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Inside The Cage Classics #101: Starrcade 1996 – Der Kampf des Jahrhunderts

Kolumne

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Published on:
01.09.2015, 12:05 
Category:
Series:
Inside The Cage Classics (All entries of this article series)
Author(s):
Inside The Cage Classics #101: Starrcade 1996 – Der Kampf des Jahrhunderts

Zwei Monate hatte die WCW diesen Kampf aufgebaut. Bei den beiden letzten PPVs und bei Nitro konfrontierte Roddy Piper Hollywood Hogan und wollte ein Match gegen den Anführer der nWo haben. Nach vielen Demütigungen für Piper gab es nun bei Starrcade den heiß ersehnten Kampf. Aquifel und WCWler begleiten euch durch den PPV.

Hulk Hogan vs. Roddy Piper.

WCWler: So baut man ein großes Match auf. Natürlich hat man hier keine Fehde mit vielversprechenden Neulingen, aber die Fans wollten diese Fehde sehen. Hogan gegen Piper war 1996 eine richtig heiße Fehde, die von der WCW klasse aufgebaut wurden. Hogan war der klare Heel, Piper der klare Face, der sogar von Fans im nWo-Shirt bejubelt wurde und beide zeigten vom wrestlerischen her natürlich kein Topmatch, aber von der Show und der Story her, war es richtig klasse. Zu Beginn wollte Hogan eher flüchten, wurde dann von Piper aber schnell zurückgeholt. Es folgten einige Gürtelschläge von Piper und Ringrichter Randy Anderson ließ das Match einfach weiterlaufen. Nach einigem Hin- und Hergeschiebe im Ring, verpasste Hogan seinen Legdrop. The Giant stürmte dann den Ring und versuchte Piper einen Chokeslam zu verpassen, musste dabei warten, weil ein Fan in den Ring stürmte, und wurde dann vom Hot Rod gebissen. Während Piper aber am Arm des Giganten rumbaumelte, traf er Hogan und dieser ging zu Boden. Der Giant musste aus den Ring und Piper nahm Hogan in den Sleeperhold. Und dann passierte das unfassbare: Hollywood Hogan versagte bei der Armprobe dreimal der Arm und verlor. Die erste cleane Niederlage in einem Einzelmatch seit der WWF Surivor Series 1991! Piper gewann, aber war nicht neuer World Champion. Denn, obwohl er selbst den Vertrag ausfertigte, war dieser Kampf ein Non Title Match. Sehr blöde Entscheidung... Der PPV endete mit einem Streit innerhalb der New World Order, weil der Giant Hogan das Match kostete.

Aquifel: Definitiv ein Big Match. Dass es nicht um den Titel ging... sei es drum. Sonst hätte Piper unter Garantie auch nicht gewonnen. Und den Titel brauchte es gar nicht um groß zu sein. Hier hat die WCW (wie übrigens auch für den Main Event von Starrcade 1997) bewiesen, dass sie ein Match wirklich erstklassig aufbauen konnten. Piper und Hogan tauschten die Rollen, um endgültig zu klären, was 1985 in der WWF trotz dem Wrestlemania Main Event und dem "War to settle the Score", doch nicht so richtig geklärt wurde. Viele Leute fragten sich: War es Hogan als Face, der die Massen für das Match begeistern konnte oder war es Pipers herausragendes Heelwork? Natürlich konnte dieses Match das nicht beantworten, wie auch, aber es stellte klar, dass die beiden Oldies, trotz Interference, trotz beschränkter Wrestlingskills seitens Hogan, zusammen einfach Großes bewerkstelligen zu vermochten. So überraschte es wenig, dass das Match alles andere als eine "Wrestle Clinic" war, aber es riss ohne Frage mit. Pipers cleaner Sieg, dessen Bedeutung bzw. Eseltenheitsfaktor WCWler ja schon betont hat, setzte dem ganzen ebenso das Sahnehäubchen auf wie die Storylineverwicklungen innerhalb der nWo.


