This text is hidden because it is only available in German language. Please click this line if you do not care and want to view it anyway.
Eine dunkle verregnete Nacht, ein Mann in einem Mantel, ein Datum: der 21. Februar 2011. Das waren die Elemente eines kleinen Videos, das Anfang Februar bei den Fans der WWE für immense Aufregung sorgte. Bei RAW ausgestrahlt und viral über das Internet verbreitet, kündigte der Clip offensichtlich etwas für die Montagssendung an dem erwähnten Datum an: nur was? Es gab eine naheliegende Antwort, die Netz-Community kam aber auch auf einige, die weniger nahe lagen: Eine Reihe von Fans verstieg sich etwa in die Idee, dass das Video Vorbote des WWE-Debüts von Sting sein würde – dessen Status bei Konkurrent TNA damals in der Schwebe war und um den sich die McMahon-Company angeblich tatsächlich bemühte. Weitere Videos mit einigen neuen Hinweisen folgten, der eindeutigste unter ihnen: Eine Liedzeile aus dem Alterswerk des großen Johnny Cash – „Ain’t no grave can hold my body down“.
Und was nach dieser Zeile kaum noch anders zu erwarten war, passierte dann auch am 21. Februar 2011: Das letzte Video der kleinen Clipserie endete damit, dass die darin zu sehende Figur erkennbar wurde als der Undertaker. Zuletzt gesehen, als er im Vorjahr ein Buried Alive Match gegen Bruder Kane verlor, feierte der Deadman rechtzeitig auf den letzten Kilometern der Road To WrestleMania sein Comeback – unter lautstarkem Jubel der Fans, versteht sich. Die sollten aber nach dem Einzug des Takers eine weitere Überraschung erleben. Denn das Theme des Takers wurde abgewürgt und Motörheads „Time to play the Game“ röhrte aus den Boxen. Triple H war nach fast einem Jahr Zwangspause ebenfalls wieder da. Der Taker sah Hunters Einmarsch zornig zu – und für das, was dann folgte, brauchten die beiden Veteranen keine Worte. Zeitgleich fiel ihr Blick auf das WrestleMania-Logo und dann wieder aufeinander. Der Taker vollführte die Sensenmann-Geste, Hunter den DX-Crotchchop – schweigend verständigten sich die beiden auf ein Duell auf der größten Bühne der Wrestlingwelt.
Den Drang zu reden, verspürte Triple H erst in der Woche darauf wieder. In Abwesenheit des Takers erklärte Hunter, dass er in 16 Jahren seiner Wrestlingkarriere fast alles erreicht und jeden besiegt hätte. Die Beendigung der WrestleMania-Siegesserie des Takers wäre die letzte Herausforderung, die er noch hätte – so wie es für den Taker wohl die letzte Herausforderung wäre, ihn zu besiegen (dass er das bei WrestleMania X-7 schon getan hatte, wurde galant verschwiegen). Hunter bezeichnete sich und den Taker als die letzten Outlaws des Gewerbes – von denen es am Ende aber nur einen geben könne. Hunter erklärte, dass die Streak die große Errungenschaft des Takers wäre. Ginge sie zuende, wäre der Deadman gestorben. Und er würde sie beenden – oder beim Versuch sterben.
Zeit abgelaufen?
Ein Zeichen seiner Entschlossenheit konnte Triple H setzen, als sich ihm kurz darauf Sheamus gegenüberstellte – der Mann, der ihn im Jahr zuvor in die Verletzungspause geschickt hatte. Hunter zerstörte den Iren regelrecht – als Höhepunkt gab es einen Pedigree durch den Kommentatorentisch. Der Taker antwortete Hunter bei SmackDown: Er erklärte, dass es Berge gebe, die man nicht erklimmen könne, Meere, die man nicht befahren könne und Siegesserien, die man nicht beenden könne. Bei all seinem Respekt vor Triple H: Er würde ebenso scheitern wie alle vor ihm. Er würde sich vor niemandem niederknien, auch nicht vor dem King of Kings. Er würde ihn besiegen, als der letzte Outlaw über ihm thronen und ihn in Frieden ruhen lassen. Mit einer ähnlichen Botschaft sprach der Taker in der Woche darauf vor dem RAW-Publikum – und erinnerte Hunter vor allem daran, wie dessen bester Freund Shawn Michaels in den zwei Jahren zuvor am Versuch scheiterte, die Streak zu beenden und wie er damit dessen eigene Karriere beendete. Zudem verkündete er, dass das Match gegen Triple H wie das zweite gegen Michaels ein No Holds Barred Match werden würde.
Triple Hs Replik kam im Gegenzug bei SmackDown, der Show des Takers. Er wies den Taker auf einen Unterschied zwischen ihm und Michaels hin: Michaels hätte eine Achillesferse, die er nicht hätte: Gefühle. Er dagegen könne seinem Gegner im Ring die schlimmsten Dinge antun – ohne Reue und ohne Schuldgefühle. Hunter sprach dem Taker gar seinen Dank aus, dass er ihm die Gelegenheit geben würde, das in einem No Holds Barred Match ausleben zu können. Zwei Wochen später bei RAW ergänzte Hunter, dass ihm das Match gegen den Taker wichtiger wäre als jeder Titel, den er in seiner Karriere gehalten hätte – und erteilte Ted DiBiase eine Lektion, der vergeblich versuchte, mit einer Attacke auf Hunter auf sich aufmerksam zu machen: auch für ihn gab es den Pedigree durch den Kommentatorentisch. Der Taker antwortete bei SmackDown, dass er merken würde, wie Hunters Zuversicht sich in Unsicherheit verwandeln würde und dass aus ihr Verzweiflung werden würde, wenn der Tag X komme. Der Deadman erklärte, dass Hunters Worte vom Versuch, bei dem er womöglich sterben würde, wörtlicher zu verstehen wären, als Hunter selbst sich das gedacht hätte.
