Inside The Cage Classics #143: Bash at the Beach 1998 – Basketball im Wrestling-Ring
Beim Bash at the Beach versuchte die WCW unter anderem durch prominente Namen, hier die beide Basketballprofis Karl Malone und Dennis Rodman, wieder auf die Spur zu kommen. Ob das so gut umgesetzt war wie die WWF es mit Mike Tyson geschafft hat, klären WCWler und Aquifel.
Prominenter Main Event Aquifel: Tja, die WWF war sehr erfolgreich damit, den Namen von
Mike Tyson für die Quote und einen großen Main Event zu nutzen. Die WCW wollte es dem immer stärker werdenden Konkurrenten gleich tun:
Dennis Rodman, eh schon mit der nWo in Erscheinung getreten, hatte ja auch auf dem Basketball-Court schon so einige Duelle mit
Karl Malone. Von daher lag es nahe Rodman nWo Obermufti
Hollywood Hogan an die Seite zu stellen, während das aufstrebende WCW Top Face
Diamond Dallas Page Malone zur Seite eilte. Das Match an sich... ja, das war mit über 20 Minuten für WCW Verhältnisse von epischer Länge (dementsprechend war der Rest auch arg beschnitten), aber wreslterisch halt auch eher eine Variete-Show: Malone gab sich durchaus Mühe, Rodman ebenfalls, aber beide waren keine Wrestler. Mit Hogan stand dann noch jemand im Ring, der selbst etwas Hilfe für gute Matches benötigte bzw. zu diesem Zeitpunkt eher die Kämpfe gegen sein Ego verlor und für gute Matches kaum noch zu gebrauchen war. Schlechte Karten für DDP hier einen tollen Main Event abzuliefern. Am Ende triumphierten Hogan und Rodman und es gab zum Abschluß mal wieder einen schlechten Main Event für eine WCW Show.
Ich kann mir jetzt nicht verkneifen zu erwähnen, weshalb die WWF mit ihrem Konzept Erfolg hatte, die WCW hingegen eher abstank. Hype kreierten beide, aber die WWF war klug genug einen Nicht-Wrestler nicht in eine Situation zu bringen, in der das Ergebnis nur enttäuschend sein konnte. Tyson als toughest S.o.B. des Planeten gegen Steve Austin, den toughest S.o.B. der WWF, riss gerade deshalb so mit, da es a) bedeutsamer wirkte und b) das Match
Shawn Michaels ausfocht. So hatten wir ein tolles Match, in dem Tyson eine sinnvolle Nebenrolle spielte. Die WCW legte lieber den Fokus auf Non-Wrestler, die im Ring gegen mangelndes Wrestling-Training genauso kämpften, wie gegen ihre Gegner. Konnte so nichts werden.
WCWler: Dieses Match kreierte damals sehr viel Medienhype, auch in Deutschland. Immerhin konnte die WCW zwei berühmte Spieler verpflichten. Rodman fiel schon damals durch Eskapaden auf und Malone stand einen Monat zuvor noch im NBA Finale auf dem Nitrosender TNT. Aber dann hörten die positiven Sachen auch schon auf. Wie Aquifel schon schrieb, war es mit Abstand der längste Main Event des Jahres. Und wenn man nach einem längereb Main Event in der WCW PPV Geschichte sucht, stößt man abseits der Battle Royals erst auf das Doomsday Cage Match von Uncensored 1996. Übrigens auch mit Hogan. Angeblich wollte Hollywood für das ganze Match und Geschehen drum rum 45 Minuten haben, doch
Eric Bischoff hatte Gott sei Dank ein einsehen. Aber auch die 23 Minuten hier reichten. Auffällig war, dass von den 23 Minuten die Basketballer unverständlicherweise sehr viel Ringzeit bekamen und man besonders Rodman ansah, dass er keine Kondition hatte und auch im Ring nicht viel konnte. Am Ende gab es Diamond Cutter von Page gegen Hogan und Malone gegen Rodman, doch der Sieg kam nachdem
Disciple Page einen Cutter gewann und Hogan den Sieg abstaubte. Sinn machte das alles nicht, aber Hogans Ego musste nach dem World Title Verlust halt gestreichelt werden. Einer der schlechtesten Main Events eines Wrestling PPVs und ich hätte lieber noch mal Hogan gegen Piper gesehen. Einfach nur grauenvoll.
