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Denn Sie Wissen Nicht Was Sie Tun

Kolumne

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Published on:
14.07.2016, 14:45
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James Dean spielt in nur drei Filmen eine Hauptrolle, die zweite und vorletzte im Film "Denn Sie Wissen Nicht Was Sie Tun" aus dem Jahr 1955. An diesen Titel musste ich denken, als ich die neuesten Entwicklungen der WWE mitbekommen habe, auch wenn der Inhalt des Films nichts mit diesen zu tun hat:

- Es gibt wieder einen strikten Rostersplit zwischen RAW und Smackdown
- Raw und Smackdown bekommen jeweils einen Commissioner
- Jeder Commissioner benennt einen General Manager für seine Show

Wir haben also für jede Show zwei Authoritätspersonen, dazu Vince McMahon, der als Chairman Of The Board / Chief Executive Officer über allem thront, und Triple H, der als Chief Operating Officer auch noch irgendwo rumeiert. Bei Firmen würde man von einer steilen Hierarchie mit unklaren Kompetenzen sprechen. Wer ist für was zuständig? Weiß der eine was der andere tut? Oder eben nicht...

Nun sind die sogenannten Authority Figures in der WWE überhaupt nichts Besonderes mehr, denn immerhin gibt es sie schon seit 1963. Die ersten drei Jahrzehnte waren sie meist im Hintergrund und wurden wenn überhaupt nur ab und an erwähnt, wenn es um Matchansetzungen oder ähnliches ging. In den Shows waren sie kaum bis gar nicht zu sehen. Mit der Attitude Era kam dann in der zweiten Hälfte der 90er aber dann der Schritt vor die Kamera. Ehemalige Wrestler wie Roddy Piper oder Shawn Michaels übernahmen den Posten des Commisisoners und waren so natürlich deutlich sichtbarer als beispielsweise ihr Vorgänger und Präsident Jack Tunney. Nach dem Ende der WCW und dem folgenden Rostersplit in der WWE ging es dann richtig ab. Es gab Besitzer wie Ric Flair, General Manager wie Eric Bischoff oder Teddy Long, Brad Maddox, John Laurinaitis oder Vickie Guerrero. Ein wahrer Wanderpokal. Dazu weitere Berater und und und. Eine ausführliche Übersicht gibt es hier auf Wikipedia.

Aber zurück zur aktuellen Situation: Wer ist hier jetzt wem überstellt? Wer ist wo weisungsgebunden und wer ist weisungsbefugt? Wer ist nur beratend tätig? Weiß das irgendwer? Ich versuche mich an einem Organigramm, auch wenn ich keinerlei nennenswerte Fähigkeiten beim Umgang mit Grafikprogrammen habe.

Auf wundersame Weise öffnet sich das Organigramm bei Klick auf diesen Link. Na, geht doch. Einigermaßen...

Was fällt auf? McMahon hier, McMahon da. Vetternwirtschaft, wie sie im Buche steht.

Vince scheint weiterhin der große Zampano im Hintergrund und/oder Mittelpunkt zu sein, der dem Board of Directors vorsitzt. In diesem fiktiven Board, dessen Mitglieder vor den Kameras eigentlich nie eine Rolle gespielt hat, sitzt unter anderem laut Storylines auch der COO Triple H. Ich habe diese Verbindung oben jetzt nicht noch einmal deutlich gemacht, weil ich hier lieber seine Zugehörigkeit zum NXT Brand hervorheben wollte. Da ist übrigens mit William Regal auch ein sich bemerkenswert zurückhaltender und unprätentiöser General Manager unterwegs.

Shane und Stephanie scheinen aktuell keine Mitglieder des Boards zu sein, auch wenn Stephanie es vor den Kameras mal war und hinter den Kameras sowie so ist. Beide sind jetzt als Commissioner verantwortlich für jeweils eine Show, und beide sollen einen General Manager für ihre jeweilige Show einstellen. Den können und werden Sie in Storylines dann unterstützen beim Wettstreit gegen die andere Show – und zur Not auch überstimmen. Sie sind ja schließlich der Vorgesetzte. Vince kann dann wiederum wenn nötig als Deus Ex Machina auftauchen und seine beiden Commissioner überstimmen. Also doch eigentlich alles ganz einfach.

Aber mal ehrlich? Was soll der Scheiß?

Dass die WWE nicht mehr ohne On Air Authoritätspersonen auskommt, um Storys zu erzählen, sollte inzwischen auch dem letzten Fan klar geworden sein. Die erzählten Geschichten sind nach langen Jahren immer gleich, langweilig und fad. Vor allem der "böse Besitzer/GM/Commissioner/usw./usf." ist ein dermaßen ausgelutschtes Konzept, das im hohen Bogen in die Tonne gehört.

Einer ist in meinen Augen schon zu viel, weil es die Geschichtenerzähler hinter den Kulissen und im Ring in ein starres Korsett zwängt. Doch braucht es gleich vier oder fünf oder sechs? Wohin das führen wird ist relativ klar: Es wird zu Fehden zwischen den Geschwistern und Ihren Stellvertretern führen, die dann wiederum Wrestler rekrutieren, um die Drecksarbeit im Ring zu machen. Das haben wir alles schon mehrfach gesehen.

Versteht mich nicht falsch, ich habe absolut nichts dagegen Raw und Smackdown wieder strikt voneinander zu trennen. Um aber einen wirklichen Neustart zu machen, bedarf es keiner überpräsenten Authoritätspersonen, die mit Sicherheit eher früher als später miteinander im Clinch liegen werden, sondern einem klaren Schnitt – und einem anderen, einzigartigen Branding für Smackdown.

Aber nein, die Promotion verfällt hier in das einzige Muster, in das sich alles zwängen lassen muss. Kämpfe zwischen Authoritätspersonen können interessant sein. Aber nicht im dreiundzwanzigsten Aufwasch mit austauschbaren Personen. Man stelle sich vor Bayern gegen Dortmund wäre immer nur Hoeneß gegen Watzke...

Traurig.

Die Liga hat vielleicht das beste Roster aller Zeiten und macht mit NXT und dem Cruiserweight Turnier sehr viel richtig, aber die Main Shows sind so erfrischend wie das heiße Frittenfett von 1997.

Der Film von James Dean heißt im Original übrigens "Rebel Without A Cause". Ich glaube es braucht einen Rebellen in der WWE, der das Storytelling revolutioniert. Meinetwegen kann er dabei auch eine coole rote Lederjacke anhaben.

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