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Die Wolfshöhle #2: Veni, vidi, non vici - "Sie" kamen, sahen, und gewannen nicht

Kolumne

Artikeldaten
Veröffentlicht am:
11.10.2010, 17:15 Uhr
Kategorie:
Gestern Abend war es also soweit, das große Ereignis, dass TNA und die Wrestling-Welt in ihren Grundfesten erschüttern sollte. Seit Monaten sprach das Monster Abyss von "Ihnen", die kommen sollten und nannte immer wieder den 10. Oktober 2010, das Datum, an dem Bound For Glory stattfand. Und für jemanden, der TNA nicht regelmäßig verfolgt, wirkte die so große Ankündigung letztlich wie heiße Luft.

"Sie kommen" - Nein, sie sind schon da

Das fängt bereits damit an, dass immer wieder davon gesprochen wurde, dass "sie" "kommen" würden, was eigentlich darauf schließen ließ, das zumindest noch eine Schlüsselfigur von außen dazu stoßen würde. Gestern Abend, als ich den Event gesehen habe, schoss mir für einen ganz kurzen Moment der Name Shane McMahon in den Kopf. DAS wäre ein wirklicher Schocker gewesen.

Doch stattdessen sind es alles Leute, die bereits bei TNA unter Vertrag stehen. Und keinen davon halte ich für so stark oder so kreativ (jedenfalls nicht mehr), dass sie den großen Wandel bringen. Jeff Jarrett hat innerhalb der Company, wie man so hört, nicht mehr viel zu sagen. Über Hulk Hogan und Eric Bischoff ist in der Vergangenheit auch schon genug diskutiert und geschrieben worden. Und wieder einmal scheint sich die Kritik, die gegen beide oft vorgebracht wurde - nämlich zu versuchen, alte Ideen neu aufzuwärmen und damit TNA interessant zu machen - zu bestätigen.

Ein Monster und ein "Psycho" komplettieren das Bild

Dann haben wir noch den oben bereits angesprochenen Abyss. Die Zeit, in der ich iMPACT regelmäßig verfolgt habe, liegt zwar schon eine ganze Weile zurück, aber für mich war Abyss immer so ein bisschen das TNA-Pendant zu Kane vor dessen World Title Run: Ein loyaler Worker, der die Rolle des Monsters mal als Heel, mal als Face ausfüllt, ohne dabei aber großartig aufzufallen oder gar für Höheres berufen zu sein scheint. Und irgendwie hat sich dieser Eindruck auch durch Bound For Glory nicht verändert.

Widmen wir uns also dem Mann, der das Aushängeschild dieser Gruppierung darstellen soll: Jeff Hardy. Vor gut zwei Jahren habe ich, damals nur im Cageboard, einen Text verfasst, indem ich deutlich machte, dass ich mir Jeff durchaus als WWE Champion vorstellen konnte, ungeachtet seiner damaligen Affären und Skandale. Ich mochte seine neu gewonnene Arbeitsmoral und seine generelle Einstellung. Als er es dann 3 Monate später tatsächlich schaffte, den Titel bei Armageddon zu gewinnen, war ich recht zufrieden. Als Face-Champion, der die Massen mitzieht, ist Jeff Hardy durchaus zu gebrauchen.

Und genau hier liegt die Crux in diesem Falle: Jeff Hardy wurde zum Heel gemacht, eine Rolle, die ihm überhaupt nicht liegt und die er definitiv auch nicht wird hinein wachsen können. Dazu fehlt ihm etwas ganz Essentielles, nämlich schauspielerisches Talent. Er wirkte am Schluss von Bound For Glory wie ein trauriger Clown, seine Mimik entsprach in keiner Weise der eines Mannes, der gerade seine besten Freunde betrogen hat. Vielleicht war das die Hardy’sche Version eines versteinerten Gesichtsausdrucks, ich für meinen Teil empfand es als sehr gekünstelt.

Etwas Grundsätzliches

Ich möchte noch kurz etwas ausholen, um etwas anzusprechen, was mir bei diversen Ausflügen in Richtung TNA aufgefallen ist und was vermutlich auch mit dafür gesorgt hat, dass ich gestern vor dem Bildschirm saß und mir dachte, dass das doch wohl nicht alles gewesen sein kann.

