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Ligenkrieg in Philly: ROH vs. CZW

Fehde

Fehdendaten
Titel:
Ligenkrieg in Philly: ROH vs. CZW
Zeitraum:
Januar 2006 - Juli 2006
Eine Fehde zweier Ligen: Eine Idee, die in Gedanken immer verführerisch klingt, in der Realität aber fast immer scheitert. Zu groß sind die Eitelkeiten hinter den Kulissen, zu gering der Wille, sich mit dem jeweiligen Konkurrenten auf der Augenhöhe zu präsentieren, die Grundvoraussetzung für eine Geschichte ist, die am Ende die Fans beider Ligen zufriedenstellt. Bei der WWF-WCW-Fehde 2001 - die wegen des Kaufs der WCW keine wirkliche war - war dieser Anspruch schon im Ansatz nicht erfüllt. Besser gelang das fünf Jahre später zwei Indy-Ligen - trotz oder gerade wegen ihrer überaus unterschiedlichen Philosophien. Ring Of Honor, die Liga, die ihren Schwerpunkt erfolgreich auf das klassische Wrestling legt - und Combat Zone Wrestling, eine vor allem auf die - teils überaus brutale - Hardcore-Gangart fixierte Promotion. Im Januar 2006 veranstalteten beide Ligen in der (gefühlten) Wiege dieser Stilrichtung, der ehemaligen ECW-Arena, einen Double-Header-Event, der zum Startpunkt der großen Rivalität wurde - ohne dass diese zu dem Zeitpunkt schon als solche geplant war.

Als einmaliges Highlight fand als Höhepunkt der ROH-Show nämlich ein ROH World Title Match der beiden Top-Asse von ROH und CZW statt: Chris Hero forderte den Champion Bryan Danielson. Der tauchte auch bei der CZW-Show auf, um den Kampf zu hypen - während Hero zu ROH die CZWler Adam Flash, Necro Butcher, Nate Webb und Ringrichter Bryce Remsburg mitbrachte. Diese mussten mitansehen, wie der American Dragon seinen Herausforderer niederrang und verhinderte, dass der Titel in die Hände eines Ligafremden fiel.

Die Angelegenheit schien erledigt - aber Hero kehrte in der nächsten Shows zusammen mit Necro Butcher zurück und setzte sich provokativ ins Publikum. Ace Steel störte sich an der Präsenz der beiden und forderte sie auf, sich ihnen im Ring zu stellen. Die beiden nahmen dankend an - und wurden schließlich vom vereinigten ROH Locker Room aus der Halle vertrieben. Es spielten sich chaotische Szenen ab, bei denen hinter den Kulissen auch ROH-Commissioner Jim Cornette attackiert wurde. Es war der Startpunkt einer Reihe gegenseitiger Besuche.

Feindliche Übernahme

Bei der nächsten Show Dissension zeigte sich Necro Butcher allein im Publikum - und wurde von einem wütenden Cornette in den Ring gebeten. Cornette wäre zwar kein Wrestler, Necro aber auch nicht, daher könnten sie auf Augenhöhe aufeinander einprügeln. Adam Pearce schritt ein und verhinderte, dass Cornette in Teufels Küche kam, indem er sich selbst um Necro kümmerte - wiederum mit Hilfe des ROH Locker Rooms.
Bei der 4th Anniversary Show von Ring Of Honor gingen die CZWler einen Schritt weiter, als Hero eine kleine Armee anführte, die mitten in der Show den ROH-Ring eroberte. Pearce führte den Kontertrupp an, aber erst als der ehemalige ROH Champ Samoa Joe mitmischte, konnten die Invasoren vertrieben werden.

