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Inside The Cage Classics #177: WCW Fall Brawl 1999 – Die Nacht der vertanen Chancen

Kolumne

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Published on:
14.02.2017, 18:30
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Series:
Inside The Cage Classics (All entries of this article series)
Author(s):
Inside The Cage Classics #177: WCW Fall Brawl 1999 – Die Nacht der vertanen Chancen

Nur ein paar Tage vor diesem PPV hat die WCW die Reißleine gezogen und das ehemalige Mastermind Eric Bischoff entlassen. Zuviel Geld und zuviele Ideen hatte Bischoff in den letzten Wochen und Monaten verbrannt, so man hier eine Übergangzeit starten wollte. Ob es gelang, berichten euch Aquifel und der WCWler.



Titelmatch zweier Legenden

Aquifel: Letzten Monat schickte Hulk Hogan, der wieder der Hulkster war, Kevin Nash in Rente. Dieses Mal ging es nicht ums Retirement sondern um Hogans Titel. Herausforderer war niemand geringeres als Sting. Ich mach es hier aber mal kurz und schmerzlos: Weder Sting, noch Hogan waren Ende der 90er Garanten für gute Matches. Dazu WCW Booking mit Interference, Chaos, Ref Bumps... nunja, mal wieder ein überladener und schwacher Main Event, der lieber auf Spektakel und Gedöns setzt, als auf sinnvolle Story und gutes Wrestling.

WCWler: Sting und Hogan teamten die letzten Wochen miteinander und es war Lex Luger, der seinem besten Freund davon überzeugen wollte, dass Hogan ein falsches Spiel spielte. Hogan beteuerte das Gegenteil. Sting stand mal wieder zwischen den Stühlen, glaubte aber mehr seinem Gegner vom PPV. Mit dem lieferte sich der Stinger dann ein mäßiges Match mit all den typischen Hoganmoves und all den WCW-typischen Eingriffen. Die Triad konnte Hogan noch abwehren und auch die Hilfe von DDP konnte Sting nicht nutzen. Aber wollte er das überhaupt? Der zurückgekehrte Bret Hart nahm Page aus dem Spiel und Hogan zeigte gegen Sid und Luger den Big Boot. Doch dann passierte das unfassbare! Sting schlug Hogan mit dem Baseballschläger und gewann mit dem Scorpion Deathlock seinen neunten World Title. Dabei turnte er zum ersten Mal seit über zehn Jahren Heel!

Titelgeschehen

Aquifel: Der Cruiserweight Titel stand endlich mal wieder auf dem Spiel. Champ zu diesem Zeitpunkt war Lane, der ein Homosexuellen-Gimmick inne hatte und dessen "Sidekick" Lodi nicht nur in fragwürdiger Beziehung zu ihm stand, sondern auch tonnenweise Schilder mit zum Ring nahm. Blöd nur, dass weder den TV Offiziellen das Gimmick gefiel, noch dass es sonderlich geschmackssicher war. Das war "Frat Boy"-Humor und eher "offensive" als geschickt provokant. Aber egal. Lane, selbst nicht gerade Mr. Wrestling, hatte hier mit Kaz Hayashi ein durchaus spannendes und gut gemachtes Match, trotz des peinlichen Klischeegimmicks. So traurig das Gimmick für die Cruiserweight Division war, das Match war mal wieder das Highlight des Abends mit einigen Nearfalls, vernünftiger Dramaturgie und vor allem ordentlichem Wrestling.
Vernünftiges Wrestling suchte man beim TV Title Match zwischen Perry Saturn und Champ Rick Steiner fast vergebens. Saturn gab sich sichtlich alle Mühe, aber mit Rick war zu diesem Zeitpunkt nix anzufangen. Erinnert ihr euch noch an die guten alten Steiner Brothers Zeiten? Solche Leistungen lassen einen zweifeln, dass Rick und Scott von damals die selben Wrestler wie 1999 waren. Übel.
Gar nicht so übel war das Tag Title Match zwischen Harlem Heat, die ihren Titel von den West Texas Rednecks zurückgewinnen wollten. Stevie Ray und Booker T waren als Team klar interessanter, als als Singles Wreslters (bei Booker zumindest "noch"), und als Gegner waren sie optimal für die Rednecks, die hier leider mit Kendall Windham und Barry Windham antraten. Barry und Curt Hennig, der am Ring stand, hätte mir besser gefallen, dank der "Geschwister gegen Geschwister"-Angelegenheit passte das aber. Grundsolides Match mit etwas Gebrawle, einigen unfairen Methoden und einem erneuten Titelwechsel.
US Champ Chris Benoit bekam es danach mit seiner bis dato größten Herausforderung zu tun: Sid Vicious. Über Sid habe ich schon genug Worte verloren, aber Benoit wäre nicht er selbst, wenn er das nicht als Ansporn gesehen hätte, erst recht ein anständiges Match zu zaubern. Warum die WCW Sid als "Millenium Man" mit einer erneuten "Goldberg"-artigen Siegesserie booken wollte... keine Ahnung. Es funktionierte natürlich nicht, genausowenig wie Benoits Bemühungen aus Sid ein gutes Match herauszukitzeln. Sid gewann natürlich den Titel und stand weiter im Rampenlicht... leider.

