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Mainstream Breakdown #20: Lesnar's Unimpressive Record

Kolumne

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Published on:
12.06.2018, 14:37
Category:
Series:
Mainstream Breakdown (All entries of this article series)
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434 - Wrestling-Fans wissen sofort, was diese Zahl bedeutet. Es ist die Anzahl an Tagen, die CM Punk von November 2011 bis Januar 2013 die WWE Championship gehalten hat. Es ist eine Regentschaft, die nicht nur, aber vor allem wegen ihrer Länge einen ganz besonderen Status genießt. Es war zum damaligen Zeitpunkt die längste Regentschaft der "Modern Era" und die sechstlänge aller Zeiten. Nun, bis vorgestern. Denn am vergangenen Sonntag stellte ein gewisser Brock Lesnar diesen Rekord ein. Seit dem 02.04.2017 hält "The Beast Incarnate" die WWE Universal Championship, den aktuell wichtigsten Titel bei Monday Night RAW und damit verbunden auch eigentlich den wichtigsten Titel bei World Wrestling Entertainment. Der schier unbrechbare Rekord von CM Punk wurde damit bereits fünf Jahre nach Ende seines Titleruns egalisiert. Und ein Ende der Regentschaft von Lesnar ist wohl frühestens für den SummerSlam 2018 zu erwarten, womit er den Rekord des Mannes aus Chicago nicht nur knapp, sondern recht deutlich überbieten dürfte.

Aufgrund all dieser Zahlen ist es natürlich unvermeidlich, dass man die beiden Regentschaften irgendwie vergleicht. Selbstverständlich weiß jeder Beobachter, dass hier kaum gleiche Maßstäbe angesetzt werden können. CM Punk war auf seinem damaligen Karrierehöhepunkt ein Vollzeit-Wrestler, bestritt praktisch (mit Ausnahme einer kleinen Verletzungspause) alle House Shows und kommt somit auf stolze 149 Titelverteidigungen. Brock Lesnar hingegen kann gerade einmal 14 Matches um das Gold nach Gewinn des selbigen vorweisen, was freilich mit seinem Status als Special Attraction zusammenhängt. Einen Status, den er schon seit seiner Rückkehr zu WWE 2012 genießt und der über lange Zeit auch von den meisten Fans akzeptiert und wenigsten geduldet wurde. Doch spätestens jetzt, mit dem "Überholen" von CM Punk scheint der Geduldsfaden überspannt zu sein. Immer mehr Zuschauer machen ihrem Unmut Luft, vor allem über Twitter. Bei WrestleMania 34 in diesem Jahr konnte man auch deutlich erkennen, dass das Ansehen vom Klienten von Paul Heyman stark sinkt. Wurde er drei Jahre zuvor gegen Roman Reigns noch angefeuert (auch da nach einer langen Regentschaft ohne viele Verteidigungen), bekam er im April diesen Jahres weit weniger Zuspruch. Ärgerlich für Vince McMahon und Co. war nur, dass dies nicht gleichbedeutend mit Jubel für Roman Reigns war, denn die anwesenden Fans in New Orleans haben das Match als solches abgelehnt. Natürlich hatte diese mehrere Gründe, wie z.B. das immer gleiche Schema bei Lesnar-Matches oder auch die Länge der Show, aber man konnte deutlich eine Abneigung gegenüber beiden Workern spüren. Am Ende verteidigte Lesnar bekanntermaßen den roten Gürtel und sein Run ging weiter.