Titelgeschehen Aquifel: Dank des "epischen" Main Events blieben die anderen Titlematches erschreckend kurz. Selbst ein
Rey Mysterio Jr. und ein
Chris Jericho können in 6 Minuten nur "so viel" bewirken. Ihr Cruiserweight Title Match war definitiv nicht schlecht, aber viel zu kurz, um wirklich etwas reissen zu können.
Bookter T und
Bret Hart bekamen um den TV Title mehr Zeit spendiert, aber mit DQ Finish und dem ziellosen Booking um Hart reichen auch hier ca. 9 Minuten um echte Akzente zu setzen. Eigentlich schade, da Harts Klasse im Ring unumstritten war und der aufstrebende Booker sehr viel Momentum aufgebaut hatte. Hätte wirklich etwas werden können, so war es nur in Ordnung.
Besonders traurig war das World Title Match. Unter Hogan nur peu a peu mal ausgefochten war
Bill Goldberg als DER Mann der WCW natürlich die logische Wahl als World Champ... eigentlich. Denn so sehr Goldberg over war, so sehr er sich nach und nach verbesserte, einen wirklich würdigen Titelkampf, zumindest in Bezug auf das Wrestlerische, konnte er noch nicht abliefern. Dass dann gegen
Curt Hennig auch das Drumherum eher B-Movie denn Blockbuster war und in 3 Minuten nur Goldbergs Dominanz unterstrichen werden konnte, war das einfach nur eine Frechheit.
WCWler: Die Cruiserweight Division war Chris Jerichos Paradestück in der WCW. Im Vormonat gewann Jericho ja nur durch DQ gegen
Dean Malenko und bekam mit dem Titel die Auflage, dass er beim Bash at the Beach gegen den Ice Man verteidigen sollte. Malenko hatte im Laufe des Monats dann von den Provokationen genug und verprügelte Jericho das eine oder andere Mal. In der Woche vor dem PPV kam es dann zu einer In Ring Konfrontation, wo beide die Auflage erhielten, die Finger voneinander zu lassen. Bei Missachtung sollte es eine direkte DQ geben. Als Jericho dann von einer angeblichen Affäre von Malenkos Mutter redete, tickte dieser aus und das Match war Geschichte.
Beim PPV selbst trat Jericho dann gegen einen 'Local Guy' an, der 6 Monate nicht im Ring war. Der großkotzige Jericho wurde plötzlich ganz klein mit Zylinder, den er wirklich trug und musste im No DQ Match gegen den Mann antreten, den er selbst verletzt hatte. Beide brawlten durch die wunderbare Strandkulisse und am Ende gewann der Mexikaner nach einem Einroller das Match. Mysterio wurde neuer Cruiserweight Champion im besten Match des Abends und Jericho wurde wieder mal von Malenko verprügelt.
8 Monate nach Montreal stand Bret Hart wieder in einem Titelmatch. Hier ging es allerdings nur um den TV Title vom Booker T. Diesen hatte der Hitman zuletzt immer wieder angegriffen und das angeschlagene Knie angegriffen. Das Match griff dann auch diesen roten Faden auf. Leider reichte diese Faden nur für ordentliche 9 Minuten. Bret Hart wurde dann nach einem harten Match auch disqualifiziert, weil er einen Stuhl einsetzte. Das war alles nachvollziehbar, aber viel zu kurz. Am Ende zeigte Hart noch den Figure 4 Leglock am Ringpfosten und der verletzte Booker T hatte zwar noch seinen Titel musste sich aber Stevie Ray Vorhaltungen machen lassen...
Hollywood Hogan gegen Bill Goldberg hätte eines der Big Money Matches für die WCW sein können. Ordentlicher Aufbau und dann als PPV Main Event - Das hätte Geld gebracht. Aber Eric Bischoff war so auf die Ratings von Nitro im Kampf gegen RAW fixiert, dass man das Match Mittwochs bei Thunder ankündigt und es Montags bei Nitro raus haut. Zugegeben, es war das größte Nitro der Geschichte. Über 40.000 Zuschauer im Georgia Dome von Atlanta mit einer fantastischen Stimmung, einem ordentlichen Match und einem recht cleanen Sieg von Goldberg. Das war schon ein tolles Ereignis und das bis dato höchste Rating für ein Wrestlingmatch. Und durch den Wechsel
hatte man auch wieder ein Titelmatch beim PPV, was unter Hogan ja selten war. Dafür änderte man auch die Card ab, denn eigentlich sollten Goldberg und Hennig mit dem Giant und Green im Tag Team kämpfen. Das Match hier war recht unspektakulär. Hennig konnte ein paar Aktionen zeigen, aber am Ende war er nur der Name hinter Sieg Nummer 112. Viel zu kurz und Goldbergs Titlerun startete nicht gerade eindrucksvoll.