Zwei Matches mit der nWo

WCWler: Trotz der Tatsache, dass die Schwarz-Weißen im Vorfeld dieses PPVs fünf neue Mitglieder aus der Midcard der WCW bekamen, hatten bei Starrcade noch drei alte Mitglieder Matches. The Outsiders mussten ihre World Tag Team Title gegen die Faces of Fear verteidigen. Alle vier Beteiligten zeigten ein recht gutes Big Man Tag Team Match und der Sieg der Champions ging absolut in Ordnung.
Eine kleine Sensation gab es dann im nächsten Kampf. Nach dem Ende der Battle Royal bei World War 3 und einigen Auseinandersetzungen bei Nitro trafen Lex Luger und der Giant aufeinander. Beim letzten Nitro gelang Luger sogar ein Torture Rack gegen den Giganten. Hier allerdings hatte er kaum Chancen. Als er dann doch mal zu einem Cover kam, kickte der Giant so heftig aus, dass Luger auf dem Ringrichter landete. Nun konnte er seine starke Phase durchbringen und den Giant slammen und wieder in seinen Finisher nehmen. Mittlerweile war aber Nick Patrick im Ring. Ohne Halskrause, aber mit Absicht, trat er Luger dabei gegen das Bein und dieser knickte unter der Last vom Giant ein. Syxx und Patrick halfen dem Giant hoch, wurden dann aber von Sting niedergeschlagen. Dieser tauchte in den Vorwochen immer mal wieder auf und attackierte zum Schock vieler WCW-Wrestler. Hier flüstert er beiden Gegner etwas ins Ohr, legt seinen Baseballschläger in die Mitte des Rings und geht. Luger zeigt einen Low Blow, setzt den Schläger ein und kann den Sieg holen. Die erste Niederlage der New World Order seit der Gründung amüsierte den Giant nicht wirklich. Kein gutes Match, aber für die Story sehr dienlich.

Aquifel: Dass man erstmal auf die etablierten nWoler setzte macht durchaus Sinn, schließlich konnte man mit ihnen auch richtig was aufbauen. Zum Tag Title Match kann ich dann auch nicht viel mehr sagen als WCWler. Für ein Big Man Match war das ganz ansehnlich, allein da es relativ kurz und knackig gehalten war. An einen Titelwechsel brauchte man aber nicht zu denken, dafür waren die Faces of Fear einfach nicht "heiß" genug. Richtige Entscheidung.
Lex Luger, seines Zeichens DER Frontmann der WCW, gegen The Giant konnte da matchtechnisch nicht mithalten, aber markierte die erste "echte" Niederlage der nWo (sowas wie Nick Patrick gegen Chris Jericho zähle ich mal nicht). Wichtiger Punkt, da die WCW ja nicht zu hoffnungslos unterlegen wirken durfte. Am interessantesten hierbei war natürlich Stings Auftritt. Er vermöbelt die Goonies der nWo, die sich mal wieder nicht aus dem Matchverlauf raushalten konnten (und das hatte hier schon lange angefangen mich zu nerven), bezog aber erneut nicht wirklich eindeutig Stellung, sondern hat nur das Kräfteverhältnis ausgeglichen. Diese Art langfristigen Bookings sorgte damals für Spannung, machte Sinn und sollte auf etwas Großes hinführen. Da kann man es sogar noch verzeihen, dass dies durch Booking-Crap eingeleitet wurde.