Im Podcast von Steve Austin hat Vince McMahon vor dreieinhalb Jahren gesagt, dass die permanente Anwesenheit des World Champions nicht notwendig ist. Gerade im Falle von Lesnar, so der Chairman weiter, wolle man seine Auftritte besonders halten. Ein nachvollziehbarer Punkt - im Jahr 2014. Jetzt ist die Ausgangslage jedoch eine andere. Zum einen bietet Brock Lesnar inzwischen nichts mehr Neues. Seine Matches verlaufen, wie gerade schon erwähnt, gefühlt immer nach dem gleichen Prinzip. Dazu kommt, dass er momentan kaum mehr neue Gegner vorgesetzt bekommt. In den letzten 14 Monaten verteidigte er seinen Titel bei Pay Per Views genau gegen vier verschiedene Gegner: Samoa Joe, Braun Strowman, Kane und eben Roman Reigns. Alles große Männer, gegen die er einen klassischen Heavyweight Fight bestreitet. Für sich genommen sind die Kämpfe auch ganz nett, der Wunsch nach ein bisschen Abwechslung wächst jedoch von Mal zu Mal. Kein Wunder, dass das Match gegen AJ Styles bei Survivor Series sehr gut aufgenommen wurde, es war eben anders strukturiert und besaß eine gewisse Einzigartigkeit. Und zum anderen wollen die Fans auch endlich wieder einen Champion sehen, der dauerhaft bei RAW anwesend ist. Die Idee des Außenseiters, der nur ab und zu mal da ist, um seinen Gürtel aufs Spiel zu setzen, war beim ersten Mal 2014 noch gut, wurde aber da schon mäßig umgesetzt. Nun ist es die breite Masse leid, immer nur mit Roman Reigns in Non Title Matches als Main Attraction von RAW vorlieb nehmen zu müssen. Nicht ohne Grund bekommt Seth Rollins gerade einen sehr großen Fanzuspruch - er verkörpert eben den anwesenden Fighting Champion. Es ist eines der jüngsten Beispiele, dass die Ansicht von Vince McMahon nicht immer der der meisten Fans entspricht.

Für mich als Außenstehenden stellt sich aktuell vor allem die Sinnfrage hinter dem Booking des Lesnar-Titelruns. Bringt Brock Lesnar wirklich noch so viele Zuschauer in die Halle oder generiert dieser Mann tatsächlich so viele Network-Käufe? Ohne es genau zu wissen möchte ich diese beiden Thesen zumindest leicht anzweifeln. Über einen langen Zeitraum hinweg fand ich ihn selbst auch noch sehr interessant. Seine Kämpfe brachten eine Intensität mit, die es anderswo kaum zu sehen gab. Und auch wenn es ironisch ist, dass ich mich hier wiederhole - Brock Lesnar hat sich durch die geringe Varianz seiner Auftritte einfach abgenutzt. Die Niederlage gegen Goldberg 2016 gab seinem Charakter noch einmal kurzzeitig eine gewisse Tiefe, die aber eben nicht von langer Dauer war. Da kann der ehemalige UFC Fighter noch von Glück reden, dass er Paul Heyman an seiner Seite hat, der zumindest seine Promoauftritte noch interessant aussehen lässt.

Doch zurück zur gerade eben schon angesprochenen Sinnfrage. Warum also wird Brock Lesnar nun schon über so lange Zeit so dominant dargestellt? Die Antwort darauf könnte eigentlich nur lauten, dass er mit einer Niederlage und dem damit verbundenen Titelverlust schließlich einen neuen Mann an der Spitze von RAW bzw. WWE over bringt. Selbst zum jetzigen Zeitpunkt besteht wohl wenig Zweifel daran, wer das sein soll(te): Roman Reigns. Den Plan, der 2015 gescheitert war, galt es in diesem Jahr nun endlich umzusetzen. Der gute Vollzeit-Wrestler besiegt den bösen Teilzeit-Wrestler bei WrestleMania und geht als von den Fans umjubelter Triumphator hervor. Fraglich ist, warum man den Knopf in New Orleans nicht gedrückt hat. Nur um des Überraschungseffekts Willen? Weil Lesnar doch spontan noch ein paar Monate mehr Lust auf Wrestling hat? Oder weil man doch eingesehen hat, dass Roman Reigns als Face eh nicht over kommt, egal, ob er Lesnar besiegt oder nicht? Wünschenswert wäre ja die letztgenannte Begründung, allein der Glaube daran fehlt mir. Ich gehe nach wie vor davon aus, dass der "Big Dog" spätestens beim SummerSlam Brock Lesnar entthronen wird. All die Mühe also, all den Unkenrufen zum Trotz, nur, damit am Ende dieser langen Regentschaft doch wieder der Großteil der Fans nicht glücklich sein wird? Allein die Vorstellung daran löst bei mir blankes Kopfschütteln aus.

