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Phils WWE-Blog #1: Diamonds are forever - Monday Night RAW vom 31.03.2008

Kolumne

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Published on:
01.04.2008, 16:34 
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Es hat mehr als ein halbes Jahrzehnt gedauert, doch die WWE hat mich als Zuschauer zurückgewonnen. Drei Pay Per Views am Stück, die mich begeistert haben, sowie mein gestiegenes Interesse an einem Haufen von aktuellen Superstars, und nicht zuletzt der angenehm respekt- und liebevolle Umgang mit einem der größten Wrestler aller Zeiten, Ric Flair, haben mich überzeugt, es nach einigen Jahren eher sporadischer Beobachtung noch einmal mit ihr zu versuchen.

Ich habe mir vorgenommen, beginnend bei WrestleMania 24 alle Pay Per Views und alle drei TV-Shows (möglichst ungespoilert) zu schauen und meine Erlebnisse und Gedanken in einer mehrmals wöchentlich erscheinenden Kolumne festzuhalten. Zumindest bis Oktober 2008 sollte sich das noch einrichten, danach entscheidet mein eventueller Einstieg in das reguläre Berufsleben über das weitere Vorgehen. Ich hoffe, dass ich meine jetzige Euphorie bis dahin halten kann, und auch, dass die WWE ihren positiven Verlauf zumindest ein wenig beibehält.

Vorgeschichte

Mein Wrestlingfanatismus hat in den letzten Jahren einiges durchmachen müssen. Nachdem ich 2003 mit der damals überwiegend furchtbaren WWE abgeschlossen habe, fand ich in ROH eine neue Heimat. Doch als ROH einige starke Persönlichkeiten verlor und anfing, nahezu wöchentlich Shows zu veranstalten, wurde es immer schwieriger, der Liga zu folgen. Ich gebe gerne zu, dass es auch damit zusammenhängt, dass ich im Grunde genauso sehr Sports-Entertainment-Fan bin wie Wrestling-Fan. Ich liebe es, Wrestlern wie Bryan Danielson oder Kenta Kobashi bei ihrer fantastischen Arbeit zuzusehen, doch genauso liebe ich den Glanz, den Glamour und die Fantastik, die Superstars wie The Rock, Steve Austin oder den Undertaker von ihrer besten Seite zeigten und zeigen, was nur in der WWE wegen der monetären Ressourcen wirklich möglich ist.

In diesen Tagen verfolge ich von ROH fast nur noch die Pay Per Views, von wenigen Prestige-Matches meiner Lieblingswrestler einmal abgesehen. TNA verfolge ich gar nicht, weil ich trotz des Interesses an einigen Wrestlern die Produktion, den Ring und die Kommentatoren einfach nicht leiden kann. Stattdessen habe ich gemerkt, dass mich das Geschehen in der WWE heute viel mehr interessiert als noch vor einem Jahr. Das liegt an den starken Pay Per Views in diesem Jahr, aber mehr noch daran, dass mich einfach wieder die Akteure interessieren. Ich finde, dass Shawn Michaels und der Undertaker noch nie so komplett und so gut waren. Ich finde, dass Edge der beste Heel ist, den es seit einem Jahrzehnt in der Liga gegeben hat. Ich finde, dass viele Wrestler sich im letzten Jahr deutlich weiterentwickelt haben, darunter Randy Orton, MVP, Matt Hardy, Jeff Hardy, CM Punk und Umaga. Ich finde es faszinierend, welche Reaktionen John Cena bei jedem seiner Auftritte erzeugt. Die Liste der Dinge, die ich mag, übersteigt die Liste der Dinge, die ich nicht mag, seit vielen Jahren deutlich. Und deswegen starte ich ab sofort mit

Phils WWE-Blog #1: Diamonds are forever - Monday Night RAW 31.03.2008

Der ersten Show nach WrestleMania fehlte in vergangenen Jahren oftmals das Gefühl, dass ein neues Wrestling-Jahr nach WWE-Maßstäben wirklich gestartet werden würde. Dieses Jahr war das anders. Zwar lag das Hauptaugenmerk auf der genauso emotionalen wie sehenswerten Abschiedsfeier für Ric Flair, doch in dessen Schatten konnte der aufmerksame Zuschauer und Zuhörer ein paar sehr interessante Entwicklungen erkennen. Ich werde darauf im Einzelnen mit Hilfe eines recht einfachen Systems eingehen. Zuerst schreibe ich darüber, was mir gefallen hat, danach kurz, was mir nicht gefallen hat.

