

Bei jeder ROH Show, die ich gucke, sage ich mir, daß ich mal wieder ein Review drüber schreiben könnte. Schließlich ist ROH meine Fave Promotion und ich sollte das ja auch mal durch die Anzahl der Reviews etwas bestätigen. Doch eigentlich weis ich gar nicht mehr, was ich über ROH schreiben soll. Mitlerweile gefällt mir jede Show besser als die andere und mir gehen die Superlative aus und ich tendiere zum Subjektiven. Ein ähnliches Problem hat sich teilweise auch bei IWA schon häufig angebahnt. Es gibt teilweise Serien von Shows am Stück, wo man sich nur noch sagt „Gott, was liebe ich IWA". Doch um ehrlich zu sein, dies war für mich persönlich in den Monaten April und Mai nur selten der Fall. Wärend mich „Revenge served Cold" und „Dedication" problemlos überzeugen konnten, hielt ich „Nowhere to Hide" für einen unterm Strich viel zu schwachen Event und „Showdown in Salem" war jenseits von Gut und Böse als recht Bedeutungslos (wenn auch unterhaltsam) einzuordnen. Mit „A Country Boy Can Survive" hatte es dann am 21. Mai wieder eine Andeutung von Besserung gegeben. Der Event war zwar etwas Chaos-Booked, lieferte dann aber einen extrem starken 8men Tag Team Elimination Main Event und machte somit direkt wieder Lust auf weitere IWA Shows, so daß ich einen Tag später die IWA / NWA NL Show vom Wochenende danach über meinen Bildschirm flackern lies und mir dort auch gleich vorgenommen hatte, ein Review zu schreiben.
Die Show begann mit einem Chris Candido In-Ring Tribute von Ian Rotten, der zugab, daß man diese Tributansprachen für Chris zwar mitlerweile fast überall einmal gemacht hätte, aber Legenden sind diejenigen, die man nicht vergisst und auch hier stand der Moment in Sachen Emotionalität den vielen anderen Ansprachen, sei es bei einer reinen IWA Show, bei der wXw oder sonstwo, in keinster Weise nach. RIP, Chris!
Es folgte ein Battle Royal, die den freien Spot im TLC Match der kommenden Show bestimmen sollte. Wer die Battle Royal gewinnen würde, dürfte Jimmy Jacobs‘ Platz in diesem Three Way Leiter Match im Folgemonat einnehmen um dort auf Champion Abyss und Ryan Boz zu treffen. Jacobs kam für diese Show leider ein relativ spontanes ROH Booking dazwischen und als amtierender Tag Team Champion von Ring of Honor galt dort natürlich Anwesenheitspflicht. Die Battle Royal war weitaus besser und viel unterhaltsamer als diese Blitz-Battle-Royals, die es zuletzt oft bei IWA Shows gegeben hatte. Es gab spannende Near-Eliminations und mit Tyler Black angesichts des BR Lineups (u.a. Arik Cannon, Ian Rotten & Chris Hero) einen recht überaschenden aber würdigen Sieger.
Jimmy Jacobs kam nun heraus, sagte, daß Black seinen Platz einnehmen würde und er viel von Black halten würde. Er würde einen jungen CM Punk in ihm sehen, aber um Jacobs‘ Platz einzunehmen müsse er auch an Jacobs vorbei. Und mit einem überaschenden Punch startete somit ein spontanes Match der beiden, welches solide Unterhaltung bot und per Notbremsen-Low-Blow endete, da Jimmy Jacobs für diesen Move folgerichtig disqualifiziert wurde. Nach dem Match kündigte Ian Rotten noch an, daß Black Teil des Ted Petty Invitationals sein würde und in Runde 1 die Chance seines Lebens bekäme, gegen den Vorjahressieger AJ Styles anzutreten.