Die Liga hat es irgendwie versäumt, dem Gelegenheitszuschauer die Möglichkeit zu geben, sich in die Geschehnisse der vergangenen Wochen und Monate hinein zu finden. Es gab vor dem Main Event ein technisch zwar sehr schickes, aber irgendwie leider absolut nichts sagendes Musikvideo, indem lediglich die drei Teilnehmer am Main Event noch einmal ein bisschen beleuchtet wurden - so zumindest mein Eindruck. Was hier fehlte, sind die von der WWE bekannten Recaps, diese Videos, welche die Fehden oft noch einmal gut zusammenfassen. Da gehören dann auch Ausschnitte aus Promos dazu, damit man überhaupt mal weiß, was die Herrschaften sich denn so an den Kopf geworfen haben.

Der Gelegenheitszuschauer wusste nicht, dass zwischen Hardy, Mr. Anderson und Rob Van Dam eine zumindest lockere Freundschaft bestand. Und wurde eigentlich erklärt, warum der World Heavyweight Title vakant war? Ich meine hier ein Verhalten seitens TNA zu erkennen, für das mir kein anderes Wort als arrogant einfällt. Frei nach dem Motto: "Wer für unseren Pay-Per-View zahlt, wird eh wissen, was los ist, da können wir uns die Zeit für Videos sparen."

Und noch etwas, was sich durch den ganzen Abend gezogen hat wie ein roter Faden: Eine klare Heel-/Face-Verteilung scheint es in Orlando auch nicht zu geben. Im Prinzip wird von den Fans alles abgefeiert, was im Ring passiert, der Spitzbub und Haderlump genau so wie der strahlende Held. Das macht es für neue Fans irgendwie schwer, eine Bindung zu dem Geschehen und einzelnen Protagonisten aufzubauen, denn irgendwie weiß man nicht so recht, was man nun gut finden und was ablehnen soll. Etwas markig gedacht, das mag sein, aber letztlich ist doch eines der Grundprinzipien des Wrestling der Kampf Gut gegen Böse. Verschwimmen diese Grenzen, kommt man in eine neblige Grauzone, in der kaum etwas zu erkennen ist.

Was bleibt?

Die Frage, die nun also im Raum steht, ist Folgende: War dies der große Wendepunkt in der Geschichte von TNA? Wird man nun wieder konkurrenzfähig zur großen WWE? Ich denke nicht. Diese neue Gruppierung um Hogan, Jarrett und Bischoff - die im Übrigen Jeff Hardy schon jetzt irgendwie in den Schatten stellen - sorgt vielleicht für ein kleines Hurra, doch ich bezweifele, dass die Promotion es nun schafft, Woche für Woche interessante, spannende Storylines zu kreieren, die man auch weiterverfolgen WILL und nicht nur MUSS, um überhaupt zu wissen, was Sache ist.