Die Intensität steigerte sich noch einmal, als die beiden Ligen im März wieder einen Double Header in Philadelphia veranstalteten. Wissend um die Anwesenheit der CZWler forderte BJ Whitmer - der sich zuvor in eine Prügelei mit Necro und Super Dragon verstrickt hatte - proaktiv, dass sie zum Ring kommen sollten und sich den ROHler stellen sollten. Ein Wunsch, den ihm die CZWler nur zu gerne erfüllten. Mit insgesamt rund 20 Mann samt Promoter John Zandig und diversen Ultraviolent-Waffen - Tacker, Stacheldraht, Rasentrimmer (!) - brachten sie den ROH-Ring in ihre Gewalt und ließen vor allem Whitmer leiden: Sie fesselten ihn mit Gaffertape an die Seile, bearbeiteten ihn mit dem Tacker und sprayten ihren Liga-Schriftzug auf seinen Rücken. Anschließend nahmen sie die Kulisse auseinander und übersprühten das ROH-Logo mit ihren drei Buchstaben.

Castagnolis Zerrissenheit

Bei Best In The World im April beantworteten Hero und Necro eine offene Herausforderung des ROH-Tag-Teams Jason Blade und Kid Mikaze - und zerstörte die beiden. Anschließend forderte Hero Pearce zu einem Match heraus, in dem Pearce Necro dann durch einen Tisch warf und ihn sich damit für den Moment vom Halse schaffte. Als Abhilfe rief Hero seinen Tag Team Partner Claudio Castagnoli herbei, der seit einiger Zeit auch bei ROH aktiv war - und sich prompt weigerte, sich gegen seine neue Liga zu stellen. Er vertrieb stattdessen Hero und Necro zusammen mit Pearce.

Bei der Dragon Gate Challenge stellten Hero und Necro Castagnoli für sein Handeln zur Rede. Hero erklärte, dass sie ihm vergeben würden, wenn er zu Sinnen kommen würde und sich den CZWlern anschließen würde. Whitmer eilte darauf zum Ring, um auf Hero und Necro loszugehen. Er geriet in die Defensive, bis Castagnoli ihm nach einigem Zögern half. Bei Supercard Of Honor folgte der nächste große Brawl, in dem selbst Cornette mitmischte und mit einem Baseballschläger auf Necro eindrosch. Hero kümmerte sich dann um Cornette, aber Whitmer, Pearce und Joe vertrieben schließlich die Eindringlinge.

Am darauffolgenden Abend drehten sich die Verhältnisse: Cornette wurde verprügelt und auch Pearce, Whitmer und Joe konnten nicht helfen. Castagnoli, der auf Seiten von ROH mitmischen wollte, verdrehte sich beim Versuch einzugreifen das Knie und war so ebenfalls keine Unterstützung.

Nur ein Trick

Bei der 100th Show von ROH - wieder in Philadelphia - geriet die Angelegenheit schon atmosphärisch auf einen neuen Höhepunkt. ROH- und CZW-Fans wurden getrennt voneinander in den beiden Arena-Hälften platziert und duellierten sich mit ihren Chants. Im Main Event der Show - eingeleitet durch eine ROH-vs.-CZW-Debatte zwischen Cornette und Zandig - trafen Joe, Pearce und Whitmer auf Hero, Necro und Super Dragon. Der Kampf wurde von Castagnoli entschieden, der gegen ROH turnte und damit offenbarte, dass er die ganze Zeit mit den Invasoren unter einer Decke gesteckt hatte. Er verhalf Hero zum Pinfall über Pearce. Die CZWler feierten mit den ihnen gewogenen Fans - während Joe drohte, dass die Sache erst am Anfang wäre.

Am ersten Abend von Weekend Of Champions gab es den nächsten ROH-vs.-CZW-Multi-Main-Event: Whitmer, Pearce, Steel und der von Cornette noch rekrutierte Colt Cabana trafen in einem Anything Goes Match auf Castagnoli, Necro, Super Dragon und Nate Webb. Wieder siegte das CZW-Team, das vor allem Whitmer einmal mehr mitleidslos bearbeitete. Whitmer musste die Arena nach einem Double Stomp von Dragon auf einen Stuhl und dem Muscle Buster von Castagnoli auf einer Trage verlassen.

Am zweiten Abend der Show rückte Whitmer dennoch bandagiert und weiter voller Kampfeswillen an - zum Missfallen von Cornette, der selbst auf Krücken kam und erklärte, dass er wegen der CZW-Attacken eine Knie-OP bräuchte. Um das Vakuum während seiner Pause zu füllen, ernannte er Pearce zum Vize-Commissioner. Es folgten mehrere Brawls und Matches - Whitmer verschaffte sich mit einem Sieg über Super Dragon Rache für das Geschehen des Vorabends.