Im Anschluss dazu folgte ein Four Way Dance zwischen Arik Cannon, Ryan Cruz (Version 2, Lol), Chandler McClure und Jaysin Strife und für ein 4 Corners Match hat mich dieser Kampf doch sehr anständig überzeugen können. Jaysin Strife ist ein Nachwuchstalent, welches bei dieser Show seine Chance bekommen sollte. Dementsprechend wurde er von McClure und Arik Cannon zum Prügelknaben dieses Matches auserkoren. Beide Wrestler verpassten ihm eine solch hohe Anzahl brutaler Chops, daß man schon Mitleid mit dem Youngster bekommen konnte, der nebenbei noch den spektakulärsten Dive des Abends nach draußen zeigen durfte und ich schließe mich Jim Fannin an: „Keine Ahnung, wie ich den Move nennen soll" *g*. Arik Cannon entschied das Match dann für sich, wonach aber noch eine Rechnung mit McClure offen blieb. Denn das menschliche Regelbuch hatte Cannon im Vormonat besiegt und hier scheiterte er nur knapp daran, den Save wärend des Pinfalls zu machen. Dementsprechend schreit es ja folgerichtig geradezu nach einem Rematch zwischen dem Anarchist und Chandler McClure. Auf dem Weg nach draußen präsentierte Strife noch seinen Brustkorb und seinen Rücken. Beide Seiten waren voller dunkelroten intensiven Flächen geprägt, aber der Newcommer dürfte zufrieden nach Hause gehen, da ihm seine Performance sicher alle Türen zumindest leicht geöffnet haben sollte.
Nun stand der NWA Mid-West X-Division Title auf dem Spiel, den Matt Sydal seit einer halben Ewigkeit nun bereits hält und auch gegen Namenhafte Gegner wie Jimmy Jacobs bereits verteidigen konnte. Trik Davis war an diesem Abend sein Gegner und wenn man sich die beiden Wrestler so anguckt, müsste man denken, daß es ein prima Aufeinandertreffen werden sollte. Letztendlich war dem aber nicht so. Trik Davis ist zwar nicht wesentlich schwerer als ein Blatt Papier, überzeugte zuletzt aber mit eher technisch ausgeprägtem Wrestling und bot sich eher für Gegner wie Chris Hero oder Arik Cannon an. Dieser Kampf sollte wieder ein möglichst schnelles und spektakuläres Match werden und Davis war leider oft nicht right-on-time dafür. Dementsprechend konnte das Match zwar einen halbwegs soliden Eindruck hinterlassen, es blieb jedoch ein etwas fader Beigeschmack und nachdem Sydal seinen Title verteidigt hat, habe ich das Match auch nicht weiter vermisst.
Billy Gunn war auf dieser Card der wohl definitiv bekannteste Wrestler und ist derzeit häufiger Gast bei IWA Shows. Nun gab er sein Debut bei einer IWA & NWA No Limits Co-Production Show und traf dort auf einen Wrestler, der bei No Limits Events eine noch größere Rolle spielt, als er es bei regulären IWA Shows tut: Ryan Boz. Der Ringsprecher kündigte an, daß dieses Match für einen Fall festgesetzt ist und ein 30 Minuten Time Limit hat, was jedoch Billy Gunn nicht sehr gefiel. Er hatte den Einwand, daß er schon zu alt dafür wäre und bat um ein 3 Minuten Zeitlimit, mehr ginge nicht. Der Ringsprecher korrigierte seine Aussage und verkündete, daß dieses Match ein 3 Minuten Zeitlimit habe, was aber der Ringrichter nicht gestattete, wodurch man sich wieder auf 30 Minuten Zeitlimit einigte. Bei der Verkündung von Ryan Boz gab es nur einen „Fan" der diesen nicht ausbuhte, sondern beklatschte, welches aber ironischerweise