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Inside The Cage Classics #195: WCW Spring Stampede 2000 – WCW 2.0

Kolumne

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Published on:
27.06.2017, 19:25
Category:
Series:
Inside The Cage Classics (All entries of this article series)
Author(s):
Inside The Cage Classics #195: WCW Spring Stampede 2000 – WCW 2.0

Die WCW stand nun wieder unter der kreativen Kontrolle von Eric Bischoff... und Vince Russo. Ihr Rezept: Die Titel vakantieren und eine Fehde zwischen jungen Up and Comern und den etablierten Altstars zu entfachen. Wie das bei Spring Stampede ausging, haben WCWler und Aquifel für euch geprüft.



Backstagetheater

Aquifel: Die WCW lief nicht rund, verlor in den Ratings ohne echte Chance und so beschloß man Vince Russo, vermeidlich das Genie hinter WWFs Erfolg, und Eric Bischoff, der Motor hinter den Monday Night Wars und dem Erfolg der WCW, als Kombination einzustellen. Im Grunde lief es auf folgende Idee hinaus: Russo und Bischoff sollten den jungen, unterdrückten Stars, den Workhorses, eine Chance geben, endlich aus dem Schatten der etablierten Millionäre zu treten. Auf dem Papier echt klasse, in der Realität... nun wir werden ja sehen

WCWler: Auch vor diesem PPV müssen wir euch mal kurz hinter den Vorhang mitnehmen. Wochen vor diesem PPV haben die Oberen der WCW mit Vince Russo und Eric Bischoff über eine Rückkehr verhandelt. Nur dieses Mal als Team. So kam es, dass alle Geschehnisse zwischen dem letzten PPV und Ende März 2000 komplett unwichtig waren. Nahezu sämtliche Storylines wurden gestrichen und nach einer Woche kompletter Pause startete man am Montag vor Spring Stampede den Reboot. Russo und Bischoff verbündeten sich auch vor den Kameras und starteten eine große Storyline zwischen den Old Guys aus dem Millionaires Club und der New Blood, den jungen aufstrebenden, unten gehaltenen und armen Stars wie Scott Steiner, Bam Bam Bigelow, Brian Knobbs oder auch Curt Hennig. Alle Titel wurden aberkannt und hier neu vergeben. Der TV Title von Jim Duggan verschwand aber endgültig. Sehr schade.

World Title und andere Eskapaden

Aquifel: Vor dem World Title und als "Filler" zwischen den diversen Tournament Matches gab es einige weitere Titelmatches und vor allem Mancow gegen Jimmy Hart. Radiomoderator gegen Manager. Das Schlimmste: Es war noch schlimmer als es klang. Selbst mit 3 Minuten einfach verschwendete Zeit.
Nach Hogans Auftritt ging es um den Hardcore Title zwischen Norman Smiley und Terry Funk. Das Match war chaotisch, hatte sehr viel quietschenden Smiley, herzlich wenig sinnvolles Drama... WCW Trash halt. Ne, muss nicht sein.
Die Cuiserweights durften sich zu sechst um den Titel balgen. Die Tag Regel wirkte im Kontext des PPV deplaziert und in erneut kurzer Matchtime hatten Crowbar, The Artist, Shannon Moore, Lash LeRoux, Juventud Guerrera und Sieger Chris Candido kaum eine Chance ein wirklich gutes Match zu zeigen bzw. zu glänzen. Zumal natürlich weder David Flair noch Shane Helms und so sich heraushalten können.
Nachdem The New Blood sich permanent im Turnier eingemischt hatte, hieß das Finale um den World Title Diamond Dallas Page gegen Jeff Jarrett. Das Match war das einzige, das die 10 Minuten überschritt und siehe da, es wirkte sich gleich positiv aus: Beide brawlen in der Crowd, haben Zeit im Ring Drama und etwas Story aufzubauen und so ist es, auch wenn natürlich nicht alles clean abläuft (und der Turn am Ende auch recht aufgesetzt wirkte) bzw. der No DQ Kram nicht immer sinnvoll umgesetzt ist (wozu lenkt Bischoff den Ref ab?), mit Abstand des beste und auch einzig gute Match des Abends. Am Ende ist Jarrett Champion und so liegen fast alle Titel beim "New Blood". Storytechnisch natürlich eine Katastrophe, dazu aber auch später mehr.

