statt, bei welchem einige Superstars den Brand wechseln um mit neuen Gegnern und neuen Fehden wieder etwas Abwechslung in den Alltag innerhalb des WWE Universe zu bringen. War es im letzten Jahr vermeintlich die SmackDown-Show, die durch den Senderwechsel mit vielen Stars gestärkt werden sollte, so behaupteten in diesem alle Experten, dass RAW die große Starpower bekommen wird, während die anderen beider Brands weiter geschwächt werden sollten. Über viele Namen wurde spekuliert, doch nun stehen die vermeintlich wichtigsten Wechsel fest, während es im Suplemental Draft am morgigen Tag wohl nicht mehr um die Main Eventer gehen wird. Doch gehen wir das ganze einmal Brand für Brand durch.
ECW
Vladimir Kozlov: Die kleinste und sicherlich auch unwichtigste Show wurde nur mit einem neuen Superstar bedacht: Vladimir Kozlov. Der Russe wurde bei SmackDown bis in den Main Event gepusht und konnte sogar The Undertaker besiegen, doch dann fielen den Verantwortlichen offensichtlich dessen Mängel auf und nach und nach wurde er demontiert. Nach seiner ersten klaren TV-Show Niederlage gegen Shawn Michaels Mitte Februar, der bereits einige Niederlagen mit Triple Threats und Multi-Wrestler Matches herausgegangen waren, bestritt er am 17. März sein bisher letztes TV-Match, wo er klar gegen Triple H verlor. Nun stellt sich natürlich die Frage, ob man das ECW-Roster für einen erneuten Push nutzt oder ihn, wie im Falle von Umaga im letzten Jahr bei SD, auch wenn dieser zeitweise verletzt war, noch weiter fallen lässt. Letzteres scheint derzeit wahrscheinlicher.
SmackDown
Melina: Die aktuelle Titelträgerin der RAW-Brands verlässt die Montagsshow also in Richtung SmackDown, wo sie ursprünglich einmal an der Seite von Johnny Nitro und Joey Mercury als Valet ihr WWE-Karriere begonnen hat. Auf dem ersten Blick sicherlich keine schlechte Idee ihr neue Gegnerinnen zu verschaffen, zumal bei RAW mit Beth Phoenix nur eine glaubhafte Herausforderin als Heel existiert. Mit Michelle McCool droht ihr aber bei SmackDown ein ähnliches Schicksal. Die weiteren Diven sind meist keine wirklichen Wrestlerinnen und Alicia Fox und Natalya sind zumindest nominell bei ECW. Zudem wirkt dies, sollte es keinen Turn geben, ein wenig wie ein Schlag ins Gesicht für Gail Kim, die in den Augen vieler als kommende Gegnerin von Maryse aufgebaut worden ist, zu der wir später noch kommen.
Kane: Mit der Big Red Machine kommt ein Superstar zu SmackDown, der sicherlich Potenzial hat und dem nicht wenige Wrestlingfans einen Push wünschen. Bisher hat WWE sich aber nicht gerade einige Köpfe darüber zerbrochen, wie man Kane besser einsetzen könnte. Möglich ist vieles, doch der Wechsel scheint derzeit keinen wirklichen Eindruck zu hinterlassen. Es liegt nun an den Schreibern, die Chance zu nutzen und Kane in einer interessante und dauerhafte Storyline zu bringen.
Chris Jericho: Der Wechsel von Chris Jericho ist sicherlich auch nötig gewesen. Ihm geht es dabei ähnlich wie Kane. Nachdem er bei seiner Rückkehr relativ schnell uninteressant wurde, tauschte man seinen Charakter komplett aus und konnte ihn damit sogar zum Heavyweight Champion machen. Doch schnell brachte den Titel wieder für die üblichen Verdächtigen ins Spiel und Chris Jericho wanderte damit unfreiwillig ins Abseits. Seitdem wurden immer mal wieder Fehden angedeutet, doch nicht durchgezogen, bis er die Fehde gegen die Legenden bekam. Doch auch dieses Kapitel ist seit Wrestlemania XXV Geschichte und nun kommt es für Jericho darauf an wieder sinnvoll eingesetzt zu werden. SmackDown bietet hierbei die optimale Möglichkeit und so ist dieser Wechsel, ebenso wie Kane als sehr interessant einzustufen.
Rey Mysterio: Der Wechsel des amtierenden Intercontinental Champions ist sicherlich einer der voraussehbarsten gewesen. Bei RAW konnte Mysterio auch aufgrund einer Verletzung sein Potenzial nicht ausnutzen. Zudem verlor SmackDown einige lateinamerikanische Zuschauer, die nun wieder zurückgewonnen werden sollen. Rey ist auch bei den Kindern ein wahres Phänomen und könnte dem Intercontinental Title mit spannenden Fehden gegen Shelton Benjamin oder The Brian Kendrick wieder den Ruhm verleihen, der schon so lange gefordert wird. Rey wird sicherlich am meisten von dem Wechsel zu SmackDown profitieren.
CM Punk: Mister Money In The Bank verschlägt es also auch in den anderen Brand. Auch hier warten natürlich andere, neue Gegner auf ihn und da zurzeit beide Heavyweight Title bei RAW sind, könnte er dies, wie schon im letzten Jahr, wieder ändern und einen Titel zu SmackDown holen. Allerdings erwarte ich gerade bei Punk viel mehr Kreativität seitens WWE. Sein damaliger Rum als Champion funktionierte unter anderen auch deshalb nicht, weil er nicht überzeugend dargestellt wurde. Und auch in diesem Jahr zeigt sich kein anderes Bild in den ersten beiden Wochen, da er weder den Pin im Ten Man Tag Team Match der letzten Woche zeigen durfte, noch einen Sieg gegen Matt Hardy bei der gestrigen Show erringen konnte. Auch wenn er hier nur durch DQ verlor, so sollte WWE das Booking für Punk schnellstmöglich überdenken, wenn man aus ihm einen glaubwürdigen Herausforderer und Champion machen will.