Drei Titelmatches

WCWler: Viele Titel standen bei Starrcade auf dem Spiel. Alles begann im Opener, als Ultimo Dragon sich anschickte, seinen bisherigen 8 Titeln der J-Crown, den Cruiserweight Title von Dean Malenko hinzuzufügen. Es entwickelte sich ein gutes Match mit einer aber eher langsamen Anfangsphase, die von Restholds geprägt war. Es schien, als ob Malenko seinen Gegner mit Absicht bremsen wollte. Beide liefen dann aber warm und zeigten auch andere Aktionen. Nach einem Suplex mit anschließendem Pin konnte der Drache sich seinen neunten Titel schnappen.
Ein Turnierfinale stand später um den United States Title auf dem Plan. Ric Flair konnte ihn verletzungsbedingt nicht mehr verteidigen und nachdem der Giant ihn gestohlen hatte, ließ die WCW einen neuen Gürtel anfertigen und richtete ein Turnier aus. Auch Eric Bischoff konnte diese Entscheidung nicht rückgängig machen. 8 Wrestler versuchten nun diesen Titel voller Prestige zu gewinnen. Am Ende setzten sich Diamond Dallas Page, der nur ein Match anstatt zwei zu bestreiten hatte und dieses mit Hilfe der nWo gewann, und Eddie Guererro, der Konnan und Chris Benoit bezwang, durch. So konnten beide hier ihre Fehde weiterführen. Nach den letzten Matches war hier aber meiner Meinung nach etwas die Luft raus und das Match bot wenig Neues. Am Ende mischten sich die Outsider ein, attackierten dieses Mal DDP und verhalfen so dem Mexikaner zum Sieg. Doch der neue US Champion wurde nach dem Match von der nWo verprügelt und dieses Mal klaute Syxx den Gürtel...
Ein weiteres Turnierfinale gab es um den neuen World Woman's Title der WCW. Die Liga aus Atlanta wollte das Damenwrestling aufwerten und gönnte sich einen Titel. 7 Wrestlerinnen, Madusa und 6 Japanerinnen, kämpften in den Wochenshows um das Finalticket. Am Ende stand Madusa gegen Akira Hokuto im Ring und kämpfte um den Titel. Bemerkenswert ist, dass Madusa in der ersten Runde gegen Hokuto unter einer Maske, Reina Jubuki, gewann. Hier zeigten beide kein gutes Match und am Ende konnte Hokuto nach einem Schlag von Sunny Onoo gegen Madusa mit der US-Flagge das Match gewinnen. Nichts was in Erinnerung bleibt und auch der Titel wird bald wieder weg sein.

Aquifel: Für die wrestlerische Qualität sollten einmal wieder die Cruiserweighter sorgen. Den Anfang machten dabei Dean Malenko und Ultimo Dragon in dem ersten der vier Titelmatches am Abend. Und auch wenn es langsam begann (nur nachvollziehbar, dass Malenko den Dragon erstmal zermürben und das Tempo niedriger halten wollte), danach ging es gut zur Sache. Wie nicht anders zu erwarten ein technisch starkes, spannendes Match mit hohem Unterhaltungswert und einigen Schauwerten, wie man es damals im Mainstream-US-Wrestling halt nur bei der WCW sah.
Um den vakanten US Title stand das Finale der beiden Hitzköpfe Eddie Guerrero und DDP an. Das Match an sich war natürlich ganz ordentlich, litt aber etwas darunter, dass die ganz großen wrestlerischen Highlights alle schon vorgelegt hatten und mit Piper/Hogan das wichtigste Match noch kommen sollte. Die wüste Vorgeschichte hat WCWler ja schon gut beschrieben, also rege ich mich hier mal wieder über den Nervfaktor der nWo auf. Jetzt steht schon keiner aus ihren Reihen im Match und was gibt es? Interference der Outsider. Warum? Um die Entscheidung der WCW einen neuen Gürtel zu machen abzustrafen und nach Eddies Sieg ihn auch außer Gefecht zu setzen, damit sie diesen Gürtel dann ebenfalls in die nWo holen. Ich verstehe ja, warum das so gemacht wurde, genervt hat es mich damals wie heute allerdings auch.
Der Versuch der WCW das Damenwrestling mit einem eigenen Titel groß rauszubringen war durchaus löblich gedacht. Auch die Idee mit einem Turnier war gut, auch wenn es mit dem ebenfalls laufenden US Title Turnier natürlich etwas Overkill an Turnieren gab. Über das Interference Ende rege ich mich hier nicht auf, dazu war das, was Akira Hokuto und Madusa, die es eigentlich beide wesentlich besser können, gezeigt haben doch zu austauschbar und "egal". Schade drum.