WCWler: Mancow hatte in den Wochen vor dem Reboot in seiner Radioshow gegen Hogan gehetzt und Jimmy Hart hatte ihn dann on air angegriffen. So kam dieses Match, das einzige mit einer Storyline, die länger als eine Woche ging, zustande. Allerdings wäre es besser auch abgesagt worden, denn es war einfach grauenvoll. Mancow gewann nach einem Stuhlschlag und Kidman zerstörte Jimmy Hart danach noch mehr.
Hulk Hogan hatte dann Bischoff backstage gesucht und gefunden und wollte ihn körperlich angreifen. Plötzlich standen aber sechs Polizisten im Raum und richteten ihre Waffen auf Hogan! Der wurde dann festgenommen. Interessantes Segment.
Der Hardcore Title war ja sowieso der unnötigste aller Titel und auch hier zeigen Smiley und Funk dasselbe Match wie es seit Monaten um diesen Titel abläuft. Brawl, Mülltonnen, viel Schrott und am Ende gewann Terry Funk trotz dem Eingriff von Dustin Rhodes den Titel.
Das Cruiserweight Match wirkte viel zu überladen, da man eben viele Wrestler zeigen wollte. Tammy Sytch debütierte kurz vorm Ende und verhalf ihrem Partner Chris Candido zum Sieg. Das haben wir alles schon mal besser gesehen von den Cruiserweight.
4 Millionäre haben bei Nitro einen Finalisten für das Match um den World Title ausgekämpft und am Ende setzte sich DDP durch. Der Auserwählte JJ war natürlich gesetzt bzw. musste sich in einem Pseudomatch gegen Curt Hennig durchsetzen. Das Match hier war das längste des Abends und das stach schon sehr heraus. Genau wie der überraschende Turn von Kimberly, die nach dem Sieg von JJ Arm in Arm mit Eric Bischoff im Ring stand. Jarrett war damit World Champion. Für mich hätte er den Titel nicht gewinnen brauchen, aber es machte Sinn.

Tag Title Turnier

Aquifel: Bei den Tag Teams machten Team Package Ric Flair und Lex Luger den Anfang und zwar gegen Big Vito und Johnny The Bull plus The Harris Brothers. Und hier war das New Blood vs. Millionaires Club wirklich eher 2 on 4. Das Match war kurz und meh, die "Jungstars" sahen wie Tölpel aus durch ihre Zwistigkeiten und Niederlage und irgendwie hat man das alles eh daneben aufgebaut (dazu später mehr).
Halbfinale Nummer 2 hieß Buff Bagwell und Shane Douglas gegen Stevie Ray und Big T (wobei hier Bacon oder Schwarte passender wäre, so wie der ehemalige Johnson täglich immer weiter auseinanderging). Schwaches Match, das nach nichtmal 3 Minuten zugunsten von Bagwell und Douglas ausging.
Das Finale hieß dementsprechend Bagwell & Douglas gegen Flair & Luger. Natürlich war Vince Russo mit am Ring bzw. zuerst am Kommentatorenpult. Das er in das mäßige Match eingriff, um den Jungstars das Gold zu sichern war damit sowieso schon klar.

WCWler: Das Tag Team Turnier fand komplett beim PPV statt. Es begann mit den Mamalukes und den Harris Brothers gegen Luger und Flair. Kein gutes Match, aber die richtigen Sieger. Das zweite Halbfinale war in einer eh schon schlimmen Tag Team Szene der WCW ein richtig furchtbares Match und im Finale brauchten Douglas und Bagwell gar die Hilfe von Vince Russo zum Sieg. Der legte sich mit Ringrichter Nick Patrick an, schubste ihn ein paar Mal hin und her und nach einem Eingriff von Kronik konnte Bagwell Luger pinnen. Russo zählte mit Refshirt durch. Storylinetechnisch ganz gut, aber Bagwell und Douglas als Champions? Im Übrigen gab es hier das erste Match zwischen Flair und Douglas, die sich auch im wahren Leben nicht leiden können.