RAW
Maryse: Dieser Wechsel ist die logische Konsequenz nach dem Wechsel von Melina, doch so wirklich interessiert hat es niemanden. Überhaupt ist der Run von Maryse nach ihrer Verletzung sehr unglücklich verlaufen. Vielleicht kann wie mit einer Fehde gegen Mickie James ein wenig das Interesse der Fans wecken, doch so richtig glauben kann man daran nicht.
The Miz: In den letzten Tagen wurde eigentlich nur noch über den Zeitpunkt der Trennung von The Miz & John Morrison spekuliert und mit dem Draft und dem Reality Check von The Miz gegen Morrison ist es gestern soweit gewesen. WWE hat mich hierbei überrascht, da ich eher mit einem Wechsel von Morrison, vor allem aber mit einer Attacke von diesem gerechnet habe. An einen Push von The Miz kann ich nun allerdings nicht glauben und so zeigt sich an dieser Stelle zum ersten Mal, dass RAW nicht unbedingt die größte Starpower bekommen hat, wie von vielen vermutet.
Matt Hardy: Etwas überraschend kommt der Wechsel von Matt Hardy zu RAW. Natürlich konnte er die Fehde gegen Jeff bisher eindeutig dominieren, doch gerade dies hat mich eigentlich überzeugt, dass diese Fehde noch kein Ende gefunden hat. Nun wird sich zeigen, ob Jeff Hardy morgen noch überraschend zu RAW folgt, oder wie man weiter mit dieser Fehde verfahren will. Die Brand Extension ist ja nur noch schwimmend vorhanden und bietet daher prinzipiell die Möglichkeit der Fortsetzung. Sollte es allerdings keine Fortsetzung geben, dann stellt sich die Frage, wie man Matt Hardy vernünftig einsetzen könnte. Im Main Event-Bereich verteidigen die Platzhirsche ihre Plätze und in der Midcard warten Leute wie Kofi Kingston oder im besten Fall der ebenfalls gewechselte MVP auf ihn. Der Sinn dieses Wechsel will sich mir daher auf dem ersten Blick nicht offenbaren.
Montel Vontavious Porter: Sein Wechsel wurde eben schon angesprochen und wie Maryse, so ist es auch bei Porter nach dem Wechsel von Mysterio logisch, dass er zu RAW wechselt. Vielleicht bedeutet dies auch endlich die Umsetzung des langersehnten Pushs. Allerdings scheint Porter neben Leuten wie Triple H, John Cena, Batista oder Randy Orton fast schon unterzugehen. Kann er sich hier profilieren, rückt er in die Spitze vor, doch gleiches haben viele auch schon von Mr. Kennedy erwartet. Dieser hätte sich ohne Verletzungen vermutlich schon einen Heavyweight Title geholt, doch vor seinem Sieg im Money In The Bank Match und auch die kurze Zeit danach, konnte Kennedy im großen Rampenlicht von Raw, nicht ganz so überzeugen, wie es sich viele erhofft haben. Bleibt zu hoffen, dass Porter nicht ein ähnliches Schicksal blüht.
The Big Show: Zumindest einer ihrer beiden Männer folgt General Managerin Vickie Guerrero nun zu RAW. Doch so wirklich weiterverfolgt wurde die Fehde um Vickie bei Wrestlemania nicht und so bleibt auch hier die Frage, was Vickie und The Big Show denn ohne Edge auf die Beine stellen wollen. Der Platz im Main Event ist wie bei Porter beschrieben mehr als eng und so könnte auf den Hünen die traurige Rolle von Kane warten, der immer wieder mal eine Fehde bekommt, doch letzten Endes nur noch dazu da ist um andere Wrestler over zu bringen. Auch hier kann ich auf dem ersten Blick keinen sinnvollen Einsatz für den Wechsler erkennen.
Triple H: Alles andere als ein Wechsel von Triple H zurück zu RAW, wäre wohl die größte Überraschung des Abends gewesen. Zuletzt fand The Game sowieso mehr bei RAW statt als in seiner eigentlichen Heimat am Freitag. Nun ist er also wieder zu Hause und wirft damit gleichzeitig die Frage auf, was mit John Cena passiert. Ein Star ist Hunter sicherlich, doch ob er nun das Flaggschiff von WWE wieder in finanziell besseres Fahrwasser bringen kann, darf bezweifelt werden. Zudem fragt man sich, wer nach Randy Orton auf ihn warten soll.
Fazit
Den großen Vorteil für RAW mag ich nach diesem Teil des Drafts nicht wirklich erkennen. Sicherlich sind mit MVP, The Big Show und Triple H große Namen gewechselt, doch was sich dabei nun wirklich bei RAW verändern wird, erschließt sich mir nicht. SmackDown dagegen hat eine große Chance. Mit Kane, Chris Jericho und CM Punk warten drei Superstars auf einen unverbrauchten Push und spannende Fehde. Rey Mysterio wird zumindest die lateinamerikanischen Fans wieder verstärkt an den Bildschirm locken und mit Melina hat man eine der besseren Diven bekommen. Der Wechsel von Kozlov zu ECW ist zurzeit nicht wichtig und so scheint mir bisher SmackDown der siegreiche Brand zu sein, auch wenn die vermeintlich bekannteren Namen zu RAW gegangen sind. Der morgige Draft wird zeigen in welche Richtung es gehen wird, doch sollte es zu keinen großen Überraschungen mit Wechseln von Main Eventern kommen, so droht das Projekt RAW zu stärken zu scheitern.