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Mit Blick auf die Dominanz, die Triple H über viele Jahre hinweg an den Tag legte, ist im Nachhinein für viele kaum mehr vorstellbar, dass auch der spätere Schwiegersohn von Vince McMahon einst ganz kleine Brötchen buk: Fehden mit Leuten wie Duke „The Dumpster“ Droese, ein Schweinetrog-Match mit Henry O. Godwinn und vor allem die undankbare Rolle als Kanonenfutter für den Ultimate Warrior bei WrestleMania XII.
Innerhalb von eineinhalb Minuten fertigte der zurückkehrende Warrior den adeligen jungen Snob Hunter Hearst Helmsley ab, stand nach dem Pedigree wieder auf, als hätte ihn nur ein Wattebäuschchen getroffen und nach der Standardkombination aus Gorilla Press und Big Splash sah Helmsley auch schon die Hallenlichter. Eine demütigende Niederlage, die für Frust bei Helmsley sorgte – den er an der jungen Dame ausließ, von der er sich an dem Abend zum Ring eskortieren ließ. Als er seine Begleiterin hinter den Kulissen niedermachte, traf er dort auf ein neues Gesicht, das die Dame vor Helmsleys Wut in Schutz nahm – und sich für sie auch mit ihm prügelte. Es war „Wildman“ Marc Mero, der aus der WCW zur Konkurrenz gewechselte Johnny B. Badd.
Die Dame namens Sable dankte Mero die ritterliche Geste und fing nach WrestleMania an, den Newcomer zum Ring zu begleiten – was Helmsley, obwohl ihm Sable eigentlich nicht wichtig war, in seiner Macho-Ehre kränkte. Deshalb mischte er sich auch in Meros Pay-Per-View-Debüt beim nächsten In-Your-House-Event ein: Als Mero gegen den 1-2-3 Kid antrat, attackierte Hunter ihn, verpasste ihm den Pedigree und sorgte damit für die Disqualifikation des Kid. Die Folge: Noch am selben Abend setzte die WWF ein Duell zwischen Mero und Helmsley für den darauffolgenden Pay Per View an.
Ein Ritterschlag für Mero
Bei Monday Night RAW zwei Wochen später störte Helmsley erneut Meros Kreise und griff in ein weiteres Match Meros gegen den Kid ein – konnte den Sieg seines Feindes aber nicht verhindern. Kurz darauf bei Superstars stürzte sich Helmsley noch einmal auf Mero, als der kurz zuvor schon von dem Amok laufenden Bob Backlund attackiert worden war. Hunter setzte da mit dem Pedigree noch einen drauf. Als dann „Beware Of The Dog“ anstand, konnte sich Mero für die wiederholten Attacken Helmsleys rächen. In dem Match konterte er am Ende den Pedigree-Ansatz aus und pinnte Hunter nach einem Slingshot. Ein weiterer Sieg bei Superstars einen Monat später folgte.
Meros WWF-Karriere war also verheißungsvoll gestartet – und sie setzte sich im weiteren Jahresverlauf mit weiteren Erfolgserlebnissen fort. Als Höhepunkt gewann Mero im September in einem Turnier den vakanten Intercontinental Title – und bekam dafür den Ritterschlag eines großen Vorgängers: Der zu diesem Zeitpunkt als Kommentator fungierende Mr. Perfect gratulierte dem Wildman nach seinem Finalsieg über Faarooq persönlich zu seinem Triumph. Mit Helmsley dagegen hatte Perfect am selben Abend Stress: Während eines Matches mit dem Stalker (Barry Windham) geriet Hunter mit dem Kommentator aneinander und ließ sich davon derart ablenken, dass er dem Militärfreak unterlag.
Helmsley ließ das nicht auf sich sitzen: Während Mero seinen Titel beim darauffolgenden In Your House gegen Goldust verteidigte, erschien er am Ring, um die Konfrontation mit Perfect zu suchen. Der Ringrichter schickte ihn weg – und währenddessen geriet Perfect auch mit Goldust aneinander und schlug ihn nieder. Mero pinnte den Herausforderer kurz darauf.
Ein abgekartetes Spiel
Helmsley forderte Perfect nach dem erneuten Vorfall zu einem Match bei RAW heraus – und Perfect willigte tatsächlich ein, nach drei Jahren verletzungsbedingter Auszeit wieder in den Ring zurückzukehren. Vor dem Match allerdings attackierte Hunter Perfect backstage und jagte einen Transportwagen gegen Perfects Bein. Perfect konnte deshalb nicht antreten, worauf Mero erklärte, dass er dessen Platz einnehmen würde. Helmsley war dagegen und meinte, dass er sich darauf nur einlassen würde, wenn Mero seinen Titel aufs Spiel setzen würde. Das sicherte Perfect ihm in Meros Namen zu. Perfect begleitete Mero dann auch mit Sable zum Ring – und schritt ein, als Helmsley einen Stuhl gegen den Champion zum Einsatz bringen wollte. Perfect nahm Hunter den Stuhl ab – und schlug Mero selbst damit nieder. Helmsley pinnte Mero und war neuer Champion: Mero war auf ein abgekartetes Spiel hereingefallen.
Perfect wurde nach dieser Aktion Helmsleys Manager – bis er wenig später die WWF verließ. Auch ohne ihn aber ging der Ärger zwischen Helmsley und Mero weiter. Die beiden sahen sich in einem Elimination Match bei den Survivor Series wieder, wo Mero Helmsley mit dem Wild Thing pinnte, dann aber von Crush eliminiert wurde. Die Bühne und der Sieg sollten am Ende dem Neuling Rocky Maivia gehören.
Mero bekam beim letzten In Your House 1996 ein Rückmatch um den Titel – gewann es aber nur durch Auszählen, als sich Helmsley außerhalb des Rings in einen neuen Feind, den zum Publikumsliebling geturnten Goldust verkeilte. Mero verpasste Helmsley nach dem Match das Wild Thing und nahm den Titelgürtel an sich – es blieb eine symbolische Geste. Ein weiteres Match bei RAW gewann Mero ebenfalls nur durch Count Out und eine letzte Titelchance im Januar konnte Mero auch nicht nutzen: Helmsley besiegte ihn mit dem Einsatz eines Fremdobjekts.
- Die zwischenzeitliche Pause der Fehde, in der Helmsley keine wichtige Rolle im WWF-Fernsehen spielte, erklärt sich durch den "MSG Incident" im Mai, als Hunter gemeinsam mit Shawn Michaels unter Kayfabe-Bruch vor dem New Yorker Publikum den Abschied ihrer zur WCW wechselnden Freunde Kevin Nash und Scott Hall (Diesel und Razor Ramon) feierte. Helmsley wurde dafür mit dem Aussetzen seines Pushs bestraft, der ihn auch den geplanten King-of-the-Ring-Sieg 1996 kostete, der dann stattdessen - geschichtsträchtigerweise - an Stone Cold Steve Austin ging.