US Title Turnier

Aquifel: Um den US Title stritten zuerst The Wall und Scott Steiner. Was als unterhaltsamer Brawl begann endete in purer Lächerlichkeit: Der Chokeslam gegen den Ref war dann doch zu viel und auf einmal gab es DQ. Und so "clever" Steiner hier aussieht, eigentlich hätte er dafür eher disqualifiziert werden müssen als The Wall. Suspension of Disbelief? Braucht man nicht. Klare Regeln? Wieso denn?
Aber das war geradezu durchdacht gegen das Mike Awesome, Bam Bam Bigelow und Ernest Miller Match. Awesome verprügelte Bigelow nach einer Promo, Bigelow Miller nach dessen und plötzlich hieß das Match Bigelow gegen Awesome, anstatt Cat gegen Awesome. Urplötzlich taucht The Cat auf, kickt Bigelow aus dem Ring (im laufenden Match) und wird dann beim Tanzen von Awesome umgehauen und gepinnt. Awesome gewinnt, Logik und Menschenverstand verlieren.
Weiter ging es mit Sting gegen Booker. Gut war das nicht, aber immerhin muss man sich hier nicht so an den Kopf fassen wie bei den meisten anderen Matches.
Bei Vampiro gegen Kidman sah das, nach nettem Anfang, ganz anders aus. Hulk Hogan will Kidmans Angriff auf Hart nach dessen Match rächen, vermöbelt ihn (hier wieder No DQ bis zum bittersten Ende) und Vampiro kann am Ende den Pin machen. Wow.
Das erste Halbfinale hieß Mike Awesome gegen Scott Steiner. Das hätte echt was werden können. Awesome war talentiert, Steiner hatte ein sehr einzigartiges Charisma und so hätte das ein netter Clash der Powerhouses werden können. Aber Kevin Nash hatte noch eine Rechnung mit Awesome offen. Also war auch hier nach gut 2 minütiger Dominanz Awesomes Ende im Gelände und Steiner war unspektakulär weiter.
Im zweiten Halbfinale hatte Sting dann die Chance seine Differenzen mit Vampiro zu klären. Immerhin dauerte das Match nicht nur 3 Minuten, aber im Ernst: Das war auch nur ein Nitro Match, wenn überhaupt. Kein richtiges Drama, keine Spannung, einfach nur kurz runtergerödelt.
Im Finale traf dann Scott Steiner auf Sting. Nach den kaum überwältigenden Vorrunden Matches machte auch dies keine Ausnahme. Ein Match, das sich gar nicht wirklich entwickeln konnte, da es einfach zu wenig Zeit gab, endete durch Eingriff von Vampiro "durch den Ringboden". Somit war Steiner US Champ. Meh.

WCWler: Das Turnier um den United States Title lieferte die einzigen Highlights des PPVs ab. Nach einem schlechten Match zwischen Steiner und Wall kam der am Montag vor dem PPV debütierte und bis zwei Tage vor der Show noch ECW World Champion, Mike Awesome zu seinem ersten Match. Gegner war The Cat oder auch Bam Bam Bigelow. So genau weiß man das nicht. Awesome pinnte Cat auf jeden Fall und kam im Turnier weiter.
Booker gegen Sting war recht ordentlich und bis dahin das beste Match am Abend, was aber nicht schwer war. Sting siegte mit dem Death Drop.
Kidman gegen Vampiro war bis zum Eingriff von Hogan ein sehr gutes Match und vor allem ausgeglichen. Dann kam aber Hogan, der am Montag von Kidman und Bischoff mit einem weißen Hummer fast umgebracht wurde, zeigte einen schönen Chokeslam und danach einen Bodyslam gegen Kidman und Vampiro konnte ihn pinnen. Die Rache von Hogan machte Sinn, aber das ganze Drumrum hier nicht. Auch bei einer extrem weit ausgelegten DQ-Regel hätte das hier eine sein müssen.
Das erste Halbfinale entschied dann Kevin Nash, der am Montag von Awesome angegriffen wurde und ihm hier das Finale versaute.
Sting gegen Vampiro war viel zu kurz um ein wenig Drama zu entwickeln, aber beide machten das Beste aus der Situation. Allerdings sollte Vampiro die Niederlage nicht verkraften und griff im Finale noch mal ein, da er den Ring durchbrach, Sting dort blutig schlug und Scott Steiner am Ende nach einem eher mäßigen Match neuer WCW United States Champion wurde. Keine gute Wahl.


