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Review: Der große Mandel

Review

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Published on:
25.06.2014, 19:50 
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Author(s):
"Der große Mandel" ist bereits der dritte Krimi von Autor Berni Mayer und auch der dritte Teil der Serie um die Privatdetektive Max Mandel und Sigi Singer. Aber der Reihe nach: Wer ist Berni Mayer, was ist das für ein Krimi und ist der überhaupt gut?

Berni Mayer ist in Niederbayern geboren, aktuell aber laut Werbetext wohnhaft in Berlin. Das ist für den Krimi nicht ganz irrelevant. Früher war er mal Chefredakteur bei MTV und hat für Myspace eine Serie mit Markus Kavka produziert. Den wiederum kennt er vermutlich von MTV, da war der nämlich Chefnachrichtensprecher: "Ham wir wieder was gelernt, recht herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit, auf Wiedersehen!" Selbiger Markus Kavka liefert auch gleich auf der Titelseite des Taschenbuchs ein Zitat zum Buch ab: "Ich möchte jetzt sofort Detektiv werden."

CAGEMATCH wurde ein Rezensionsexemplar des Krimis angeboten, da habe ich natürlich nicht nein sagen können. So flatterte ein solches, und zwei weitere, in meinen Briefkasten und wurde gelesen. Die anderen beiden Exemplare werden an unsere treuen Leser verlost, alles zum Gewinnspiel findet ihr am Ende dieser neudeutschen Review. Also, was ist das für ein Krimi und möchte man wirklich Detektiv werden?

Wie in vielen klassischen Krimis, z.B. den Poirot-Krimis von Agatha Christie bekommen wir die Geschichte aus der Perspektive eines der Hauptperson nahestehenden Menschen geschildert. Hier ist das natürlich nicht Captain Hastings, sondern Sigi Singer. Singer ist bester Kumpel und Kollege von Max Mandel, dem großen Mandel. Früher waren die beiden mal Musikjournalisten, die Parallele zum Autor ist unübersehbar, mittlerweile haben Sie eine Detektei gegründet und arbeiten als Privatdetektive. Zumindest fast, denn die Detektei haben sie inzwischen wegen schlechter Auftragslage wieder schließen müssen. Dabei haben sich die beiden auch ein wenig auseinandergelebt. Um die Freundschaft am Leben zu halten greift Sigi Singer, seines Zeichens passionierter Wrestlingfan mit Insiderwissen (aus dem Observer vermutlich), zum einzig wahren Mittel: Wrestlingkurs in einer Wrestlingschule in der Heimat, in Niederbayern.

Die beiden reisen also zurück in die Heimat, und versacken am Abend vor Trainingsbeginn natürlich erst mal in der Altstadt. Was man halt so macht. Dabei wird die gesamte Gefühlsduseligkeit der beiden, ihre lange Freundschaft, Frauengeschichten und das Wrestlingfantum aus Kindheitstagen zusammengefasst, sodass auch Leser, die die anderen beiden Mandel-Krimis nicht gelesen haben, schnell auf den aktuellen Stand gebracht werden.

Dann geht es zum Wrestlingtraining bei Big Walter Wylde, der an Alex Wright angelehnt ist, in meiner Vorstellung aber wie eine Mischung aus Otto Wanz und Big Van Walter mit Vokuhila aussieht. Dort wird erst einmal ordentlich gelitten, bis die beiden dann doch wieder in einen Fall rein schlittern. Einer der Wrestler aus Wyldes Liga wird nämlich erpresst - und den Fall sollen die beiden nun aufklären. Wie geht das am besten? Man reist einfach als Wrestler auf der bevorstehenden Tour mit und steigt auch trotz minimalen Trainings in den Ring. Ob der Autor damit etwas über den Stand der Deutschen Wrestlingszene sagen möchte, wage ich zu bezweifeln. Als Wrestlingfan ist man es aber ja gewöhnt mit der "Willentliche Aussetzung der Ungläubigkeit" zu arbeiten, sodass das nicht weiter schlimm ist.

Mayer hat sich tatsächlich eingelesen und eingearbeitet in die ganze Wrestling-Thematik und geht respektvoll, zuweilen sogar liebevoll damit um. Die Wrestler der Liga bestehen aus einer ganzen Reihe an sagen wir mal typischen Charakteren: da ist eine alkoholkranke Kreuzung aus Dave Taylor und dem Dynamite Kid, da ist ein Porno-Klaus aus dem Big Brother Haus mit Muckis, da ist an Murat Bosporus erinnernder Champion, ein HATE-Verschnitt, ein etwas älterer Michael Kovac und viele mehr. Die Wrestlingszenen, sowohl zu Beginn im Training als auch später in verschiedenen Kämpfen, sind lebhaft und akkurat beschrieben. Natürlich gibt es Schmerzmittel, natürlich gibt es Animositäten, natürlich gibt es viel Insider-Wissen. Und natürlich kommt ein Wrestling-Krimi nicht ohne eine Anspielung auf den Montreal Screwjob aus.

Der eigentliche Kriminalfall, um den die ganze Wrestlinggeschichte gesponnen ist, ist dann auch tatsächlich einigermaßen spannend – und die Auflösung ist nicht ohne. Wenn man es unbedingt negativ formulieren möchte, würde man wohl das Wort russoesque erfinden: der Swerve um des Swerves wegen. Will ich aber nicht. Singer, und damit der Leser, wird vom Mandel einige Male im Dunklen gelassen was den Ermittlungsfortschritt angeht; ein typisches Element im Kriminalroman.

Da sowohl Autor als auch Erzähler und Hauptperson mal Musikjournalisten waren, gibt es überraschenderweise neben dem ganzen Wrestlingkram auch unheimlich viele Anekdoten aus der Welt der Musik, größtenteils des Rock. Das ist mir persönlich ab und zu etwas zu viel gewesen, aber wirklich störend ist es nicht.

Insgesamt ist dies ein solider Krimi, der Wrestlingfans gefallen dürfte. Mir hat er gefallen, weswegen ich eine Kaufempfehlung für den Sommerurlaub ausspreche. Bela B, dem Trommler von den Ärzten, hat das Buch auch gefallen, er sagt laut Werbematerial "Hoffentlich verfilmt das jemand!" Dasselbe hat er übrigens auch schon zum zweiten Teil der Mandel-Trilogie gesagt. Ganz ehrlich hoffe ich nicht, dass jemand das Buch verfilmt. Nicht, weil ich es Mayer nicht wünschen würde, sondern schlicht und ergreifend deshalb, weil es unheimlich schwierig sein dürfte, die ganzen Wrestlingszenen ordentlich umzusetzen. Aber das ist ja eh alles Zukunftsmusik. Das Buch ist gut.

Hier nochmal alle Infos zum Buch im Überblick:

Berni Mayer
Der große Mandel

erschienen im Heyne Taschenbuch Verlag
ISBN-10: 3-453-67661-0
ISBN-13: 9783453676619
Kaufbar für 9,99 € in deiner Buchhandlung oder hier bei Amazon.de

War da noch was? Ja, ich hatte ja was von Gewinnspiel gesagt. Wer mir die folgende, richtig schwere Gewinnspielfrage per Einsendung über unser Kontaktformular richtig beantwortet, kommt in einen Topf. Aus diesem Topf werden zwei Gewinner gezogen, die benachrichtigt werden und dann ihr Exemplar des großen Mandel auf dem Postweg erhalten. Einsendeschluss ist der kommende Montag (30.06.2014).

Gewinnspielfrage: Welches Wrestlingutensil ist auf dem Cover von "Der große Mandel" abgebildet?

Viel Erfolg...!
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