Homicide schreitet ein

Bei How We Roll im Mai folgte das nächste Kuriosum, als für ein Match der Kings Of Wrestling gegen Whitmer und Pearce jweils ein ROH- und ein CZW-Ringrichter angesetzt wurden. Necro Butcher sicherte dem CZW-Team mit einem Eingriff den Sieg, Samoa Joe glich die Verhältnisse aus und forderte Necro zu einem Match am nächsten Abend. Besagter Kampf endete wie gewohnt wieder im Massenbrawl-Chaos - als dessen Höhepunkt ein weiterer ROH-Held in die Schlacht eingriff und für seine Liga den Tag rettete: Homicide. Es kam zu einem spontanen Match des Notorious 187 gegen den Butcher, das Homicide nach einer Lariat gewann.

Am nächsten Abend allerdings krachte es zwischen Team ROH und seinem neuen Mitglied. Nachdem Homicide in umstrittener Manier ein World Title Match gegen Danielson verlor und Pearce die Entscheidung des Ringrichters in Cornettes Namen bekräftigte, dampfte Homicide mit den Worten „Fuck you, Ring Of Honor!“ ab.

Turbulentes Finale im Todeskäfig

Das war ein Problem für Cornette, der jeden Mann brauchte für den Showdown, auf den die Rivalität letztlich zulaufen sollte: Ein Ten Man Tag Team Cage of Death Match bei Death Before Dishonor - wieder in Philly, wieder vor geteiltem Publikum. Für ROH stiegen Pearce, Steel, Joe und Whitmer in den Ring, für CZW Hero, Castagnoli, Necro und Webb - der fünfte Mann der jeweiligen Teams blieb bis zur Show offen. Cornette wollte Homicide, der aber die Erfüllung von drei Wünschen als Bedingung für seine Teilnahme forderte. Cornette wollte sich darauf nicht einlassen und wandte sich stattdessen an Danielson, der sich bislang aus der Sache herausgehalten hatte - ironisch, war es doch sein Match gegen Hero, das alles eingeläutet hatte. Danielson folgte Cornettes Bitte - obwohl er vorher ein ROH World Title Match gegen CZW-Mann Sonjay Dutt zu bestreiten hatte - das er gewann.

Das Cage of Death Match lief unter War-Games-Regeln - wozu passte, das NWA-Legende und Horsemen-Manager JJ Dillon auf Initiatice von Cornette den Torwächter gab. Das Match lief nicht gut für ROH: Zunächst turnte Danielson gegen seinen ROH-Gefährten Joe, der zugleich Top-Herausforderer auf seinen Titel war. Er ging auf Joes Knie los und ließ das Team dann aus purem Eigennutz im Stich. Dann landete CZW-Anführer Hero mit seinem fünften Mann einen Coup: Es war sein CZW-Erzrivale Eddie Kingston, der seinen Hass auf Hero für einen Abend hinter seinen Hass auf ROH zurückstellte. Die Wende sollte sich einstellen, als Homicide doch noch den weißen Ritter gab und Danielson ersetzte - und seine Gefährten mit Gabeln ausstattete. Eine Menge verrückter Aktionen folgten - als Höhepunkt ein Copkiller von Homicide gegen Webb durch ein Stacheldraht-Brett - womit das Match für ROH entscheiden war.

Lange hielt die einträchtige Freude nicht an, denn die drei Wünsche von Homicide an Cornette (ein World-Title-Match, ein weiterer Kampf gegen Erzfeind Steve Corino und die Wiedereinstellung von Low Ki) erzürnten diesen und sorgten dafür, dass er und Pearce auf Cide losgingen - womit nahtlos die nächste große ROH-Story eingeleitet wurde. Ein Epilog der Fehde folgte noch bei War Of The Wire, als sich der viel gepeinigte Whitmer in einem No Ropes Barbed Wire Match gegen Necro Butcher durchsetzen konnte.
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