WCWler: Das Gimmick mit Lane und Lodi wurde im Vorfeld schon entschärft und anstatt ein Paar waren sie nun Brüder. Das machte die Anspielungen untereinander noch sinnloser, aber die WCW-Oberen waren damals zu sehr darauf aus, niemanden zu verärgern. Außer Wrestlingfans natürlich. Wie dem auch sei, dem Cruiserweight Title tat das alles recht gut, nachdem er zuvor über Wochen nur Deko war. Das Match hier hatte einige gute Spots, Nearfalls und am Ende konnte Lenny Lane mit Ablenkung von Lodi den Titel verteidigen. Endlich wieder gutes Cruiserweight Wrestling!
Der TV Title hätte auch mal dringend einen Titelwechsel gebraucht. So war er weiterhin Deko für Rick Steiner, der seine schlechten Matches nun in einem bedeutsamen Rahmen zeigen durfte. Saturn konnte leider nichts reißen und verlor ein langweiliges Match mit dem Steiner Bulldog.
Harlem Heat holte sich zum neunten Mal die Tag Team Krone der WCW. Allerdings wurde der Titelwechsel zuletzt zu den Rednecks dazu richtig sinnlos, aber das kennen wir ja mittlerweile. Das Match war ganz gut und besonders wenn Booker T im Ring war, war es ansehnlich.
Sid Vicious... Was hat mich dieser Mann in den letzten Wochen aufgeregt. Kommt mehrmals pro Sendung zum Ring, zerstört Wrestler, ist auf einer fragwürdigen Streak und hält dann bei Nitro mehrere schlechte Promos in einer Ausgabe. Dazu ist er grauenvoll im Ring. Kurz um: Der perfekte WCW Star für das Jahr 1999. Da macht das dieses Match auch keinen Unterschied, auch wenn sich Benoit sichtlich bemüht. Der Wechsel des US Titles, dem zweitwichtigsten Titel der Liga, hin zu Sid setzt noch allem die Krone auf. Furchtbar.

