Als Bret Hart Ende 1997 unter kontroversen Umständen von der WWF in die WCW wechselte, glaubte alle Welt, dass er unmittelbar im Main Event mitmischen und um den World Title kämpfen würde. Doch es kam anders: Anfang 1999 hatte der Hitman noch keine einzige Chance auf den Titel erhalten. Stattdessen kämpfte er gegen Granaten wie Van Hammer, Disco Inferno oder den Mad-TV-Comedian Will Sasso. Und das machte Bret irgendwann fuchsig.
Bei einer Nitro-Ausgabe im März 1999 meinte Bret zu Mean Gean Okerlund, dass er nicht in die WCW gekommen sei, um einen Ruf zu verlieren, sondern um sich einen zu erarbeiten. Die Liga würde ihn nicht respektieren und ihn übergehen. Er meinte, dass er alle Stars der Liga besiegen könnte: Hulk Hogan, Kevin Nash, Ric Flair und ganz besonders Goldberg. Goldberg hätte bisher nur Fallobst vorgesetzt bekommen, um ihn stärker aussehen zu lassen, als er sei. Gegen einen echten technischen Wrestler hätte er keine Chance. Er würde ihn in fünf Minuten besiegen.
Stahl schlägt SpeerIn der Woche darauf erneuerte Bret vor heimischer Kulisse in Toronto seine Ausführungen, provoziert Goldberg weiter und rief ihn heraus. Der ließ sich nicht lange bitten und verpasste Bret direkt einen Spear, nach dem er jedoch zu jedermanns Verwunderung reglos liegen blieb. Warum, sollte sich gleich darauf zeigen. Bret enthüllte eine Metallplatte, die er unter seinem Hockeyshirt versteckt hatte. Er coverte Goldberg symbolisch und teilte anschließend mit, dass er genug von der WCW hätte. Er kündigte.
Doch auch diese Aussage war nur eine Finte. Einige Wochen später tauchte Bret wieder auf und ging bei Slamboree mit einem Stuhl auf Goldberg los, der dort ein Match gegen Sting bestritt. Er bearbeitete die angeschlagenen Beine Goldbergs und sorgte dafür, dass er mehrere Wochen pausieren musste. Diese Attacke rief Kevin Nash auf den Plan, der Bret bei der Tonight Show von Jay Leno zu einem medienwirksamen Match in der Sendung herausforderte. Bret nahm an - doch das Match fand nie statt.
Die laufende Storyline wurde nämlich von der tragischen Realität eingeholt. Brets Bruder
Owen Hart verstarb durch einen tragischen Ringunfall beim WWF Pay Per View Over The Edge. Es war nicht daran zu denken, dass Bret weiter machte, als wäre nichts gewesen. Er nahm sich eine längere Auszeit vom Wrestling und ließ offen, ob er je zurückkommen würde.
Die Rivalen werden Tag Team ChampionsLetztendlich entschied Bret weiter zu machen - und kam natürlich nicht als Heel zurück. Die Fehde mit Goldberg war vergessen, Goldberg kam ihm sogar zu Hilfe, als er in eine Auseinandersetzung mit Lex Luger geriet. Trotzdem sollten sich die Wege der beiden weiter kreuzen. Sie wurden nämlich Gegner in der ersten Runde eines Turniers um den vakanten WCW World Heavyweight Title, bei dem gleichzeitig Goldbergs US Title auf dem Spiel stand. Hart ging wegen des Tods seines Bruders schwer angeschlagen in das Match, so dass Goldberg wie der sichere Sieger aussah. Goldberg wurde allerdings von Sid Vicious und den Outsiders attackiert, so dass Bret, der davon nichts mitbekommen hatte, den Sieg und den Titel erringen konnte.
Bret weigert sich den Titel unter diesen Umständen zu behalten und gab ihn frei. Es gab daher ein Four Way zwischen Hart, Goldberg, Scott Hall und Vicious um den Gürtel. Gastringrichter Nash sorgte dafür, dass sein Partner Hall den Sieg davontrug. Wenig später begannen sowohl Hart - der zwischenzeitlich das World Title Turnier gewonnen hatte und neuer Champ geworden war -, als auch Goldberg Probleme mit den "Powers That Be", den neuen Verantwortlichen der Liga unter dem Regime von Vince Russo zu bekommen.
Das führte dazu, dass Hart und Goldberg gemeinsam gegen die WCW Tag Team Champions Creative Control antraten, die zum Dunstkreis der Machthaber gehörten. Sie gewannen das Match und waren damit gemeinsam Champions. Eine pikante Konstellation, schließlich sollte Goldberg kurz darauf bei Starrcade ein Chance auf Harts Titel erhalten. Unter diesen Voraussetzungen hielten es die Outsiders für eine günstige Gelegenheit, die Gürtel zu erobern. Sie forderten das ungleiche Duo heraus - und siegten, als Nash auf Brets angeschlagenes Knie los ging, kurz bevor Goldberg dabei war, Hall mit dem Jackhammer abzufertigen.
"The Band is back together"Beim Thunder darauf gab es einen Rückkampf in einem House Of Pain Match, das gar nicht erst starten konnte, als sich Creative Control und auch Jeff Jarrett einmischten und auf Goldberg, Hart und auch den Special Enforcer Roddy Piper losgingen. Genau dieser Piper sollte dann auch bei Starrcade die Schlüsselrolle spielen. Als Hart gerade dabei war, Goldberg in den Sharpshooter zu nehmen, kam Piper mit steinerner Miene zum Ring und ließ das Match abläuten - Montreal ließ grüßen. Als Hart Piper darauf ansprach was los war, bekam er von ihm wortlos den Gürtel überreicht. Piper vollzog offensichtlich widerwillig eine Order der "Powers That Be".
Bret gefiel das überhaupt nicht. Er gab den Titel bei Nitro zurück und ließ ihn in einem weiteren Match mit Goldberg neu ausfechten. In diesen Kampf mischten sich die Outsiders ein und prügelten mit Baseballschlägern auf Goldberg ein - und Hart schockte die Fans, indem er dabei fröhlich mitmischte. Roddy Piper versuchte dazwischen zu gehen, wurde aber von Jeff Jarrett ausgeschaltet. Jarrett sprühte Goldberg und Piper einen wohlbekannten Schriftzug auf den Rücken und Nash verkündete, dass die Band wieder beisammen sei. Das Quartett hatte sich zu einer neuen NWO zusammengeschlossen.
Natürlich war nun eine Revanche Goldbergs gegen Hart geplant – doch dazu sollte es nicht mehr kommen. Goldberg hatte Hart in dem Starrcade-Match mit einem fehlgetimeten Tritt an den Kopf eine schwere Gehirnerschütterung zugefügt, von der Bret zunächst nicht merkte. Weil er weiter kämpfte, verschlimmerte er die Verletzung immer mehr, so dass er schließlich das Post Concussion Syndrom erlitt, das seine Karriere beenden sollte.
In der Hoffnung, dass Bret noch einmal zurückkommen würde, wurde die Fehde nach einer längeren Unterbrechung weiter am Leben erhalten. Bret ging im Sommer 2000 mit einer Schaufel auf Goldberg los, als der in einem Segment Vince Russo in der Wüste vergraben wollte und kostete ihn kurz darauf in einem War Games Match die Chance auf den World Title, indem er ihm die Käfigtür ins Gesicht pfefferte. Aber es sollte nicht sein: Bret erklärte im November 2000 seinen Rücktritt vom Wrestling und die Fehde wurde niemals richtig zu Ende geführt.