Brock Lesnar als WWE Universal Champion war bis dato ein Flop. Nicht (nur) wegen der geringen Anzahl an Titelverteidigungen oder weil er CM Punks Run in der Länge übertroffen hat. Er durfte hoffnungsvolle Wrestler wie Samoa Joe und Braun Strowman in unter zehn Minuten klar besiegen, stellte dabei kaum innovative Sachen auf die Beine und war eben auch kaum anwesend. Ein einigermaßen positives Fazit kann jetzt theoretisch nur noch mit dem Ende der Regentschaft gezogen werden. Anders ausgedrückt: Roman Reigns in seiner aktuellen Form DARF nicht der sein, der Lesnar als Titelträger ablöst. Und dazu gibt es nur zwei einigermaßen realistische Alternativen. Entweder Roman Reigns turnt während oder nach dem Match Heel und bekommt im Idealfall noch Paul Heyman als neues Sprachrohr an die Seite. Oder es ist eben nicht Roman Reigns, der den Rekordchampion entthront. Aber wer soll es dann werden? Die einzig richtige Antwort auf diese Frage ist Seth F'N Rollins! Nach anfänglichen Startschwierigkeiten als Face nach seinem Turn 2016 hat "The Architect" inzwischen seine Rolle gefunden. Er ist der Mann, der Woche für Woche unter Beweis stellt bzw. unter Beweis stellen will, warum er im Ring der Beste ist. Denn auch wenn Rollins am Mikrofon sehr gereift ist, ist es seine Arbeit im Seilgeviert, die ihn auszeichnet. Ich kann mich gerade an kein schlechtes Match von Seth Rollins in den letzten Monaten erinnern, selbst Graupen wie Jinder Mahal und Mojo Rawley konnte er zu guten Kämpfen ziehen. Als Intercontinental Champion ist er aktuell mehr oder weniger der Fokuspunkt von RAW, wenn man, was ich ganz gern tue, über Reigns hinweg sieht. Dass das nicht nur meine Wenigkeit so sieht merkt man an den Fanreaktionen auf ihn, die seit Wochen nun schon konstant mit die lautesten bei RAW sind. ER ist aktuell DER Mann beim roten Brand und eben nicht Roman Reigns. ER drückt der Show seinen Stempel auf. Und deswegen sollte ER es auch sein, der beim SummerSlam das scheinbar Unmögliche möglich macht und Brock Lesnar besiegt. So bekäme man in Stamford nämlich das, was man sich seit Lesnars Titelgewinn erträumt hat: einen neuen Top-Star, der von den Fans uneingeschränkt bejubelt wird und mit dem Sieg über den amtierenden Champion auch noch etwas dazu gewinnt. Noch dazu würde dies Tür und Tor für eine Fehde zwischen Rollins und Reigns öffnen, sollte man sich entschließen, Reigns doch einmal ein paar Kanten zu geben.

Natürlich würde ein Titelgewinn Rollins‘ oder ein Heelturn Reigns‘ nichts daran ändern, dass die Regentschaft von Brock Lesnar als Universal Champion den meisten Fans negativ in Erinnerung bleiben wird. Dafür hat man in den bis dato 436 Tagen zu wenig wirklich richtig gemacht. Im Gegenteil, es kam meist so rüber, als würde man in den eigentlichen Run kaum Gehirnschmalz stecken. Vince McMahon hat jedoch immer noch eine Chance das Ganze auf einer positiven Note enden zu lassen. Es bleibt zu hoffen, dass er diese Gelegenheit(en) erkennt und nicht immer noch an der Idee des "Good Guy Roman" hängt wie ein Säugling an der Brust seiner Mutter. Vielleicht helfen ja die jüngst abgeschlossenen TV-Deals ein wenig dabei, sich von einzelnen Gesichtern wie Lesnar und Reigns zu lösen, wenn man Rekordeinnahmen auch ohne Abhängigkeit von diesen Männern generieren kann. Ein Blick weg vom eigenen Geldbeutel und mehr hin zum Produkt könnte schon dabei helfen, die eben angesprochenen Probleme zu erkennen. Aber möglicherweise bin ich auch einfach wieder nur zu optimistisch und werde am Ende für meine Naivität bestraft, wenn Roman Reigns Brock Lesnar besiegt, neuer Universal Champion wird und sich unter einem Hagel von (für den Fernsehzuschauer leiser gedrehten) Buhrufen feiern lässt...
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