Wie bereits gesagt - keinen der Beteiligten halte ich für den absoluten Heilsbringer, der TNA rettet, und auch die Gruppe an sich ist dafür in meinen Augen nicht geeignet. Ich habe der Liga noch einmal eine Chance zugestehen wollen, weil ich hier auf CAGEMATCH die Geschichte um "sie" doch einigermaßen verfolgt habe. Doch letztlich ist das eingetreten, auf was der Untertitel dieser Kolumne hindeutet - "sie" kamen, sahen und gewannen nicht. Jedenfalls nicht mich als bleibenden Zuschauer oder gar Fan von TNA Wrestling.
sign squad schrieb am 22.03.2011:
[10.0] " <b>(Bewertung nicht angenommen. Grund #3: Fehlender Kommentar bei zu großem Abstand zur Durchschnittswertung)</b>"
Babus schrieb am 12.10.2010:
[6.0] "Ich fand Bound for Glory zwar auch eher bescheiden, aber deine Bewertung der "They"-Auflösung wirkt mitunter als wärst du vornerein an diese mit der Prämisse herangegangen TNA scheitern sehen zu wollen. Man kann zunächst nicht von der Hand weisen, dass Jeff Hardy der aktuell wohl größte Publikumsliebling bei TNA gewesen ist und sein Turn - Sinn oder Unsinn dahingestellt - eine gewaltige Überraschung gewesen ist. Natürlich wäre ein Debüt von Shane McMahon ein größerer Schocker gewesen, aber beinahe Unmögliches sollte doch kaum der Maßstab für tatsächliche Überraschungen sein. Bei Daniel Bryans WWE-Rückkehr hat auch niemand gesagt, dass The Rock aber "eine echte Überraschung" gewesen wäre. Ein Zugang von Außerhalb hätte zudem für Logikprobleme gesorgt, da bekannt war, dass "They" bereits Teil von TNA waren und der Personaldichte bei TNA auch nicht gut getan. Auf Hogans, Bischoffs und Jarretts Beteiligung kann man auch nur bedingt herumreiten. Die war von Anfang von an absehbar und inwiefern die drei als Authority-Figures wirklich anderen Workern ihren Spot stehlen, lass ich jetzt mal dahingestellt. Ich behaupte einfach nur mal, dass TNA auch nicht professioneller wirken würde, wenn sie ihre Shows von einem 27-jährigem The Miz leiten lassen würden. In einem Punkt gebe ich dir aber Recht: TNA hat Probleme Gelegenheitszuschauer in komplexere Stories wie diese hier einzuführen."
MileZorno schrieb am 12.10.2010:
[1.0] "Für mich stellt der Heelturn von Jeff eine große Chance für TNA da. In diesem Jahr für mich eine der besten Entscheidungen, die getroffen wurde im "großen" Wrestlingbuisness. Ich kann mittlerweile dem familienfreundlichen Mainstreamprodukt WWE absolut nicht mehr viel abgewinnen. Immer wieder das gleiche! Die TNA Company ist in den letzten Jahren sehr stark gewachsen, hat viele alte Haudegen geholt, aber durchaus auch interessanter neue Worker präsentiert. Tut mir leid, aber der Bericht fühlt sich für mich an, wie durch eine Brille geschrieben! Aber ganz allein meine Meinung!"
El-Chupakneebray schrieb am 12.10.2010:
[2.0] "Kann der Koloumne absulot nicht zustimmen. Dass "They" schon "already here" sind wurde oft genug betont, auch dass sie sich bei Bound for Glory nur offenbaren werden. Die Entscheidung Hardy zum Heel zu machen ist wohl die interessanteste Booking-Entscheidung in diesem Mainstream-Jahr. Wo er vorher ein langweiliger Kinderclown war ist das jetzt mal eine völlig neue Rolle, die man nicht schlechtreden sollte. Vorher hat er TNA nicht geholfen, jetzt ist er zumindest Interessant. / Die Situation um den Titel wurde beim Monster's Ball Match erklärt und hatte so erstmal nicht viel mit dem Main-Event zu tun, weswegen es da auch keine große Erklärung bedurfte. / Eine klare Face-Heel-Verteilung ist genau das, was mich aktuell in der WWE langweilt. Ich will nicht den ewig guten Super-Cena sehen, ich will ein Asshole-Anderson, der auch mal heelish agiert um seine Ziele zu erreichen. / Insgesamt ist es in meinen Augen auch viel zu früh um über den Erfolg von "Ihnen" zu reden. Ich jedenfalls habe mich über ein Ende der Show gefreut, mit dem ich absolut nicht gerechnet habe. Das gibts im Mainstream nur noch selten, von daher: Hut ab, TNA!"