New Blood vs. Millionaires Club und die neue WCW

Aquifel: Als ein Leitthema der "neuen" WCW war diese Story hier omnipräsent. Aber wie man sie aufgezogen hat war einfach traurig. Der Millionaires Club war oft viel beliebter, kein Wunder, wenn das New Blood Stable aus einer teilweise gesichtslosen, "gestalt"-artigen Masse an Wrestlern bestand und der Billionaires Club aus einigen gestandenen Stars und Publikumslieblingen. Dazu waren Bischoff und Russo definitv Heels und quasi das "Back Up" zumindest einiger New Blood-Leute. Ein Stable aus jungen, rebellierenden Up and Comern, die ihren verdienten Spot haben wollen und dabei wirken sie zeitweise wie Marionetten des Booking Teams gegen die Altstars? Am Ende ist New Blood im Besitz der Titel und das nicht als Pay-Off einer langen Story, sondern um quasi die Altstars in die Verfolgerposition zu setzen. So konnte das nicht klappen.
Dazu war die "neue WCW" keine coole, Fight-fokussiertee WCW, die auf unnötige Regeln verzichtete, sondern so, wie sie hier präsentiert wurde, nur ein riesiger Clusterfuck. Bestätigt wurde dies durch den Kommentar. Kayfabe, Shoots, Pseudoshoots, Möchtegern-Meta as fuck... sorry für meine Ausdrucksweise, aber lebte ich in Amerika könnte ich die Verantwortlichen wegen seelischer Grausamkeit für diesen Rotz verklagen. Das hier war echt keine "neue WCW", die edgier, cooler und härter werden wollte, um mit der WWF zu konkurrieren, das war nur "How to not book Wrestling 101". Oder fand echt irgendjemand, außer WCW anno 2000 Fanboys, diese Chose mit Hogan, Bischoff und Russo nach dem Vampiro/Kidman Match unterhaltsam und gut gebookt?

WCWler: Die Heel-/Face-Verteilung sollte wahrscheinlich anders sein, ja. Aber Leute wie Flair, Sting, Hogan, ja sogar Luger, wurden hier bejubelt. Dazu arbeiteten die New Blood Leute ja eindeutig mit Heelaktionen. Und ob ein Scott Steiner oder Bam Bam Bigelow unbedingt frisches Blut sind? Ich denke nicht. Die ganze Gruppenaufteilung wirkte zum Teil etwas seltsam. Russo war für einen Booker hier viel zu präsent und es wirkte fast, als ob er die Storyline auch real lebte. Aber das tut der gute Mann ja heute auch noch. Bischoff fand ich in seiner Rolle bisher ganz ok, da er eben mit Hogan zu tun hatte und am Ende DDP betrog, was nicht schlecht gemacht war, wenn man weiß, dass Bischoff und Page Nachbarn und Freunde waren bzw. Sind. Allerdings ist das eines der großen Probleme dieser Story seit dem Nitro zuvor. Wie schon beim ersten Run von Russo quoll diese Show von Insidern und Shoots nur über. Sei es Russo, der Dustin Rhodes vorwarf, er habe Goldust gemacht oder die anderen Bezüge auf die WWF oder Backstagegeschichten. Der normale Fan weiß sowas nicht und fragt sich dann irgendwann, was das soll. Und dann hast du eben die Situation, dass die Storylines durch die Bezüge vollkommener Blödsinn werden.



Fazit

Aquifel: Überladen, horrende und unübersichtlich gebookt und mit nur einem wirklich sehenswerten Match ist das selbst in WCWs düstersten Zeiten ein Tiefschlag für Wrestling Fans, egal wie die WCW Crowd das damals alles gefeiert hat. Für mich grenzte dieser Humbug schon an Körperverletzung. Aber eins muss man der WCW lassen: Endlich mal war das World Title Match das längste und mit Abstand beste Match des Abends. 1 Punkt.

WCWler: Mein bestes Match war Vampiro gegen Kidman, trotz dem Eingriff von Hogan. Eben weil das alles stimmig war. Beim Rest war viel unterer Durchschnitt dabei. Das World Title Match war nicht wirklich was für mich, da ich beide nicht unbedingt mag und das Match so naja fand. Dazu hätte ich sämtliche neuen Titelträger von New Blood nicht als Champion gebraucht. Im Vergleich zu den Vormonaten war das hier aber besser. Aber auch viel zu voll gebookt. Ich gebe 3 Punkte.


Die PPV-Gesamtwertung

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