Mr Ass selbst war. Nach den unterhaltsamen Pre-Match-Ereignissen folgte dann das eigentliche Match, welches erst nicht richtig in Gang kommen wollte, weil Ryan Boz angewidert von Billy Gunns Verhalten war, der seinen Namen als Mr Ass alle Ehre machte. Das Match ansich war, wie schon die vorherigen Billy Gunn - Matches bei IWA, wirklich unterhaltsam und auch rein wrestlerisch definitiv gut. Billy Gunn nutzt derzeit die Indies wirklich als (wenn auch sehr kleine) Bühne, um dort stets zu beweisen, daß viele Meinungen bezüglich seiner Person oder seines Wrestlingstils schlichtweg falsch sind. Es ist schön zu sehen, was ein Wrestler zu Leisten imstande ist, wenn er die Fesseln des WWE Skriptwrestlings gelöst bekommt und selbst Regie übernehmen darf. Gunn hat ein sehr gutes Gefühl dafür, die Crowd in ein Match einzubeziehen und selbst aus weniger versprechenden Aufeinandertreffen noch das beste herauszuholen. Mit Ryan Boz bekam er an diesem Abend sicherlich auch einen mehr als soliden Gegner, der das Programm von Gunn prima mitspielen konnte. Zudem gebe ich in diesem Review mal die Credits weiter, die Ian Rotten nach der Show noch loslies, der Billy Gunn als einen prima Menschen darstellte, der sich sehr professionell verhalten würde. Genau diesen Eindruck macht Billy Gunn auch auf mich und es freut mich zum einen, daß er als Publikumsdraw wärend dieser Shows auftritt und zum anderen, dann auch entsprechend anständige Matches zeigt.
Nun droht mein Review wieder an Subjektivität geradezu zu explodieren, denn zwei meiner absoluten Faves trafen nun aufeinander. Zum einen Claudio Castagnoli, aka Double C, aka the former 2x wXw World Champion. Zum anderen der Wrestler, der mich zuletzt immer mehr begeistern konnte und dessen Gimmik wohl eins der Genialsten aller Zeiten ist: Delirious. Delirious musste in diesem Match seinen IWA Lightweight Title verteigen, was mich zunächst auch überascht hat, da Claudio eben sehr groß ist und derzeit eigentlich muskelmäßig in einer unglaublich guten Form ist. Dennoch scheint er sich unter der ungefähr 110 Kilo-Marke zu befinden um als Lightheavyweight in der IWA auftreten zu dürfen. Das Match hielt dann auch was es versprach. Neben recht gutem Wrestling bot der Kampf eine Tonne an innovativen Commedysegmenten und das muss man Delirious hoch anrechnen. Er zeigt zwar einige Segmente in leichten Abwandlungen häufiger, aber dennoch liefert er in jedem Kampf eine neue Einlage die den Gegner zum austicken bringt und die Crowd bestens unterhält. Ich möchte in diesem Fall jedoch nicht weiter darauf eingehen, da es hier ein Matchverderbender Spoiler wäre. Das Review soll ja auch dazu anregen, daß man nach dem Lesen den Event auch sehen möchte.
Im drittletzten Match des Abends traf „Mr Most Improved in 2005" (Ja, ich vergebe wärend des Reviews auch Titel *g*) Brandon Thomaselli auf den „Hometown Hero" Marek Brave. Das Match gefiel mir definitiv besser als Brandons Match gegen Chris Hero im Monat zuvor wärend des NWA No Limits Double Shots. Beide einigten sich hier auf eine gute Abstimmung zwischen technischen Wrestling gemischt mit ein paar spektakulären Spots zwischendurch. Bis dahin war es der beste Kampf des Abends, wohl gemerkt, bis dahin...