Die anderen Matches

Aquifel: Abgesehen von den ganzen Titelmatches gab es noch einiges anderes zu bestaunen. Der Opener zwischen den Filthy Animals und The Deadpool zum Beispiel. Eddie Guerrero, Kidman und Rey Mysterio Jr. konnten sich in einem unterhaltsamen und kurzweiligen Match gegen Vampiro, Shaggy 2 Dope und Violent J durchsetzen. Schaut man sich an, was die ICP hier treibt... das war überzeugender als einige Leistungen gestandener Wrestler an diesem Abend. Die Geschichte funktionierte, war gut gemacht und wrestlerisch schafften es die beiden Musiker sich gut in das Match der vier ohne Frage recht talentierten andere Worker zu integrieren. Nett, nett.
The First Family (der Stablewahn ging weiter) repräsentiert durch Brian Knobbs und Hugh Morrus prügelten sich in einem No DQ Match mit zwei Mitgliedern der Revolution, namentlich Dean Malenko und Shane Douglas. Wie hieß es so schön in den Nutzerkommentaren der Hauptseite: Wurde die Stip genutzt war es ganz passabel, wenn nicht, dann konnte man es vergessen. Das trifft es perfekt.
Bei Berlyn gegen Hacksaw Jim Duggan wurde es leider nie passabel. Das Berlyn Gimmick funktionierte so nicht, Duggan half dabei herzlich wenig mit seiner plumpen Art und Weise. Schlechtes Match und eine Verschwendung von Alex Wrights Potential. Und Duggan 99 bei einem PPV? Würg.
Diamond Dallas Page und Goldberg trafen ebenfalls noch aufeinander. In der Vergangenheit trafen beide bereits aufeinander und zeigten dabei auch recht ansehnliche Matches, also durfte man hier gespannt sein. Wirklich umgehauen hat das Match wohl keinen, aber verglichen mit anderem auf der Card war das schon noch in Ordnung. In Erinnerung bleibt hier aber nichts.

WCWler: Die ICP zeigte hier wirklich eine gute Leistung. Dafür, dass sie keine Wrestler waren, bestritten sie recht viele Matches in der WCW und blamierten sich nicht. Das ist 1999 ja auch schon mal was wert. Das Match selbst war ansehnlich und endlich mal wieder ein guter Opener. Kidman konnte mit einer Shooting Star Press vom Top Rope am Ende den Sieg holen.
Warum war das Tag Team Match nur ein No DQ Match? Für das Brawlen draußen? Das kann es ja auch nicht sein. Dass die First Family am Ende gewinnen konnte, war überraschend und unverständlich.
Über die letzten Wochen wurde Berlyn gegen Buff Bagwell aufgebaut. Aber, der Herr Superstar Bagwell wollte nicht verlieren. Darum erfand man die Geschichte, dass er noch nicht in der Halle sei. Und dann fand man niemand besseres als Hacksaw? Dieser sellte kaum einen Move von Wright, dessen neues Gimmick seit Wochen toll angekündigt wurde und der sich mit seinem sehr deutschen Auftreten bei Nitro gleich viel Heat erarbeitete. Nach diesem Match, wo Berlyn sehr viel Mühe mit Duggan hatte und am Ende nach einem Reverse Neckbreaker gewann, war das aber alles wieder weg. Das Match hätte kürzer sein müssen und Berlyn hätte dominanter sein müssen. Das nach dem Sieg Bagwell backstage "ankam" und sich über einen verspäteten Flug beschwerte, war dann noch der Gipfel der Frechheit. Warum zeigt die WCW sowas? Dank Bagwell war Berlyn nun schon wieder fast gescheitert. Aber es passt zur Moral des Herren B.
DDP gegen Goldberg war fast schon ein Füller, denn ein großes Match war es nur angesichts der Namen. Beide zeigten ein paar Nearfalls und am Ende gewann Goldberg wie immer.

Fazit

Aquifel: Tja, etwas Licht, etwas Schatten und viel Kram dazwischen. Insgesamt 3 Punkte, da die Anzahl der Totalausfälle und großen Enttäuschungen noch halbwegs in Grenzen blieb.

WCWler: Bischoff war also entlassen und das neue Booking Komitee begrub erstmal geschlossen die Revolution. Kein Wunder, dass sie bald flüchten sollten, denn diese Show zeigt viele Beispiele, was in der WCW im Jahr 1999 falsch lief. Auch ohne Bischoff. Dessen Entlassung brachte zwar einen PPV ohne wirklichen Totalausfall, aber auch nur zwei gute Matches. Wenigstens war nur ein richtig großer Langweiler dabei, so dass ich 4 Punkte vergebe.

Die PPV-Gesamtwertung
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