Was mir gefallen hat:

* Ric Flairs Abschiedszeremonie: Nachdem Flair in den letzten ein bis zwei Jahren in der WWE nur eine Nebenrolle spielen konnte oder durfte, gehörten die letzten drei Tage, die Hall Of Fame, WrestleMania und dieser Abend bei RAW, einzig und allein dem Nature Boy. Von dem Moment an, wo Flair für seine Abschiedsrede zum Ring kam, bis zum emotionalen Ende, als das gesamte Roster und Tausende von Fans sich vor dem sechzehnfachen World Champion verbeugten und ihm dankten, war das ein absolut fantastisches Segment. Auch ich konnte einige Tränen der Nostalgie und Freude nicht verbergen, als Flair im Ring die Fassung verlor, nachdem Triple H erst die Horsemen, dann Flairs Gefährten der Vergangenheit und Gegenwart, sowie schließlich seine Familie zum Ring gebeten hatte. Ich werde die Szenen mit Flair der letzten drei Tage nie vergessen, so schön war das Erlebnis. Danke auch von mir für die zahlreichen schönen Erinnerungen, mit denen ich dich verbinde. Diamonds are forever!

* Age of Orton: Noch vor einem Jahr hat mich Randy Orton unglaublich aufgeregt. Hier war ein Mann, der 2004 eine so unglaublich gute Entwicklung durchgemacht hat, nur um in den Jahren darauf genauso stark wieder abzubauen. Dann kam der Vorfall mit dem Hotelzimmer, die letzte interne Warnung an Orton, die Hochzeit, der enorme äußere Wandel durch Absetzen von Steroiden.. und der Titelgewinn. Die Entwicklung seitdem ist genauso bemerkenswert wie vor vier Jahren, denn Randy Orton hat sich in dieser Zeit durchweg positiv entwickelt. Die Promo gestern war gut und mir gefällt das Vertrauen, dass die WWE offensichtlich wieder in Orton setzt. Das Match gegen Hardy war ebenfalls stark und Orton hat mit dem RKO einen der besten "out of nowhere"-Finisher überhaupt. Lediglich der Superkick von Shawn Michaels ist ihm hier überlegen. Dass ein solcher Finisher schon früher ein Markenzeichen von Stars war, bewiesen der Stone Cold Stunner, der Rock Bottom oder auch der Diamond Cutter.

* Shawn Michaels' Lucky Me-Story: Die Promo vom Heartbreak Kid war out-of-character, zumindest hatte es so den Anschein, bis die Szene mit William Regal gezeigt wurde, als im Hintergrund Batista einen feindseligen Blick in Shawns Richtung lenkte. Ich bin ehrlich gesagt sehr gespannt, wohin diese Promo führen wird. Ich vermute, dass Shawn sich in den nächsten Wochen mit Schuldgefühlen plagen wird, selbst auferlegt oder durch enge Freunde von Flair wie halt bspw. Batista angestachelt. Vielleicht kommt sogar ein Match der beiden zu Stande, womit Michaels erneut beweisen könnte, dass er gegen jeden Gegner ein sehenswertes Match zeigen kann. Lucky us!

* London und Kendrick wieder im Geschäft: Ich denke, dass Paul London von so manchem Smart-Mark gerne mal überbewertet wird, was seine Fähigkeiten im Ring betrifft. Gleiches gilt für Brian Kendrick, deren Matches bei ROH mich eigentlich nur vom Hocker gerissen haben, wenn der Gegner richtig gut war. Trotzdem gefällt mir die Kombination der beiden gut, ihre Matches sind eine angenehme Abwechslung zum sonstigen WWE-Stil, da sie durch Schnelligkeit geprägt sind. Der überraschende Sieg gegen die Tag Team Champions bringt die beiden wieder in die Nähe eines regelmäßigen Auftritts bei RAW. Was sie jetzt noch brauchen, sind weniger dämlich aussehende Hosen und einen richtigen Teamnamen.