Hijo Rudicio schrieb am 12.10.2010:
"Ich frag mich bei solchen Artikeln immer, wovor TNA eigentlich ununterebrochen gerettet werden muss. Vor schlechten PPV-Buyrates und niedrigen Ratings? Ich kenne die Bilanzbücher von TNA nicht, sehe aber jedes Jahr größere Namen, bessere Produktion und ein insgesamt professionelleres Erscheinungsbild. Dass TNA in arger Not ist, erschließt sich mir beim reinen Betrachten des Produkts, welches mich gut unterhält, nicht unbedingt. Ich würde der Buchführungsabteilung auch zutrauen, wenn sie denn in arger Not wären, auf Verpflichtungen wie bspw. Mickie James oder einen Reality"Star" für 15. 000 Dollar pro Auftritt zu verzichten. Oder gar Massenentlassungen im übervollen Roster vorzunehmen. Da das alles nicht geschieht, frage ich mich, ob durch den letztes Jahr abgeschlossenen Vertrag mit Spike, Lizenzen für Videospiele, Merchandising, den vermehrten und recht gut besuchten Houseshows sowie den Extraeinnahmen durch die neue Show Reaction und Xplosion, den Märkten in Australien und den UK nicht vielleicht doch genug Geld zum Überleben (und vielleicht sogar noch mehr? ) in die Kassen kommt. Den Satz "War dies der große Wendepunkt in der Geschichte von TNAW? Wird man nun wieder konkurrenzfähig zur großen WWE? " finde ich auch etwas komisch. War man denn schon einmal in der Geschichte der Liga konkurrenzfähig zum Milliardenunternehmen WWE? Hab ich da auch was verpasst?"
Carnevale schrieb am 11.10.2010:
"Sorry, ich kann den Artikel nicht gut heißen. Dass THEY kaum jemand von außen ist war abzusehen und das hat auch wohl kaum jemand erwartet. Dass es aber JJ, Hogan, Easy E und v. a. Jeff sind, das ist wirklich sehr gut gemacht. Hogan + Bischoff war zu erwarten, Jarrett war schon sehr überraschend aber Hardy war ein Schocker. Wie richtig geschrieben wurde, man kann ihn sich in der Rolle nicht vorstellen. Und genau das finde ich das geniale am Schachzug von TNA, die Sache wird dadurch richtig interessant. Und wer sagt dass das nicht funktioniert? Als AJ Heel turnte hat auch jeder rumgeheult, heute ist er v. a. am Mic ein sehr guter Heel, daran zweifelt keiner mehr. In Sachen Recap Videos muss ich allerdings zustimmen, das wäre nicht schlecht gewesen."
LabronBenoit schrieb am 11.10.2010:
[10.0] "Muss dem Artikel voll und ganz zustimmen, genau das Gleiche denke ich mir auch von der ganzen Geschichte. Kann man mit Jeff Hardy wirklich eine Wendung in Sachen TNA bringen? Ich glaube, dass das eher in die Hose geht, aber man wird sehen, was die Zeit bringt! Vielleicht macht TNA ja trotzdem was gutes daraus."
Aquifel schrieb am 11.10.2010:
[10.0] "Auch top geschrieben und dieser Kolumne stimme ich auch 100% zu."
Thomas Carlson schrieb am 11.10.2010:
"Jemand von außen? Nein mir war klar das They schon da sind und zwar alle. Das aber ausgerechnet Jeff Hardy dabei ist. Da hat man Angle und Anderson. Zwei Leute die zumindest wissen was ein Heel ist. Hardy hat sich höchstens als Heel mal mitschleifen lassen in der Michael Hayes Managerzeit. Das Hogan und Bischoff dabei sind gut das war klar. Die beiden mag eh kaum einer also passt das schon."
Smido83 schrieb am 11.10.2010:
"Nach der lobhudelei nun also ein sehr kritischer Beitrag, welcher eher meiner Meinung entspricht! Auch ich habe mir nur wegen des They-Angles mal wieder nen TNA-PPV angesehen und war von diesem Ende mehr als nur enttäuscht! Wo ist die große Veränderung? Die wichtigsten Männer der Company turmen Heel, aber die Machtverhältnisse ändern sich nicht im geringsten! Dazu nicht ein einziges neues Gesicht in diesem Stable... sorry, aber deshalb schaue ich nun am Donnerstag nicht zum ersten mal seit Monaten wieder Impact! Eher im Gegenteil! Nur weils vor 14 Jahren geklappt hat, muss und wird es das jetzt im Jahre 2010 nicht tun!"