Gute Zeiten... Aquifel: Aber es wäre kein WCW PPV, wenn es nicht auch einige Lichtblicke gegeben hätte. Das Raven's Rules Match zwischen
Saturn und
Raven war ein nettes Hardcore Match mit einiger Interference, einigem Materialansatz und auch einer angemessenen Portion Spannung/Drama. Kein Klassiker, aber definitiv unterhaltsam und vor allem mit einer interessanten Story zwischen Saturn und Raven, die in dieses Match führte (was viele der Main Events meiner Ansich nach nicht hatten).
Es ging auch gleich mit dem Flock weiter.
Billy Kidman traf auf
Juventud Guerrera.
Lodi griff sehr offensichtlich für sein Stablemate ein, den Ref. schien es nicht zu interessieren. Aber Kidman und Juvi hatten beide die High Flying Skills und boten die Art, teils spektakulärer, Action, die die Cruiserweight Division ausmachte und somit immer wieder dafür sorgte, dass auch wrestlerisch etwas Sehenswertes in der WCW geschah. Sehr ordentliches Match, auch wenn Meltzers 4 Sterne vielleicht etwas hoch gegriffen sind.
Auch
Chavo Guerrero Jr. und sein Onkel
Eddie Guerrero sollten mal wieder beweisen, dass die WCW durchaus vernünftige Matches geboten hat. Hair vs. Hair... für Luchadores durchaus eine ernste Angelegenheit. In der WCW eher ein Gimmick, um das Match bedeutsamer wirken zu lassen. Egal, mit Eddie und Chavo im Ring gab es eine nette Hintergrundgeschichte und natürlich auch ordentliches Wrestling. Am Ende trug Chavo Glatze, nahm es aber mit Humor und spritzte sich den Schädel mit seinem Super Soaker ab. Nettes Match.
WCWler: Die Fehden des Flocks waren großartig. Saturn und Raven hatten eine interessante Geschichte, der Abschied von Saturn aus dem Flock war gut gemacht und es gab einen klasse Brawl inner- und außerhalb des Rings. Das einzige was ich hier zu kritisieren habe, ist der unnötige Ref Bumb.
Nick Patrick wurde nach einem wunderschönen Springboard Dropkick getroffen. Danach folgte eine übel aussehende Aktion von Saturn. Der baute einen Tisch auf, legte Raven drauf, stellte einen weiteren Tisch drauf und sprang vom Top Rope auf die Tische. Allerdings zog
Kanyon Raven weg und Saturn sprang auf eine Tischkante. Eigentlich war der Sprung auf die leere Konstruktion auch unnötig, da Saturn Kanyon eigentlich gesehen haben müsste. Na ja. Kanyon gab Raven im Ring einen Flatliner auf einen Stuhl, Saturn gelang der Nearfall und gab Kanyon den Death Valley Driver. Das nutze Raven dann zum Evenflow DDT und dem Sieg gegen seinen ehemaligen Freund.
Auch Juvi hatte so seine Probleme mit dem Flock. Hier musste er auch unter Raven's Rules gegen Kidman ran und das Flock nutzte die Regellosigkeit natürlich gut aus. Beide zeigten ein technisch schönes Match im und um den Ring mit schönen High Flying Aktionen. Das Ende kam, als Kidman die Shooting Star Press nicht durchbringen konnte, Juvi aber mit dem 450° Splash den Sieg holte. Tolles Match.
Chavo hatte in den Vorwochen sich von seiner recht verrückten Seite gezeigt und nachdem Eddie ihm Haare abgeschnitten hatte, war das Hair vs. Hair Match eine logische Konsequenz in der doch schon lange dauernden Fehde. Nach einem Comedybeginn, wo Chavo seine Vorteile hatte, gelang es Eddie immer besser ins Match zu kommen und dominierte dann schlussendlich. Der Sieg gelang ihm durch einen Einroller, nachdem Chavo schon die Schere benutzen wollte und
Charles Robinson ihn daran hinderte. Chavo rasierte sich danach selbst den Kopf und hinterließ einen sehr verstört schauenden Onkel.