* Big Show: Seine Promo war kurz, aber unglaublich kommandierend. Big Show war schon immer ein guter Redner und in meinen Augen der beste Big Man, den die WWE jemals hatte (ich zähle den Undertaker nicht als "Big Man"), doch was er gestern gezeigt hat, war fantastisch. Die Fans (und ich) interessierten sich wirklich für das, was er sagte. Seine Rückkehr wird den Main Event der WWE in diesem Jahr mehr beeinflussen als die von JBL oder Chris Jericho. Great Khali ist nur das Backlash-Opferlamm für Big Show, davon bin ich überzeugt.

* Santino Marella: Der beste Comedy-Charakter, den die WWE in ihren Reihen hat. Snoopy The Dogg? Ein Klassiker, jedes Mal. Santino ist so gut, dass selbst der unlogische Charakterwandel von Maria nicht halb so schlimm wirkt. Santino ist auch ein Charakter, dem Niederlagen nichts anhaben können, weil er (zu Recht) nicht als ernsthafter Herausforderer auf irgendwas gepusht wird.

* Details, Details, Details: Ich war angenehm überrascht, wie sehr beim Booking der Show auf Details geachtet wurde. Das fing damit an, dass Matt Hardy Randy Orton attackierte und sich damit für dessen Angriff von vor drei Monaten revanchierte, ging dann über in die logische Erklärung für das Face-Face-Match bei Jericho vs. Punk und endete wunderbar mit dem Abschluss der Santino-Maria-Storyline, bei der Jerry Lawler hervorstach, als er sagte, dass ihm General Manager William Regal jeglichen Eingriff verboten hatte. Das große Problem in der WWE der letzten Jahre war, dass selbst größere Storylines selten wirklich zu Ende geführt wurden. Daher finde ich das sehr löblich, dass gestern ein paar kleinere Konflikte tatsächlich zu einem Ende gebracht wurden. Ich denke nämlich, dass es einem Wrestler letzten Endes mehr bringt, wenn man ihn mit abgeschlossenen Konflikten in Verbindung bringt, als wenn er dafür bekannt ist, alle paar Wochen einen anderen Gegner zu haben.

Was mir nicht gefallen hat:

* Cryme Time Rückkehr: Ich gebe zu, dass ich die beiden zum ersten Mal habe wrestlen sehen. Ich muss leider auch sagen, dass das nicht sonderlich viel war, was sie gezeigt haben. Da haben mir Trevor Murdoch und Lance Cade deutlich besser gefallen. Apropos Cade und Murdoch: Die brauchen auch einen Teamnamen. Was ist so falsch an Redneck Wrecking Crew?

* JBL als #1 Herausforderer: Ich bin kein großer JBL-Fan, noch nie gewesen. Er ist als harter Brawler in Ordnung und er kann Worte fehlerfrei aussprechen, aber ich persönlich sehe die große "Legacy" nicht, die ihm immer wieder angedichtet wird. Er war ein Jahr Champion bei SmackDown! zu einer Zeit, als die Show grausam war. In der Zeit hat er ein einziges wirklich gutes Match gehabt (I Quit gg. John Cena). Ich bin mir noch nicht 100%ig sicher, dass die WWE überhaupt in diese Richtung geht, da das zweite Treffen von Orton und JBL auch anders interpretiert werden kann, aber falls doch, dann halte ich das für einen Fehler. JBL ist nicht der Typ, der Orton auf die nächste Stufe hieven kann, denn Orton ist noch nicht gut genug, um JBL zu einem guten Match zu ziehen. Aber mal abwarten.

Was man von dieser Show gesehen haben sollte:

* Die Promos von Orton, Shawn Michaels und Big Show, sowie die beiden sehenswerten Matches Jericho-Punk und Orton-Hardy. Und natürlich die letzte halbe Stunde mit der Flair-Zeremonie. Wer Zeit hat, kann sich die ganze Show angucken, es war nichts peinliches dabei und das weniger gute war wenig und kurz.

Ich hoffe, diese erste Ausgabe von Phils WWE-Blog fand einige zufriedene Leser, die mich auch in den nächsten Tagen und Wochen auf meinem Weg begleiten, die WWE wieder regelmäßig zu verfolgen. Ich hoffe auch, dass die WWE ihre Qualität halten kann, auch wenn es unvermeidlich sein wird, dass es auch Tage gibt, wo ich etwas mehr zu bemängeln haben werde als heute.

Vielen Dank für's Lesen!