Der Rest

WCWler: Mit Jushin Liger gegen Rey Mysterio Jr. stand noch ein Cruiserweight Match auf dem Plan. Hier war es Liger, der seinen Gegner versuchte auf dem Boden zu halten und es gab sehr wenig Flugeinlagen. Dem Match tat das aber kein Abbruch, sondern zeigte, dass auch diese Wrestler das "normale" Wrestling drauf haben. Der Sieg kam am Ende für den Japaner nach einer schönen Powerbomb.
Jeff Jarrett hatte sich in den letzten Wochen immer wieder im Dunstkreis der Horseman aufgehalten. Sei es als Vertreter des Nature Boy oder aber als Kämpfer für die Sache der legendären Gruppierung. Das passte besonders den beiden "jungen" Mitgliedern Chris Benoit und Steve McMichael nicht. So war ein Match zwischen Double J und dem Kanadier hier eine logische Konsequenz. Allerdings entwickelte sich ein No DQ Match, was sehr schlecht rüber kam. Beide hatten keine besondere Chemie miteinander und am Ende wurde das Match für den normalen WCW Chaos genutzt. Der Dungeon wollte Woman entführen und als Arn Anderson JJ auf dem Hallenboden einen DDT verpasste, stürmte Kevin Sullivan den Ring und zerschmetterte einen Holzstuhl auf dem Kopf von Chris Benoit. Anderson rollte Jarrett wieder in den Ring, doch dieser konnte einen Arm auf Benoit legen und gewann das Match. Das war nicht gut.

Aquifel: Liger gegen Rey ist auf dem Papier ein Leckerbissen und beide enttäuschten nicht. Wie bei Rey üblich, zumindest gegen Gegner die zwar fliegen können, aber nicht so spektakulär wie Rey, versucht sein Gegner ihn am Boden zu halten. Mag wenig spektakulär sein, aber es macht psychologisch Sinn. Zumal Liger und auch Rey im Ring ja durchaus auch mehr können, als rumhüpfen. Daumen hoch.
Das Chaos im No DQ Match ist zwar auch Booking Crap par exellence, aber mit einem für mich angenehmen Trash Faktor. War das wirklich gut? Nein. Aber auf recht trashig-wilde Art dann doch recht unterhaltsam. Irgendwie war die WCW für harte Hardcore Action selten gut genug aufgelegt, aber stumpfes Chaos ging immer. Fand ich jetzt gar nicht so schlecht wie WCWler, auch wenn mit etwas besserer Chemie doch mehr drin gewesen wäre.


Fazit

WCWler: 1996 war bis dato das erfolgreichste Jahr der WCW-Geschichte. Starrcade war der erfolgreichste PPV des Jahres für die Promotion aus Atlanta. Es gab viel gutes Wrestling wie die Cruiserweight Matches oder auch das US Title Match. Dann gab es einiges an ordentlichem Wrestling, viele Entwicklungen für die Storylines des frühen Jahres 1997 und es wurde (kurze) Geschichte geschrieben mit einem neuen Titel. Mich hat der PPV bis auf das Match zwischen JJ und Benoit gut unterhalten und ich gebe 7 Punkte.

Aquifel: Storylines werden vorangetrieben, es gab sehr gute Matches (die beiden Cruiserweightmatches mal wieder), viel ganz unterhaltsames und am Ende ein Big Match mit dem richtigen It-Faktor und dem richtigen Sieger. Steht bei mir auch bei 7 Punkten.