... denn es folgte der Co-Main-Event. Chris Hero vs. Josh Abercrombie, ein Match das auf dem Papier mehr wie ein Miss-Booking wirkt. Josh Abercrombie tritt gewöhnlich meistens in Lightweightmatches an, wäre wohl an diesem Abend auch der bessere Gegner für Matt Sydal gewesen, aber an diesem Abend hat mich Josh Abercrombie auch auf eine ganz andere Art und Weise überzeugen können. Vorerst sei gesagt, daß Josh Abercrombie bei No Limits - Shows, anders als bei reinen IWA Shows, in die Heel-Rolle schlüpft und meine persönliche Meinung ist, daß dies definitiv die bessere Entscheidung ist. Abercrombie hat für den anständigen Heel, den es zu Hassen gilt, die richtige Form von Charisma, da er schon mit seinem Auftreten anecken kann. Hero hingegen hat in Muscatine noch die Crowd zu einem weitaus größeren Teil auf seiner Seite, als er es ansonsten in den Indiana-Städten hat. Zwar scheint auch in Muscatine der ein oder andere Fan kein Freund von „Your Hero" zu sein, aber im Großen und Ganzen ist Hero dort noch der Top-Babyface und das sehe ich so ganz gerne. Das Match, ich habe es ja schon angedeutet, war wirklich spitze, sehr spannend und unglaublich realistisch. Wärend des Kampfes ging ein Heroshirt tragendes ca 20 jähriges Mädchen Josh Abercrombie derart mit ihren Chants auf den Geist, daß er sie an den Haaren griff und andeutete, sie zu verprügeln. Arik Cannon, der mit Jim Fannin gemeinsam die zweite Hälfte der Show kommentierte, traute seinen Augen nicht und fand das Spektakel mehr als Unterhaltsam und machte sich über den Freund des Mädchens lustig, der erst gar nicht reagierte und sich danach auch nur recht leblos erhebte. Hero baute sich unterdessen hinter Abercrombie auf und gab ihm dann eine schallende Ohrfeige, eher er ihn wieder in den Ring zurückrollte und das Match weiter seinen Lauf nahm... bis Abercrombie erneut aus dem Ring stieg und nun von dem Mädchen leicht geschubst wurde, wofür er sie gleich doppelt so heftig zurückschubste. Hero nahm unterdessen im Ring anlauf und zeigte einen Suicide Dive durch die Seile nach draußen und erwischte damit Abercrombie, den er ein paar Stuhlreihen wegfegen lies. Insgesamt kann ich nichtmal abschätzen, ob die ganze Szene mit dem weiblichen Herofan abgemachte Sache war. Normalerweise denkt man, es ist Wrestling, natürlich war das eine Inszinierung. Andererseits ist es eben nur eine relativ kleine Indypromotion und die gesamte Szene war so unglaublich Real, daß ich mir da nicht ganz so sicher bin. Abercrombie gab letztendlich im Hangmans Clutch auf und ich empfehle dieses Match wirklich jedem Fan, der irgendwas für Chris Hero oder Josh Abercrombie, oder IWA, oder NWA No Limits, oder den weiblichen Herofan übrig hat *g*.
Es folgte der Main Event und leider Gottes das einzige Match an diesem Abend, worin ich eigentlich nicht den geringsten Funken an Unterhaltung sah. Ian Rotten vs. Eddie Kingston in einem Texas Deathmatch versprach eigentlich von der Card her recht viel. Man erwartete einen schönen Brawl, doch bis auf das gezielte bearbeiten von Eddie Kingstons Knie hat dieses Match einen viel zu chaotischen und uninteressanten Ablauf, als daß ich irgendetwas daran schönreden möchte. Sowohl von Eddie Kingston als auch von Ian Rotten bin ich doch recht gutes bis sehr gutes Wrestling gewöhnt. Das Match hier war eine 4- und war leider kein verdienter Abschluss für die Show. Schade, aber unterm Strich verträglich.
Fazit: Trotz des schwachen Main Events und 1, 2 weiteren Mittelmaßmatches, war diese Show grundsolide und bot mit Hero vs. Abercrombie auch ein wirklich sehr gutes Match. Ich fand in diesen knapp 3,5 Stunden also einiges an Unterhaltung und gutem Wrestling und würde den Event dem Durchschnitts-IWA - Fan schonmal definitiv ans Herz legen und halte diese Show sogar für geeignet, um Gelegenheits-Gucker dieser Promotion(s) zu befriedigen. Das war für mich seit „Revenge Served Cold" der beste IWA Event.