Als Höhepunkt des Vorgeplänkels trafen sich Hunter und der Taker beim RAW vor Mania zum ersten direkten Rededuell – das einen unerwarteten dritten Teilnehmer bekommen sollte: Shawn Michaels. Der Heartbreak Kid drückte seinen Respekt vor beiden Männern aus, feuerte dann aber einen Anwurf in Hunters Richtung. Er wollte gerne näher erklärt bekommen, warum er sich zutraue, das zu schaffen, was er nicht geschafft hätte. Hunter wiederholte, dass Michaels eine weiche Seite hätte, die er nicht hätte – und dass das der entscheidende Unterschied wäre. Er wäre nicht wie Michaels, er wäre mehr wie der Taker. Der Taker sei sein Vorbild gewesen, der Mann, der schon der Anführer der Umkleidekabine gewesen sei, als Triple H Mitte der Neunziger in die WWE gekommen war. Ein Mann, für den Schmerzen und Verletzungen nie eine Ausrede gewesen wären, im Ring nicht das Beste zu geben. Hunter fügte aber hinzu, dass die Zeit des Takers langsam ablaufe – und dass er sie bei Mania beenden würde.
Mit dem letzten bisschen Lebenskraft
Der Taker antwortete, dass wenn seine Zeit tatsächlich abgelaufen wäre, Triple H sicher derjenige wäre, von dem er seine Karriere beenden lassen würde. Seine Zeit sei nur eben nicht abgelaufen – und das würde Hunter zu spüren bekommen, so wie es Michaels zu spüren bekommen hätte. Er hätte Michaels zu einem gebrochenen Mann gemacht – und das würde auch Triple H blühen. Michaels nahm Anstoß an des Takers Worten und holte zur Sweet Chin Music gegen ihn aus, der aber fing den Kick ab und packte Michaels zum Chokeslam. Triple H trennte die beiden und forderte Michaels auf, dem Taker zu sagen, warum er glaubte, dass Hunter den Streak beenden würde. Michaels aber verließ stattdessen den Ring – ihm fehlte offensichtlich der Glaube. Der Taker quittierte es mit einem gemeinen, kleinen Blick in Hunters Richtung und folgte Michaels. Hunter blieb etwas ratlos zurück – der Taker schien die Saat des Zweifels in sein Selbstbewusstsein gesät zu haben.
Doch trotz dieses Punktsiegs im Psychokrieg vorab: Es war Triple H, der das mit aller Härte geführte Mania-Match weitgehend dominierte. Der Cerebral Assassin aber war zunehmend schockierter von der scheinbar unerschöpflichen Widerstandskraft des Takers. Hunter zog den Pedigree durch – der Taker kickte aus. Ein zweiter, ein dritter Pedigree – der Taker kickte aus. Triple H nahm sich einen Stuhl und streckte den Taker mit einem Trommelfeuer nieder, das an Austin - Rock bei WrestleMania X-7 erinnerte – der Taker kickte aus. Triple H wandte den Tombstone gegen seinen Schöpfer an – der Taker kickte aus.
Mehr als sich aus Covern befreien vermochte der Taker zu diesem Zeitpunkt des Matches aber nicht: Für das mythische Deadman-Comeback fehlte ihm die Kraft. Die gefürchtete Hand, die aus dem Nichts an des Gegners Kehle kam, konnte Triple H einfach wegwischen, anstelle des kraftvollen Aufsetzens musste sich der Taker hochquälen, um wieder auf die Beine zu kommen. So schwach hatte man den Taker noch nie bei Mania gesehen – aber er stemmte sich eben immer noch gegen das Ende des Streaks. Triple H, inzwischen wahrhaftig der Verzweiflung anheimgefallen, fiel nur noch ein Mittel ein: der Vorschlaghammer. In dem Moment, als Hunter aber zuschlagen wollte, flammte das letzte bisschen Kraft des Takers auf: Er nahm Hunter in das Hell’s Gate, seinen gefürchteten Aufgabegriff. Minutenlang kämpfte Hunter dagegen an, erreichte sogar noch einmal den Hammer, ihm fehlte aber nun selbst die Kraft, ihn zu benutzen. Der Hammer fiel ihm aus der Hand, er musste aufgeben. Die Siegesserie des Takers, sie war gewahrt und stand nun bei 19:0 – um sie zu retten, schien der Taker aber all seine Lebenskraft aufgewandt zu haben. Fast bewegungslos musste er nach dem Kampf von Sanitätern abtransportiert werden. Triple H zog dafür beim RAW nach WrestleMania den Hut vor seinem Gegner – und widersprach der Erwartung, dass man den Taker nicht mehr wiedersehen würde. Wo immer er wieder auftauchen würde, er wäre da.