DeutschEnglish
You are on the public version of the site. | Log In | Register | Password lost?

Mounties Meinung: Der Fall Levy und der Mikrokosmos Wrestling

Kolumne

Article information
Published on:
01.08.2008, 13:01 
Category:
Author(s):
Promotion:
Man stelle sich folgendes vor: Mike Levy würde nicht Mike Levy heißen, sondern, sagen wir: Horst Müller. Und Horst Müller wäre kein Nachwuchswrestler, der auf einer IWA-MS-Show frech geworden ist, sondern ein Bundeswehrrekrut, der seine Vorgesetzten gegen sich aufgebracht hat. Was wäre gewesen, wenn die Bundeswehroberen das mit Horst Müller gemacht hätten, was Ian Rotten und Co. mit Levy veranstaltet haben? Die Folge wäre wohl nicht nur ein Strafverfahren und unehrenhafte Entlassungen gewesen, sondern ein mediales Erdbeben und eine mittlere Staatskrise - ganz egal, ob Horst "Mike Levy" Müller seine Behandlung selbst für angemessen hielt oder nicht.

Im Mikrokosmos Wrestling ticken die Uhren bekanntlich anders. Und es ist immer interessant zu sehen, wenn dieser Mikrokosmos in den Blick einer Öffentlichkeit gerät, die in diesem Mikrokosmos nicht heimisch ist - so wie es jetzt mit dem Levy-Vorfall geschehen ist. Was sie dort sieht, kann nicht im Interesse eines jeden Wrestlingfans sein: Die Quasi-Abschlachtung eines unförmigen Rookies, ein 12-jähriger Junge, der mit einem Kendostab herumschlägt und grölende Fans, von denen einer die Szenerie als "schönsten Moment meines Lebens" beschreibt.

Die Art und Weise, wie die Kontroverse auf den gängigen Message Boards behandelt wird, folgt einem typischen Muster. Zuerst kommt die Empörung - wobei einige der Empörten teils heftig über die Stränge schlagen. Dann kommt die Empörung über die Empörung. Die Fragen, wie man nur über etwas urteilen kann, von dem man keine Ahnung hat und wovon man nicht alle Zusammenhänge kennt.

Letztlich ist es aber weniger relevant, wie die genauen Zusammenhänge aussahen - entscheidend ist, was am Ende von der Affäre in den Köpfen der Betrachter hängen bleibt. Und das kann schwerlich gut für Rotten und Co. ausgehen.

Betrachtet man, wie Rotten den Levy-Vorfall verteidigt, stößt man auf den kompletten Bausatz an Satzhülsen, hinter denen man sich als Verantwortlicher für einen Zwischenfall im Wrestling verstecken kann: "War alles abgesprochen und Teil der Show." "Wrestling ist kein Ballett." "Die Leute wissen, was sie tun." "Keiner wurde verletzt." "Levy hat nichts gesagt." "Da will mich doch nur die Konkurrenz ruinieren." und als Krönung das unvermeidliche: "Wer selbst kein Wrestler ist, der kann das nicht verstehen."

Man muss aber kein Wrestler sein um festzustellen, dass Rotten bei seiner Verteidigung kein gutes Bild abgibt und sich teils offen widerspricht. So erklärte er gegenüber dem Lokalsender, dass der komplette Beatdown abgesprochen war - während er auf den Message Boards, wo nur die Hardcore-Fans mitlesen, ganz klar macht, dass Levy spontan für sein unkooperatives Verhalten in dem Knuckles-Match bestraft wurde.

Ernsthaft den Kopf muss man auch darüber schütteln, wie Rotten die Gefährlichkeit des Beatdowns herunterspielen will. Man muss bedenken, dass aus der Szenerie klar hervorging, dass Levy gerade deshalb bestraft wurde, weil er unsicher workte. Woher konnten Devon Moore und Tank dann aber die Gewissheit haben, dass er dann einen Stomp mit dem Gesicht in eine Leiter verletzungsfrei nehmen würde?

Die Polizei kümmert sich nun um den Vorfall, juristische Folgen wird es aber wohl nicht haben. Das Argument "war abgesprochen", hinter dem sich alle Beteiligten in Korpsmanier versammeln, ist nicht gerichtsfest zu widerlegen, so lange nicht Levy selbst dem widerspricht. Und das wird er kaum tun, denn wie es scheint, betrachtet er die Sache im Nachhinein eher als Credibility förderndes Karriere-Hilfsmittel. Somit reiht er sich ein in die Auflistung derer, die bei dieser Sache nicht gut wegkommen.

Aber auch ohne dass der Staat sich näher damit befasst, ist genug Schaden angerichtet. Der Vorfall hat schon genug Fans abgeschreckt und Außenstehende in ihrer Sicht bestärkt, dass das Deathmatch-Wrestling/Indy-Wrestling/Wrestling an sich von kranken Irren bevölkert wird. Dem Verständnis für den Mikrokosmos Wrestling ist die Sache jedenfalls nicht dienlich.