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WWE: Paranoia, Jobangst, Verfolgungswahn - Observer rekapituliert Benoits letzte 18 Monate

(03.07.2007) News, written by The Mountie

Published on:
03.07.2007, 20:07

„Ein erschreckender Blick auf die letzten 18 Monate Chris Benoits.“ So lautet der Titel der jüngsten Ausgabe der Wrestling Observer Newsletter. Und was Dave Meltzer und seine Kollegen da zusammen getragen haben, ist mit diesem Wort noch milde ausgedrückt. Wir fassen für euch die wichtigsten Punkte zusammen:

Zunächst einmal beantwortet sich die Frage, warum der Observer gerade die letzten 18 Monate und keine länger oder kürzere Phase betrachtet: Denn vor eineinhalb Jahren geschah das Ereignis, das Benoits Leben endgültig aus der Bahn warf: Der Tod von Eddie Guerrero. Benoit verlor in Eddie einen der wenigen Leute, dem er blind vertraute und dem er all seine Probleme mitteilte. Wie sehr ihn Eddies Tod mitnahm, sah man damals bei dessen Tributshow, in der Benoit einen regelrechten Weinkrampf bekam. Verkraftet hatte er den Verlust offenbar bis zuletzt nicht. Bryan Alvarez von Figure 4 Weekly erklärte gar, dass Benoit jeden Tag an Eddie gerichtete Briefe in ein Tagebuch schrieb – wobei „jeden Tag“ auch eine Übertreibung sein könnte.

Tod von Grunge verschlimmerte Situation weiter

Schon damals war Benoits engeren Freunden angeblich klar, dass Benoit ähnliche Probleme mit Medikamenten wie Eddie hatte und dringend einer Therapie bedurfte. Anscheinend hat ihm das aber keiner ins Gesicht gesagt, weil Benoit für solche Ideen überhaupt nicht offen gewesen sein soll. Stattdessen wurden Benoits Probleme in Folge von Eddies Tod noch schlimmer.

Ähnlich stark soll Benoit von einem anderen Todesfall drei Monate später mitgenommen worden sein: Dem von Johnny Grunge von Public Enemy. Grunge wohnte in unmittelbarer Nachbarschaft der Benoits und war sowohl mit Chris als auch mit Nancy befreundet. Er bekam oft die häuslichen Streitigkeiten des Paars mit und kam vorbei, um die Wogen zu glätten und Chris auf andere Gedanken zu bringen. Nachdem Grunge nicht mehr da war, sollen die Eheprobleme der Benoits noch mehr außer Kontrolle geraten sein.

Grunges Tod hat bei Benoit anscheinend auch eine Aversion gegen alles Religiöse ausgelöst. Er weigerte sich strikt auf Grunges Beerdigung zu gehen und machte auch klar, dass er nie mehr in die Kirche gehen wollte. Man muss dazu wissen, dass ein solches Verhalten in den gottesfürchtigen USA anders als hierzulande höchst ungewöhnlich ist.

Verfolgungswahn und Angst vor Jobverlust

Generell wurde Benoits Benehmen immer merkwürdiger. Er begann Züge von Paranoia anzunehmen und bekam das Gefühl, dass ein Stalker hinter ihm und seiner Familie her wäre. Er verbot Nancy, nach 18 Uhr abends aus dem Haus zu gehen und Daniel und seine anderen Kinder – wenn sie einmal da waren – durften nicht mehr draußen spielen. Er selbst begann nach Heimflügen stets andere Routen vom Flughafen nach Hause zu fahren, weil er Angst hatte, dass ihn jemand verfolgen würde. Er mietete sich außerdem eine neue Wohnung, was zunächst so verstanden wurde, als ob eine Trennung von Nancy vollzogen würde. Anscheinend aber wollte er in seinem Verfolgungswahn nur, dass seine Post dort hingeht.

Eine andere Paranoia, die Benoit bekam, war dass er seinen Job in der WWE verlieren könnte – obwohl er nach allgemeiner Einschätzung in der Liga eine Anstellung auf Lebenszeit sicher gehabt hätte. Meltzer hat Benoit nach eigenen Angaben vor einiger Zeit gefragt, ob er an einen Wechsel zu TNA denke – worauf Benoit völlig verstört reagierte. Er deutete die Frage so, als hätte Meltzer Insider-Informationen, dass ihm eine Entlassung ins Haus stehe. Der Observer spekuliert, dass Benoit seinen Wechsel zur ECW womöglich ebenfalls in den falschen Hals bekam und fürchtete, dass das eine Gehaltssenkung mit sich bringen und der erste Schritt zur Kündigung gewesen sein könnte.

Benoits Jobangst hat nach Schilderung seiner Frau dazu geführt, dass er noch mehr Medikamente einwarf als zuvor. Er erhöhte demnach die Dosis an Steroiden, Schmerzmitteln, Blutdrucksenkern und Antidepressiva. Das Rezept, das Benoit sich an seinem letzten Arztbesuch am Freitag vor der Tragödie verschreiben ließ, war für das Antidepressivum Zoloft.

“Wenn mir etwas passiert, war es Chris“

Anscheinend verlor Benoit auch das Vertrauen in seine Ehefrau. Kurz vor seinem Tod hat er laut dem Observer ein Bankkonto in Kanada eröffnet, das auf den Namen seiner Ex-Ehefrau lief. Dazu schloss er eine Versicherung ab, in der seine Ex-Frau und ihre gemeinsamen Kinder als Begünstigte angegeben waren. Als Nancy das herausbekam war sie entsprechend irritiert und forderte Chris auf, sie und Daniel zu der Liste hinzuzufügen – doch er weigerte sich.

Schon vor dem Wochenende müssen die Probleme zwischen Chris und Nancy dann eskaliert sein. Der Observer rekapituliert einen Anruf Nancys bei einer Freundin aus dem Wrestlinggeschäft am Donnerstag. Nancy erklärte dabei, dass sie Todesängste durchleide. Sie soll sogar gesagt haben, dass wenn ihr irgendetwas passieren sollte, Chris dafür verantwortlich sein würde. Angeblich hat Nancy sogar Hinweise in einen Safe hinterlassen, in denen sie genau das festhielt - dies bestritt die Polizei allerdings.

Die Freundin soll Nancy dann dringend geraten haben, sich in einer Wohnung vor Chris zu verstecken, was sie bei vorherigen Problemen anscheinend bereits getan haben soll. Nancys Freundin vertraute das einer weiteren Bekannten an, die Nancy dann ausrichten ließ, dass sie Daniel schnellstmöglich zu ihren Eltern in Florida bringen sollte. Aus unklaren Gründen tat Nancy nichts von beidem. Am selben Tag war Nancy bei Dr. Astin und holte sich Ratschläge ein, wie man Daniel allein erziehen könnte. Es könnte also sein, dass sie Chris darauf eröffnete, dass sie ihn verlassen und Daniel mitnehmen würde – und dass das der Auslöser für Benoits Wahnsinnstaten war. Ein solches Szenario mutmaßen auch die ermittelnden Polizisten.

Grausiges Detail am Rande: Der Observer hat mittlerweile die im Boulevard bereits vermutete Meldung bestätigt, dass Benoit Daniel mit dem Crippler Crossface erwürgte. Sie fanden an Daniel Handabdrücke, die sie erst deuten konnten, als sie Matches von Benoit studierten. Gegenüber der Presse sprach die Polizei – nachdem sich die ursprüngliche Theorie, dass Daniel erstickt wurde, als falsch herausstellte – nur unbestimmt von einem Würgegriff, um nicht noch mehr Sensationalismus herauszufordern.
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