... schlechte ZeitenAquifel: Nicht so berauschend war das Vorspiel für das Hair vs. Hair Match. Chavo musste nämlich vorher gegen
Stevie Ray ran. Das Match fand natürlich nicht wirklich statt und Chavo gab im Handshake auf. Als Segment sicher ein Schmunzler, in Anbetracht des folgenden Matches definitiv klug von Chavo, aber weshalb man sowas für ein PPV bookt... naja.
Auch sonst gab es neben den Main Events noch Kram, der nicht auf ein PPV gehört hätte und Zeit von potentiell guten Matches stahl. Da wäre unter anderem
Konnan gegen
Disco Inferno. Knappe 2 Minuten dauerte es, bis Konnan den Sieg davon trug. Im Ernst, sowas wäre selbst bei Nitro schwach gewesen, hier beweist es nur wieder eins: Die WCW steckte die meisten Gedanken in die Main Events und die Ratings waren im Endeffekt wichtiger, als gescheite PPV-Matches zu bieten. Pfui!
Auch
The Giant gegen
Kevin Greene war alles andere als berauschend. Greene versucht es zwar klug, eher über Tempo und "Explosiveness" zu kommen, da er hier dem guten Giant haushoch überlegen war, aber am Ende verwundert es keinen, dass The Giant dominierte und gewann. Meh.
WCWler: Warum Chavo gegen Ray ran musste, habe ich auch trotz dem Verfolgen von Nitro nicht verstanden, aber die Aufgabe im Handshake dürfte einmalig sein...
Konnan gegen Disco Inferno ist auch ein Match ohne jede Story, da die Dancing Fools, Disco hatte mittlerweile ein Tag Team mit
Alex Wright gebildet, nie miteinander zu tun hatten. Die Fools wollten tanzen, das Wolfpac wollte sich auch mal zeigen, sie hatten nämlich sonst nichts zu tun und es kam zum Kampf. Disco wurde von
Kevin Nash mit der Powerbomb nieder gestreckt und während Wright im Torture Rack war, pinnte Konnan Inferno. Ganz schlecht.
Kevin Greene war der beste Non Wrestler des Abends. Das war nicht schwer, aber er hatte im Vorjahr immerhin schon mal bewiesen, dass er etwas kämpfen kann. Gegen den Giant hatte er natürlich keine Chance. Völliger Schwachsinn, aber irgendwas mussten Footballspieler damals in der Off Season halt auch tun.
Fazit Aquifel: Oft ist es ja so, dass die Main Events mies und die Under-/Midcard ordentlich sind. Endet oft im Mittelfeld. Der Bash at the Beach 98 nicht. Der Opener, das Juvi/Kidman Match und der Guerrero-Familien-Zwist waren gut. Jericho/Rey fehlte die Zeit, Hart/Booker daneben noch ein bisschen "Booking-Feuer". Und sonst? Ein Match, das eher ein Segment war, ein Match das höchstens bei Thunder hätte ausgestrahlt werden sollen (wenn überhaupt), ein uninspiriertes Match des Giants und eine Frechheit von World Title Match. All das krönt ein zwar langer und toll gehypeter Main Event, der aber wrestlerisch und in Bezug auf Spannung/Unterhaltungswert gegen die Opener der eigenen Promotion meilenweit abstinkt. Große Namen, nichts dahinter, das Credo der WCW zu dieser Zeit... ganz knappe 4 Punkte. Mit zugedrückten Augen aller Art.
WCWler: Der ganze PPV war über Wochen nur mit dem Main Event aufgebaut worden und man sah, dass große Namen nicht unbedingt für Qualität im Ring stehen müssen. Vor allem nicht, wenn sie keine Wrestler sind. Das Cruiserweight Title Match war ein Lichtblick, das TV Title war storymäßig recht gut und das Flock rettete die titel- und haarlose Undercard. Wenn man sich überlegt, welche große Talente im Ring wie
Sting oder
Ric Flair oder viele Cruiserweights oder auch Leute wie
The Steiner Brothers,
Lex Luger hier nicht eingesetzt wurden, ist diese Card eine einzige Frechheit für diese Leute. 4 Punkte.
Die PPV-Gesamtwertung